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STEINHAUSEN: Widerstände verhindern Neugestaltung der Kirche

Die revolutionäre Neugestaltung der Kirche St. Matthias kommt nicht zu Stande. Der Architekt hat das Projekt zurückgezogen – nach Gegenwehr aus der Gemeinde und Einmischung aus Basel.
Raphael Biermayr
Die Bänke in der St.-Matthias-Kirche werden nicht durch Stühle ersetzt. (Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 20. Juni 2017))

Die Bänke in der St.-Matthias-Kirche werden nicht durch Stühle ersetzt. (Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 20. Juni 2017))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Der Architekt und Künstler Peter Hunold hat das Projekt zur Umgestaltung der St.-Matthias-Kirche in Steinhausen aufgegeben. Er hatte dafür einen radikal anderen Ansatz gewählt: einen Raum im Raum zu schaffen, wo sich Pfarrer und Gläubige buchstäblich auf Augenhöhe begegnen. Zu diesem Zweck werden unter anderem die Kirchenbänke durch Stühle ersetzt, die einen Kreis bilden. Innerhalb dieses Kreises stehen Altar, Ambo und Taufbecken.

Das Projekt sei sehr wohl auf Begeisterung gestossen, «aber es gibt sehr viele Widerstände», sagt Hunold. Einerseits war da die Heftigkeit, mit der die Konservativen ihre Ablehnung kundtaten. Andererseits war da die kritische Haltung des Bistums Basel, dem der Kanton Zug untersteht. Das Bistum muss seinen Segen zu Umgestaltungen geben und pochte bei Hunolds Projekt darauf, das letzte Wort zu haben. Darauf wollte der Künstler nicht eingehen. Nach einem ergebnislosen Treffen mit Vertretern der Bau- und Kunstkommission des Bistums entschloss sich Hunold letzte Woche, die Konsequenzen zu ziehen. «Man wollte mir reinreden und zahlreiche Änderungen vorschreiben. Auf dieser Grundlage ergab es keinen Sinn, weiterzumachen», begründet der Rotkreuzer. Er klingt nicht verbittert darüber; ja, er zeigt sogar Verständnis für die Widersetzung – auch die seitens Steinhauser Kirchgänger. «Alles, was neu ist, stösst auf Widerstand. Das ist grundsätzlich so und trifft natürlich auch auf das kirchliche Umfeld zu.»

Stefan Marty, der Bauchef im Steinhauser Kirchenrat, hat eine Vermutung, warum die Neugestaltung der Kirche bei den Gläubigen auf Ablehnung stösst. Unweit der neubarocken St.-Matthias-Kirche von 1913 steht das 1981 eingeweihte Zentrum Chilematt, das die modernere Kirche Don Bosco beheimatet. «Diese Situation könnte viele dazu veranlasst haben, die Neugestaltung der St.-Matthias-Kirche für unnötig zu erachten», führt Marty aus. Immerhin: Die Kosten für die Arbeit von Peter Hunold werden «überschaubar» sein, sagt der Bauchef.

Die hitzigen Diskussionen um das Projekt von Peter Hunold zeigt einen Graben zwischen Bewahrern und Verändern unter den Steinhauser Katholiken auf. Ruedi Odermatt, der Pfarreileiter der Gemeinde, hat diesen längst erkannt: «Es ist oft so, dass konservativ Gesinnte einen Istzustand bewahren wollen. Doch wir dürfen uns nichts vormachen – der Wandel geschieht sowieso, auch in der Kirche.» Odermatt und sein Seelsorgeteam waren und sind grosse Befürworter des Projekts: «Der Leitsatz der Pfarrei, «Leben teilen nach dem Vorbild Jesu», wäre damit umgesetzt worden», zeigt er auf.

Der Kern und die schweigende Mehrheit

Warum ist das Vorhaben trotzdem gescheitert? «Von den 3000 stimmberechtigten Katholiken in Steinhausen haben sich vor allem die Gegner geäussert», sagt Odermatt. Diese seien mehrheitlich in der Kirche anzutreffen, gehörten also zum einflussreichen Kern. «Eine gefühlte Mehrheit der regelmässigen Kirchgänger ist gegen das Projekt», hat Odermatt festgestellt. Er sagt selbstkritisch: «Wir haben es nicht geschafft, den Kern von dieser hervorragenden Idee zu überzeugen – das ist die grösste Enttäuschung für mich.»

Das Fazit des Pfarreileiters: «Hier wurde eine Riesenchance verpasst.» Die Chance, in der Kirche im wahrsten Sinn des Wortes zusammenzurücken.

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