STEINHAUSEN/BASEL: In dieser Flasche steckt viel Herzblut

Der Zuger Gustav Inglin hat mit seinem Geschäftspartner einen Schweizer Gin lanciert. Der Weg von der Idee zum Produkt war dornig.

Rahel Hug
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Die beiden Väter des neuen Edelbrands: Gustav Inglin aus Steinhausen (links) und Beat Sidler. (Bild Stefan Kaiser)

Die beiden Väter des neuen Edelbrands: Gustav Inglin aus Steinhausen (links) und Beat Sidler. (Bild Stefan Kaiser)

Die beiden Väter des neuen Edelbrands: Gustav Inglin aus Steinhausen (links) und Beat Sidler. (Bild Stefan Kaiser)

Die beiden Väter des neuen Edelbrands: Gustav Inglin aus Steinhausen (links) und Beat Sidler. (Bild Stefan Kaiser)

Seit gestern hat die Schweiz eine neue Spirituose, in der neben Basler und Bündner Leidenschaft auch viel Zuger Herzblut steckt. Der Steinhauser Gustav Inglin und sein Geschäftspartner, der Basler Beat Sidler, lancierten im bündnerischen Surrein ein neues Produkt: Den biologischen Gin «Breil Pur», der aus Schweizer Alpenwacholder hergestellt wird. Während rund eines Jahres haben Inglin und Sidler getüftelt, getestet, geplant, degustiert, ausprobiert, organisiert und abgefüllt – entstanden ist ein Edelbrand mit einer spannenden Geschichte. Ab sofort kann man den «Breil Pur» übers Internet bestellen (siehe Hinweis).

Bezug zur Natur

Die Geschichte des Schweizer Gins hat ihren Ursprung genau dort, wo er nun produziert und gelagert wird: Im bündnerischen Brigels, das auf Rätoromanisch Breil heisst. «Wir haben beide ein Ferienhaus in Brigels», erzählt Gustav Inglin. Sowohl er als auch Beat Sidler (beide 51-jährig) sind ehemalige Führungskräfte aus der Konsumgüter- und Finanzindustrie.

Per Zufall haben sie sich kennen gelernt – und gemerkt, dass sie eines gemeinsam haben: Beide wollten einen Tapetenwechsel, beide wollten etwas komplett Neues wagen. Was das sein sollte, wussten Inglin und Sidler zunächst nicht. «Wir haben lange überlegt und herumphilosophiert», so Beat Sidler. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass sie etwas mit Bezug zur Region und zur Natur machen wollen. Als sie daraufhin eine Gin-Degustation besuchten, wussten die zwei, dass sie einen Wacholderbrand herstellen wollten. «Damals haben wir gemerkt, wie trendy Gin derzeit ist», blickt Gustav Inglin zurück.

Der Weg von der blossen Idee bis hin zum fixfertigen Produkt und zur eigenen Firma war streng und nicht ohne Hindernisse, vor allem aber mit interessanten und lustigen Begegnungen und Begebenheiten gespickt, wie die beiden Initianten erzählen. «Über unser letztes Jahr könnte man fast ein Buch schreiben», sagt denn auch Gustav Inglin.

Renommierte Partner

Nach einer Marktuntersuchung und der Erstellung eines Businessplans machten sich die beiden in der Surselva auf die Suche nach einer Destillerie. Fündig wurden sie bei Gion Candinas, in dessen Haus seit fast 200 Jahren Spirituosen gebrannt werden. «Er war schnell für unsere Idee zu haben», erzählt Gustav Inglin. Der erste Partner war also im Boot. Und ein zweiter folgte sogleich: Mit dem Wissen, dass es nichts zu verlieren gab, schrieben sie den renommierten englischen Gin-Experten Dr. David Clutton an, ob er ihnen bei der Entwicklung der Rezeptur behilflich sei. Dieser fing schnell Feuer für die Idee. «Dass er zugesagt hat, hat uns schon ein bisschen stolz gemacht», sagt Beat Sidler.

Sträucher mit vielen Dornen

In der Zwischenzeit überlegten sich die zwei Geschäftsmänner, wie sie die Marke gestalten wollen, Design, Logo und Name wurden festgelegt. Was dann folgte, war die abenteuerliche Suche nach den Rohstoffen – die sich gar nicht so einfach gestaltete wie erwartet. «Weil die Sträucher viele Dornen haben, sammelt kaum jemand Wacholderbeeren», so Inglin. Aber auch diese Hürde meisterten die zwei «Breil Pur»-Väter. Sie fanden einen «Kräuter-Experten» aus dem St. Galler Rheintal, der sich verpflichtete, für sie die Beeren zu sammeln.

Dann war da noch die Sache mit den Alpenrosen. Diese pflückten Inglin und Sidler nämlich eigenhändig – auf dem Lukmanierpass. Was sie aber nicht bedacht hatten: Dafür braucht man eine Sammelerlaubnis. «Als wir das erfuhren, meldeten wir uns bei der Gemeindekanzlei von Medel», erzählt Beat Sidler, «sie meinten, einen solchen Fall hätten sie noch nie gehabt.» Schliesslich erteilte ihnen der Gemeinderat eine Bewilligung – auch diese Sache war geklärt.

Unterstützung der Ehefrauen

Bei der Entwicklung ihres Produkts sei es nie zu Unstimmigkeiten untereinander gekommen, erzählen die beiden Männer. «Zum Glück haben wir einen ähnlichen Geschmack», sagen beide. Unterstützung erhielten sie auch von ihren Ehefrauen, die sie immer wieder begleiteten und deren Meinung ebenfalls in die Entwicklung von «Breil Pur» einfloss.

Nach zahlreichen Destillationen und regem Kontakt mit dem Experten in England probierten die beiden im Herbst zum ersten Mal einen Schluck von ihrem eigenen Destillat. «Wir waren ziemlich aufgeregt», so Gustav Inglin, «und sehr erleichtert, als es tatsächlich nach einem feinen Gin schmeckte.»

Gutes Bauchgefühl

Die Basis von «Breil Pur» bildet neben Alpenwacholder und Alpenrose die Schokoladenminze. «Das gibt eine gewisse Frische», sagt Beat Sidler. Die genaue Rezeptur bleibt aber Geheimnis der Initianten.

Selber haben sie den Wacholderbrand, der bereits im 17. Jahrhundert hergestellt wurde, durch ihre Arbeit im vergangenen Jahr kennen und lieben gelernt. «Hinter unserem Gin steckt viel Arbeit und eine Geschichte», sagt Gustav Inglin. Wie es nun weitergeht, das lassen die zwei Geschäftsmänner auf sich zukommen: «Wir werden jetzt sehen, was an Bestellungen reinkommt», sagt der Steinhauser. Und Beat Sidler fügt an: «Das Bauchgefühl ist gut.»

Hinweis

Weitere Informationen unter www.breilpur.ch

Der neue Edelbrand. (Bild: PD)

Der neue Edelbrand. (Bild: PD)