Steinhauser Autorin will Frauen Mut machen

Acht Frauen, acht Schicksale: Beatrice Schweingruber portraitiert in ihrem neuen Buch Frauen und ihre Geschichten.

Rahel Hug
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«Meine Leidenschaft sind Gespräche mit Menschen und ihre Geschichten.» Als Coach und Erwachsenenbildnerin gehört das Zuhören zum Beruf von Beatrice Schweingruber. Doch auch privat interessiert sich die Steinhauserin für Menschen, ihre Erfahrungen und Schicksale. Das hat die 62-Jährige dazu bewogen, vor gut drei Jahren ihr zweites Buchprojekt in Angriff zu nehmen. Seit Juni ist das Buch «Frauen machen Mut: Am Schicksal wachsen» verfügbar.

Auf dem Buchcover sind die acht Frauen abgebildet.

Auf dem Buchcover sind die acht Frauen abgebildet.

Darin erzählen acht Frauen aus ihrem Leben und davon, wie sie ihre Schicksalsschläge und schwierigen Zeiten überwinden und zu neuer Kraft finden konnten.

Da ist Michèle Lerch, die auf tragische Weise zuerst ihren kleinen Sohn und dann ihren Ehemann verlor. Der Junge starb nach mehreren Herzoperationen, sein Vater an Multipler Sklerose. Und Doris Pfyl, die auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, nach einer nicht einfachen Kindheit Model wurde und heute als selbstständige Stilberaterin tätig ist. Da ist Dolores Menegon, die als Mann geboren wurde und sich für eine Geschlechtsumwandlung entschied. Jahrelang litt sie unter Angstzuständen, bis sie sich einer Psychiaterin anvertraute. Da ist Madeleine Binzegger, die wegen Kinderlähmung schon seit ihrer Jugend im Rollstuhl sitzt und trotzdem um die halbe Welt gereist ist. Oder Edith Doswald, die den Tsunami im Jahr 2004 in Thailand überlebte, in den Fluten jedoch ihren Mann verlor. Beatrice Schweingruber sagt:

«Alle acht Frauen sind unglaublich starke Persönlichkeiten, sie haben mich sehr beeindruckt. Trotz einschneidenden Erlebnissen haben sie wieder Lebensfreude entwickeln können.»

Vier ihrer Protagonistinnen stammen aus dem Kanton Zug.

Kontaktaufnahme als Herausforderung

Liest man die in Interviewform verfassten Porträts, spürt man, dass sie auf sehr persönlichen Gesprächen basieren. Dies bestätigt die Autorin: «Die Gespräche waren immer wieder emotional, manchmal kamen uns auch die Tränen.» Mit ihren Interviewpartnerinnen hätten sich schöne Freundschaften entwickelt, sie habe grosses Wohlwollen erfahren: «Alle haben es geschätzt, einfach mal erzählen zu dürfen.»

Die Steinhauserin Beatrice Schweingruber in ihrem Büro in Zug. (Archivbild: Stefan Kaiser, Zug, 16. Februar 2017)

Die Steinhauserin Beatrice Schweingruber in ihrem Büro in Zug. (Archivbild: Stefan Kaiser, Zug, 16. Februar 2017)

Der Weg von der Idee bis zum fertigen Buch war aufwendig. Durch ihr Netzwerk (Schweingruber hat lange Zeit Mittagsanlässe für Frauen organisiert) hatte sie schnell Ideen für Interviewpartnerinnen, weitere Kontakte ergaben sich nach und nach. «Doch die Kontaktaufnahme war zum Teil schwierig. Jemanden anzurufen, der viel Leid erfahren hat, ist eine Herausforderung.» Sie habe aber keine einzige Absage erhalten, freut sich die Autorin. Nach den Gesprächen galt es, die Interviews niederzuschreiben, einen roten Faden zu finden, zu kürzen und die Texte den Gesprächspartnerinnen zum Gegenlesen zuzustellen. «Jedes Wort muss abgesegnet sein, das ist bei diesen Themen sehr wichtig», stellt Schweingruber klar. Unterstützt hat sie unter anderem eine Lektorin und Schreibcoach aus Deutschland.

Wie es der Titel sagt, soll das Buch anderen Menschen Mut machen. «Meine Botschaft ist: Es lohnt sich, nicht aufzugeben. Auch wenn die Geschichten zum Teil emotional stark berühren, jede schliesst mit einem positiven Blick in die Zukunft.» Auch sie selber habe durch das Projekt viel gelernt. «Zum Beispiel, wie gut es uns geht und dass wir dankbar sein sollten.» Dankbar ist Beatrice Schweingruber insbesondere «ihren» acht Frauen. «Dass sie mit Namen und Bild hinstehen und mir vertrauen, ist das schönste Geschenk.»

Eine Lesung in Zug ist geplant

Für die dreifache Mutter und mehrfache Grossmutter ist das Buch eine Herzensangelegenheit. «Ich sage manchmal, es sei mein viertes Kind», erzählt sie lachend. Demnächst wird ein moderierter Anlass im privaten Rahmen mit den Protagonistinnen stattfinden. Zudem ist Ende Jahr eine Lesung in Zug geplant. Das erste Buch von Beatrice Schweingruber, ein Ratgeber für Frauen, ist 2016 erschienen. Ein weiteres sei nicht geplant, sagt sie bestimmt. «Das aktuelle Projekt hat mich so intensiv beschäftigt, dass ich mich jetzt erst mal wieder anderen Dingen widmen möchte.»

Das Buch «Frauen machen Mut: Am Schicksal wachsen» ist im R. G. Fischer Verlag erschienen und ist im Handel für 29.90 Franken erhältlich.