Steinhauser Eisschnellläufer hat die Olympiade in Peking als grosses Ziel

Der Steinhauser Eisschnellläufer Oliver Grob startet an der Weltmeisterschaft in Salt Lake City im Team. Er träumt von einer Medaille.

Michael Wyss
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«Eine Medaille an der Weltmeisterschaft, das hört sich ganz gut an», sagt der 23-jährige Steinhauser Oliver Grob vom Eislaufclub Zürich lachend. Der Eisschnellläufer ist seit einiger Zeit in Übersee und bereitet sich auf die Eisschnelllauf-Weltmeisterschaft in Salt Lake City vor, an der er im Teamsprint teilnimmt.

Das grosse Ziel von Oliver Grob sind die Olympischen Spiele in Peking.

Das grosse Ziel von Oliver Grob sind die Olympischen Spiele in Peking.

Bild: PD

«Auf das Podest zu steigen, bei einem grossen internationalen Anlass, ist immer ein Ziel, welches man verfolgt», erklärt Grob, der in Steinhausen wohnt, seine Ambitionen und fügt hinzu: «Wir machen uns keinen Druck. Das machen wir nie. Du musst am Tag X einfach bereit sein und die bestmögliche Leistung abrufen. Wir wollen einen technisch und taktisch starken Lauf zeigen. Klappt dies, stimmt auch das Ergebnis.»

Zusammen mit Livio Wenger (Schenkon) und Christian Oberbichler (Urdorf) wird er am Donnerstag, 13. Februar, um 15.30 Uhr Ortszeit (23.30 Uhr, MEZ), an den Start über eine Distanz von drei Runden gehen. Der gelernte Kaufmann, welcher bei der Bossard AG seine Lehre absolviert hatte und noch im Fernstudium die Berufsmatura macht, ist heute Eisschnelllauf-Profi und wird von Sponsoren, von der Schweizer Armee und der Stiftung Schweizer Sporthilfe unterstützt.

Oliver Grob schrieb Schweizer Geschichte

«Alles was jetzt noch kommt, ist Zugabe. Doch auf den Lorbeeren werde ich mich sicher nicht ausruhen.» Mit dem 3. Rang an der Europameisterschaft im niederländischen Heerenveen im Teamsprint im vergangenen Monat schrieb das Trio Grob, Wenger und Oberbichler Geschichte für die Schweiz. Es war die erste Medaille an einer Europameisterschaft im Eisschnelllauf. «Das ist natürlich ein unbeschreibliches Gefühl. Dass wir für unser Land Geschichte schrieben, bleibt ein Leben lang in Erinnerung.» Auch die Kulisse sei grossartig gewesen, so Grob.

«10000 Zuschauerinnen und Zuschauer waren im Stadion und verfolgten die Rennen mit. Ich bekomme gerade wieder Gänsehaut, wenn ich daran denke.»

Bereits im Vorfeld der EM glückte dem Trio ein grossartiger Erfolg mit dem 2. Schlussrang im Gesamtweltcup (4 Rennen). «Eine sensationelle Saison war es für mich bisher.» Unterstützt wird Grob vom Neuseeländer Kalon Dobbin (achtfacher Weltmeister Inlineskates), der ihn seit den ersten Schritten auf den Inlines und auf dem Eis betreut. Zum Staff gehören auch dessen Bruder Shane Dobbin (Inline Weltmeister und 4. Rang an den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea im Eisschnelllauf) und Vater Roy Dobbin, der Technikcoach und Allrounder ist.

Zu seinen internationalen Erfolgen gesellten sich Ende Januar an der Schweizer Meisterschaft in St.Moritz drei Medaillen im Einzel: Gold 1000 Meter; Gold 1500 Meter und Silber 500 Meter.

«Wahnsinn. Ich finde kaum Worte dafür.»

Für den 23-Jährigen gilt die Outdoor-Bahn auf dem gefrorenen St.Moritzer-See als die schönste weltweit. «In St.Moritz zu laufen, ist einmalig. Die wunderschöne Bergkulisse und die Bergluft, was will man mehr? Ein Bijou!» Übrigens: Die Eisbahn wurde vor drei Jahren durch Oliver Grobs Vater als Initiant und Projektleiter für die Olympischen Jugend-Winterspiele, die im Januar in Lausanne stattfanden, unter anderem mit der Disziplin Eisschnellauf in St.Moritz, lanciert. «Sein Traum war es, den Eisschnelllauf wieder in die Schweiz zu bringen und nun haben wir wieder eine Eisbahn.»

Olympiade in Peking im Visier

Oliver Grob bezeichnet den Eisschnelllauf wegen seiner Technik, der Geschwindigkeit (bis zu 65 Kilometer pro Stunde) und den Fliehkräften, gegen welche man in der Kurve ankämpfen muss, als faszinierend. Er träumt von einer Teilnahme für die Schweiz an der Winter-Olympiade 2022. «Peking ist mein ganz grosses Ziel. Hier möchte ich im Einzel starten.» Im Teamsprint besteht keine Möglichkeit einer Teilnahme an der Olympiade. Der Teamsprint ist zwar eine Weltcup-Disziplin, aber nicht olympisch. «Das ist sehr schade, denn dieser Wettkampf ist attraktiv und hat seinen Reiz.»

Und im Sommer wird Grob an der Inline Weltmeisterschaft in Kolumbien starten, mit Ziel unter die besten acht zu kommen. «Die Kombination Inlineskates und Eisschnelllauf passt perfekt. Im Sommer bestreite ich auf höchstem Niveau Wettkämpfe auf den Inlineskates und trainiere in Geisingen in Deutschland, in der besten Inlinearena der Welt, weil wir in der Schweiz keine Bahn haben.» Inlineskates fahren im Sommer sei zwar nicht das klassische Training für einen Eisschnellläufer, weiss Grob. «Ich möchte mein Sommertraining anders gestalten und nicht gleich wie meine Gegner, um besser zu werden.»

Grobs Lieblingszitat

Wie geht es weiter nach der Weltmeisterschaft? «Ich werde noch drei Wochen in Salt Lake City bleiben und mich bei einem Wettkampf Anfang März auf das Saisonende vorbereiten. Anschliessend gehe ich vom 10. bis 23. März nach Calgary, wo ich an zwei Wochenenden Wettkämpfe bestreite und den Schweizer Rekord auf 500 und 1000 Meter angreifen werde.» Hohe Ziele? «Ja, man muss sich im Leben immer wieder neu definieren. Zufriedenheit bedeutet auch Stillstand.»

Grobs Lieblingszitat stammt von Vince Lombardi, einem ehemaligen amerikanischer Football-Trainer, und lautet: «Gewinnen heisst, dass du bereit bist, länger zu laufen, härter zu arbeiten und mehr zu geben als alle anderen». Ein Spruch, der ihm bisher Erfolg brachte und ihn wohl auf den richtigen Weg nach Peking bringen wird.