Linard Bardill: Sterben für Anfänger

Morgen gastiert der Liedermacher Linard Bardill zweimal im Kanton Zug. Seine Botschaft: Ohne Sterben kein Leben.

Haymo Empl
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«Das Sterben hat seinen Schrecken verloren. Mehr noch: Es ist Quelle des Trostes.» Seit über vier Jahren richtet der Bündner Linard Bardill Tagungen zum Thema Sterben für Anfänger aus und sorgt mit Aussagen wie dieser für Halt, wenn Menschen in schwierigen oder speziellen Stationen ihres Lebens sind. Als er sich im Winter 2017/18 für zwei Wochen auf die Insel La Gomera zurückzog, schrieb er in kurzer Zeit «Die Insel», ein Poem in zwölf Gesängen. Wie ist es also, mit jemandem über das Unausweichliche zu sprechen – mit jemandem zu reden, der sich quasi professionell mit dem Sterben beschäftigt?

Das Gespräch mit Linard Bardill findet in Zürich statt. Der gebürtige Churer kommt direkt vom Radiostudio und ist auf dem Weg zurück ins Bündnerland. «Her Bardill, ich negiere den Tod komplett. Dann findet er irgendwie nicht statt.»

«Dann müssen Sie versuchen, zu entkrampfen. Denn das Nichtwahrhabenwollen des Endes ist doch sicherlich sehr anstrengend», sagt Linard Bardill. Und natürlich hat er recht. Es sind einfache Aussagen, die der Liedermacher macht. Aber es sind keine banalen Feststellungen. Es sind philosophische Ansichten mit sehr viel Tiefgang. Linard Bardill ist jemand, der Halt vermittelt, der Tiefgründigkeit ausstrahlt und durch seine Ehrlichkeit, gepaart mit Lebenserfahrung, kompetent wirkt.

Tatsache Vergänglichkeit

«In einer Welt, in der die Bezüge immer weniger gesellschaftstiftend sind, ist jeder Einzelne von uns gefordert, für sich Sinn und Ziel seines Lebens zu suchen und zu formulieren. Dabei spielt die Endlichkeit unseres Lebens eine entscheidende Rolle», sagt Linard Bardill und erklärt im weiteren Gespräch, warum es ohne Sterben kein (erfülltes) Leben geben kann. Er tut dies wortgewandt und dennoch ruhig, klug und witzig. Es macht Sinn, dass dieser Mann auch und vor allem Liedermacher ist. Denn ein guter Liedtext muss zusammen mit der Akustik die Essenz eines Problems oder dessen Lösung wiedergeben können. Dafür braucht es nebst Talent viel Gespür für Sprache – die im Falle von Linard Bardill nicht nur aus aneinandergereihten Worthülsen und Plattitüden besteht.

Der studierte Theologe setzt sich aktiv mit seinem Umfeld auseinander, manchmal vielleicht grüblerisch, niemals aber destruktiv und immer sehr charmant. Dass der Mann authentisch ist, merkt man. Und so erstaunt es nicht, dass auch Kinder von seinen Ideen, die er in Liedtexte packt, fasziniert sind. Denn oft ist es so, dass Kinder schnell merken, ob etwas «echt» ist. Und weil dem so ist, sind seine «Bettkantenkonzerte», die er in vielen (Kinder)spitälern in der ganzen Schweiz gibt, äusserst beliebt.

Bardills Gesänge und Verse tanzen um das Mysterium des Lebens, das vom Sterben her seine unerschöpfliche Leichtigkeit und Schwere, sein Licht, seine Lust und seine Ernsthaftigkeit erhält.

Ob der gebürtige Churer weiss, wie viel Positives er mit seinen Worten in der kurzen Zeit des Interviews bewegt hat?

Auftritte in Zug

Linard Bardill ist studierter Theologe, hat die Kanzel aber früh mit der Bühne getauscht und sieht sich heute als Sänger in der Tradition der Skalden wie Merlin, Orpheus oder König David. Seit Jahren beschäftigt er sich zudem mit der schamanischen Aufgabe der Vermittlung zwischen der Welt der Lebenden und jener der Verstorbenen. Am Samstag, 25. September, findet im Rahmen der Oberwilerkurse von 9 bis 16 Uhr die Tagung mit Seminarcharakter Sterben für Anfänger statt. Infos: www.oberwilerkurse.ch. Am Abend um 20 Uhr tritt Linard Bardill mit seiner Konzertlesung aus «Die Insel – Wirf dich den Wolken zum Frass vor» im Burgbachkeller auf. Infos: www.burgbachkeller.ch.(emp)

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