Steuereinnahmen der Zuger Kirchen fördern auch die Freiwilligenarbeit

Die Steuereinnahmen der Katholiken und Reformierten im Kanton Zug sollen hauptsächlich zurück an die Gesellschaft fliessen.

Andrea Muff
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Wohin fliessen eigentlich meine Kirchensteuern? Eine Frage, die sich wohl der eine oder andere Zuger auch schon gestellt hat. Bei der Steuereintreibung unterscheiden sich die Zuger Kirchen. So werden in der katholischen Kirche die Steuern über die zehn Kirchgemeinden eingezogen. Die Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden Zug (VKKZ) gilt damit nicht als Landeskirche, sondern ist ein Zweckverband der Kirchgemeinden. Bei der reformierten Kirche Kanton Zug werden die Steuern zentral erhoben und an die verschiedenen Bezirke verteilt.

Insgesamt hat die reformierte Kirche mit 16500 Mitgliedern im Kanton Zug 15,2 Millionen Franken an Steuern eingenommen. Insgesamt entrichtete ein reformierter Zuger 2019 durchschnittlich rund 488 Franken an die Kirche. Fast zwei Drittel (63 Prozent) der Steuereinnahmen werden für Personalkosten aufgewendet. Betrachtet man die Ausgaben aber aus einem anderen Blickwinkel fällt auf, dass rund einen Drittel in die direkte Seelsorge fliesst.

Dazu zählt die Seelsorge in Gemeinden, Spitälern, Alters- und Pflegeheimen, Gefängnissen sowie für Menschen mit Behinderung. Ebenfalls werden Gottesdienste und Anlässe aus diesem Topf bezahlt. Kirchenratspräsident Rolf Berweger erklärt: «Unser Grundauftrag ist die Verkündigung und die Seelsorge. Wir wollen für unsere Mitglieder da sein und dies unabhängig vom Alter.»

Auch Firmen entrichten den Kirchen Steuern

Den gesellschaftlichen Aspekt deckt die Kirche durch den Triangel Beratungsdienst ab. Mit diesem bietet die reformierte Kirche im Auftrag des Kantons neben Einzel-, Ehepaar- und Jugendberatung auch die kantonale Schuldenberatung und ab 1.Juli die Budgetberatung an. «Uns ist wichtig, dass wir etwas für die Gesellschaft tun», sagt Rolf Berweger. Zudem besitze die reformierte Kirche nicht sonderlich viele Liegenschaften. Rolf Berweger sagt:

«Unsere Kirchgemeinde ist klein und noch nicht so alt. Deshalb halten sich die Kosten für Unterhalt und Renovation in Grenzen.»

Doch nicht nur Steuern von natürlichen Personen fliessen in den Topf, auch Firmen sind im Kanton Zug verpflichtet, den beiden kirchlichen Institutionen Beiträge zu zahlen. Auf der Seite der natürlichen Personen stellen beide Kirchen einen Mitgliederschwund fest. «Diesen merkt man aber den Steuereinnahmen nicht an. Obwohl wir Austritte haben, steigen sie», stellt der Kirchenratspräsident fest.

Das gilt auch für die katholische Kirche Zug, wie Karl Huwyler, Präsident der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden Zug, bestätigt. Insgesamt sind 2018 33,7 Millionen Franken (neuste Zahlen) bei der katholischen Kirche in verschiedene Bereiche geflossen.

Zwei Drittel davon gehen in die Seelsorge, primär in jene der Pfarreien (21,2 Millionen Franken), aber auch in die Spital-, Gefängnis-, Behinderten- und Palliativ-Seelsorge. Pro Kopf zahlt ein Katholik in Zug durchschnittlich 325 Franken Steuern. «Unser Ziel ist es, dass möglichst viel wieder zurück an die Gesellschaft gegeben wird», erklärt Huwyler.

Kostentransparenz ist wichtig

Der Kostenanteil für Behörden und Verwaltung ist mit 12,8Prozent ein vergleichsweise hoher Posten. «Das liegt vor allem daran, dass wir kein einheitliches Rechnungsmodell haben», sagt Huwyler. Das heisst, nicht jede Gemeinde zählt jeweils die gleichen Ausgaben zu den Verwaltungskosten. Für Huwyler sei es aber wichtig, möglichst transparent aufzuzeigen, wofür die Einnahmen genau verwendet werden.

«Früher kam oft der Vorwurf, dass viel Geld an den Vatikan bezahlt werde. Mit mehr Transparenz konnten wir das Vorurteil aber entkräften.»

Huwyler fügt hinzu: «Mit der Seelsorge, zu der neben Gottesdiensten auch das Zuhören und die Beratung in besonders schweren Lebenssituationen oder generell Veranstaltungen der Kirche gehören, werden die finanziellen Mittel zum grössten Teil lokal wieder eingesetzt.»

Für rund 300000 Franken wurde der Kirchturm der Marienkirche, katholische Kirche Unterägeri, saniert.

Für rund 300000 Franken wurde der Kirchturm der Marienkirche, katholische Kirche Unterägeri, saniert.

Bild: Stefan Kaiser (3.3.2020)

Ein beachtlicher Betrag von 1,9 Millionen Franken wurde 2018 für den Betrieb und Unterhalt der Liegenschaften der katholischen Kirche verwendet. «Der Unterhalt der sakralen Bauten und der anderen Liegenschaften ist teuer, aber wir können und wollen diese wichtigen kulturellen Beiträge leisten», hält Huwyler fest und verweist auf die solide finanzielle Situation der Kirche.

Keine Kurzarbeit in Kirchgemeinden

Momentan haben die beiden Kirchen mit den Massnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus zu kämpfen. Denn es finden weder Gottesdienste noch Veranstaltungen statt. «Natürlich haben wir momentan vor allem Personalkosten, die wir weiterhin decken. Wir werden aber bestimmt keine Kurzarbeit beantragen», hält Huwyler fest. Bei den Steuereinnahmen werde die Kirche die Krise vor allem in ein oder zwei Jahren spüren. Auch die reformierte Kirche Kanton Zug rechnet mit Einbrüchen, aber auch dort kommt laut Rolf Berweger Kurzarbeit nicht in Frage.

«Bei uns wird bestimmt niemand auf Grund der jetzigen Krise entlassen.»

Von einer Kürzung des Angebots ist auf beiden Seiten nicht die Rede.

Beide Kirchenvorsteher erwähnen zudem die grosse Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit. Der reformierte Kirchenratspräsident erklärt: «Wir haben 130 Mitarbeitende zu 54 Vollzeitstellen. Ohne die Freiwilligen könnten wir gar nicht alles stemmen.» Für Karl Huwyler steht fest: «Jeder Franken an Kirchensteuer fördert die Freiwilligenarbeit. Mit einem kleinen Beitrag kann man viel bewegen.»