STEUERN: Die Reform wird zur Belastungsprobe

Kaum ein anderer Finanzdirektor kann der Unternehmenssteuerreform III so gelassen entgegensehen wie der Zuger Regierungsrat Peter Hegglin. Doch es gibt noch offene Fragen.

Bernard Marks
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Ein Blick auf die Stadt Zug mit dem Park Tower, der Bossard-Arena und dem Up-Town-Gebäude im Hintergrund. (Bild Stefan Kaiser)

Ein Blick auf die Stadt Zug mit dem Park Tower, der Bossard-Arena und dem Up-Town-Gebäude im Hintergrund. (Bild Stefan Kaiser)

Bernard Marks

Wer in Zug lebt, weiss, woran er ist – vor allem dann, wenn er seine Steuern zahlt. Diese sind in der Regel tiefer als anderenorts. In Walchwil zum Beispiel. Seit Neuestem belegt die beschauliche Gemeinde am Zugersee mit 22,5 Prozent in der Rangliste der niedrigsten Steuersätze für natürliche Personen schweizweit den ersten Platz.

Auch bei der Besteuerung von Firmen kann sich Zug mehr als nur sehen lassen. Offiziell gibt man seitens des Kantons den effektiven Gewinnsteuersatz für juristische Personen mit 14,6 Prozent an. Doch nach den neuesten Berechnungen des Wirtschaftsforschungs- und Beratungsinstitutes BAK Basel liegt dieser tiefer, «wenn man alle Abzugsmöglichkeiten einbezieht», sagt BAK-Basel-Ökonom Beat Stamm. Seiner Berechnung nach liegen die effektiven Gewinnsteuern im Kanton Zug bei durchschnittlich 12 Prozent. Zug liegt damit aktuell zwar hinter Hongkong und allen anderen Zentralschweizer Kantonen, doch international kann sich dies durchaus sehen lassen. Immerhin liegt Zug weit vor Steueroasen wie Singapur oder Luxemburg (siehe Grafik). «Der Kanton Zug kann international sehr gut mithalten», meint der Ende Februar scheidende Zuger Finanzdirektor Peter Hegglin selbstbewusst.

Privilegien abschaffen

Doch die Kantone sind derzeit finanziell nicht auf Rosen gebettet. Eine Mehrheit hatte für 2016 rote Zahlen budgetiert. Trotz Sparprogramm wird für das laufende Jahr auch im Kanton Zug ein Defizit von 170 Millionen Franken erwartet. Jetzt denkt die Regierung erstmals seit Jahren laut über eine Steuererhöhung nach – im Tiefsteuerkanton Zug kommt dies einem Tabubruch gleich. Hintergrund ist unter anderem die laufende Unternehmenssteuerreform III. Auf internationalen Druck muss die Schweiz ihre Steuerprivilegien für Holdings und andere Spezialgesellschaften aufgeben. Je nach Berechnung stehen dabei rund 3 bis 4 Milliarden Franken an Steuereinnahmen auf dem Spiel, die den Kantonen jährlich verloren gehen. Die Reform, wie sie der Bundesrat Anfang Juni 2015 vorgestellt hat, stellt aber nicht für jeden Kanton die gleich grosse Herausforderung dar. Kantone, die keine oder nur wenige Firmenhauptsitze und Holdinggesellschaften haben, sind von der Reform weniger stark betroffen. Dramatischer sind die Folgen und Auswirkungen, wenn ein Kanton Sitz vieler solcher Statusgesellschaften ist. Wie der Kanton Zug.

Gewinner im Seilziehen

Doch ausgerechnet für Zug, wo ein Drittel aller in der Schweiz registrierten Domizilgesellschaften – sogenannte Briefkastenfirmen – beheimatet sind, sagen Steuerexperten voraus, dass dieser als grosser Gewinner aus dem Seilziehen um die «Jahrhundertreform» hervorgehen wird. Der Kanton kann es sich laut Experten der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (PWC) leisten, den ordentlichen Gewinnsteuersatz von heute 14,6 auf 12 Prozent zu senken, ohne dass die Kantonskasse dadurch zusätzlich belastet wird. Zugleich werden den Unternehmen weitere Steuervergünstigungen gewährt: etwa mit einer grosszügigen Auslegung der Patentbox, mit der sich die Gewinnsteuerbelastung stark reduzieren lässt, und dem steuerlichen Mehrfachabzug von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Der Kanton besitze sogar beste Voraussetzungen, um auch nach der USR III Firmen aus dem In- und Ausland anzulocken, heisst es.

Mehr Rechtssicherheit

«Mit der Unternehmenssteuer­reform lll soll Rechtssicherheit für den Wirtschaftsstandort Schweiz geschaffen werden», sagt Hegglin. Die geplante Reform sei aber keine Steuersenkungsvorlage, sondern ein Umbau der Steuersysteme. «Vor allem die international orientierten gemischten Gesellschaften werden künftig tatsächlich etwas mehr zahlen müssen. Dennoch gehe ich nicht von einer Abwanderungswelle von Firmen aus», führt Hegglin weiter aus. Denn immerhin gelte die Reform nicht für Zug allein, sondern auch andere Standorte sind betroffen. «Die Schweiz und auch der Kanton Zug werden aber weiterhin sehr attraktive Bedingungen für Firmen anbieten können», sagt Hegglin.

Firmen prüfen Optionen

«Jedoch wird es – wie bei jeder Reform – sowohl Gewinner als auch Verlierer geben», sagt Maire Walsh, Standortleiterin von PWC in Zug. Viele Gesellschaften überlegen sich laut Walsh derzeit ihre möglichen Handlungsoptionen. «Lediglich eine geringe Anzahl der zugerischen Unternehmen wird von der vorgeschlagenen Patentbox profitieren», sagt Maire Walsh. Der Mechanismus zur Aufdeckung von stillen Reserven (Step-up) und dessen Einfluss auf die künftige Besteuerung sollte von den juristischen Personen sorgfältig analysiert werden. «Auch die Einführung der zinsbereinigten Gewinnsteuer wäre für den Kanton Zug interessant», sagt Walsh. Zusammenfassend lasse sich festhalten, dass die Schweizer Steuerlandschaft nach der USR III weniger attraktiv sein wird als heute. Eine sehr hohe Anzahl von Zuger Gesellschaften wird von der USR III betroffen sein. «Die Zuger Regierung hat dies erkannt und darauf gut reagiert. Der Kanton Zug hat sich damit grundsätzlich gut positioniert», sagt Walsh. Nach Verabschiedung der Unternehmenssteuerreform III durch das eidgenössische Parlament haben die Kantone Zeit bis zum 1. Januar 2019, ihre kantonalen Steuergesetze anzupassen.

Wird Zug wieder zum Bauernkanton?

Interview Bernard Marks

Wie wirkt sich die geplante Reform im Kanton Zug aus?

Thomas Aeschi: Da das Verhalten der internationalen Firmen aufgrund der Abschaffung des kantonalen Steuerstatus sehr schwierig vorauszusehen ist, sind die finanziellen Auswirkungen dieser Reform sowohl auf eidgenössischer als auch auf kantonaler Ebene sehr schwierig zu prognostizieren. Gemäss dem aktuellen Entwurf der Vorlage müsste der Kanton Zug jedoch ein weiteres Mal mehr in den NFA einzahlen. Dies ist schlicht nicht akzeptabel. Aus diesem Grund werden wir Zuger Vertreter im Nationalrat dafür kämpfen, dass die Geberkantone mit der Unternehmenssteuerreform III nicht ein weiteres Mal zusätzlich belastet werden.

Rechnen Sie mit einem Abzug von Firmen aus dem Kanton Zug?

Aeschi: Dies hängt stark von der finalen Ausgestaltung der Unternehmenssteuerreform III ab. Grundsätzlich kann jedoch festgestellt werden, dass international ein verstärkter Verteilkampf um die Steuereinnahmen von juristischen Personen im Gang ist. Aus diesem Grund muss die Schweiz noch viel stärker darauf achten, dass sie ihren Wirtschaftsstandort nicht unter dem Druck von SP und der Grünen Partei noch mit zusätzlichen Regulierungen schwächt.

Könnte Zug sonst wieder zum Bauernkanton werden?

Aeschi: Ob der Kanton Zug weiterhin für internationale Firmen attraktiv bleibt, hängt stark von der kantonalen Steuergesetzrevision ab, welche der Zuger Kantonsrat voraussichtlich im Jahr 2017 verabschieden wird.

Was muss dabei bedacht werden?

Aeschi: Der aktuelle Vorschlag sollte dahingehend ergänzt werden, dass die zinsbereinigte Gewinnsteuer und die Abschaffung der Emissionsabgabe wieder Eingang in die eidgenössische Vorlage finden. Auf kantonaler Ebene soll anschliessend eine Senkung der Unternehmenssteuer um etwa 2 Prozent anvisiert werden, wie dies bereits mehrmals durch Regierungsrat Hegglin kommuniziert wurde.

Die Gewinnbesteuerung von Unternehmen 2015. (Bild: web/BAK Basel)

Die Gewinnbesteuerung von Unternehmen 2015. (Bild: web/BAK Basel)