STEUERN: Kirchen fürchten um ihre Einnahmen

Viele Landeskirchen befürchten, dass ihre Steuereinnahmen als Folge der Unternehmenssteuerreform III sinken. Im Kanton Zug sieht man dem Problem gelassen entgegen. Ist das zu optimistisch?

Bernard Marks
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Die Landeskirchen in Zug nehmen immer weniger ein. Blick auf die Kirche St. Michael in der Stadt Zug. (Bild Stefan Kaiser)

Die Landeskirchen in Zug nehmen immer weniger ein. Blick auf die Kirche St. Michael in der Stadt Zug. (Bild Stefan Kaiser)

In vielen Kantonen müssen neben den Kirchenmitgliedern auch Firmen Kirchenbeiträge bezahlen. In der Regel erhebt der Kanton diese Steuern und verteilt diese anschliessend an die Kirchgemeinden, egal, ob der Inhaber einer Firma einer Kirche angehört oder nicht. Entsprechend wird an der Kirchensteuer für juristische Personen immer wieder Kritik laut.

Doch die Schweiz muss ihr Steuersystem reformieren. Im Rahmen der Unternehmenssteuerreform III (UST III) sollen auf Druck der EU Steuerprivilegien für Holdings und andere Gesellschaften abgeschafft werden. Im Gegenzug sollen die Gewinnsteuern in vielen Kantonen gesenkt werden. Nach Verabschiedung der UST III durch das eidgenössische Parlament haben die Kantone Zeit, bis 2019 ihre kantonalen Steuergesetze anzupassen. Der Bundesrat rechnet damit, dass die Gewinnsteuer im Kantonsdurchschnitt von 22 auf 16 Prozent sinken wird. Für viele Kirchgemeinden bedeutet das weniger Einnahmen. Die römisch-katholische Kirche im Kanton Zürich rechnet zum Beispiel laut einem Bericht des «Tages-Anzeigers» bereits mit einem Ausfall in Höhe von 20 Millionen Franken pro Jahr.

Bisher keine Alarmsignale

Die Kirchensteuern juristischer Personen belaufen sich laut einer Untersuchung der Universität Freiburg schweizweit für die römisch-katholische Kirche jährlich auf rund 144 Millionen Franken. Rund 120 Millionen Franken fallen für die evangelisch-reformierte Kirche ab. «Diese Einnahmen sind für die Kirchgemeinden wichtig», schliesst die Studie. Ein Ausfall dieser Beträge wäre für den finanziellen Handlungsbereich der Kirchgemeinden einschneidend. Die UST III gilt auch für Kirchgemeinden im Kanton Zug. Auch hier fallen für juristische Personen Kirchensteuern an. Die Steuereinnahmen in Zug belaufen sich laut der Studie für die römisch-katholische Kirche auf 19 Millionen Franken und für die evangelisch-reformierte Kirche auf 6 Millionen Franken. Wie sich die Einnahmen im Kanton Zug entwickeln, ist noch offen. «Über die Folgen von UST III kann zurzeit nur spekuliert werden», sagt Karl Huwyler, Präsident der Vereinigung der Katholischen Kirchen des Kantons Zug (VKKZ). Den Kirchgemeinden stünden derzeit keine Zahlen zur Verfügung, welche für Simulationen benutzt werden könnten. «Solange der Kanton aber keine Alarmsignale aussendet, sparen wir uns unnötige Aufregung, welche ohnehin nichts bringt», sagt Huwyler. Im Gegensatz zu anderen Kantonalen Landeskirchen in der Schweiz ist die VKKZ nicht direkt an den Steuererträgen der einzelnen Kirchgemeinden beteiligt. Die VKKZ hat die juristische Form eines Vereins, und die Kosten werden nach einem Schlüssel auf die Kirchgemeinden verteilt, welcher nicht nur auf deren Steuerkraft basiert. «Jeder Kirchgemeinde steht es frei, ihr eigenes Steuerszenario anzuwenden – die meisten werden sich aber nach den Angaben des Kantons ausrichten», sagt Huwyler. Die Entwicklung der Kirchensteuern könne daher zwischen den Gemeinden stark abweichen.

Bei der Reformierten Kirche Kanton Zug sieht man der UST III gelassen entgegen. «In vielen Kantonen muss mit empfindlichen Steuereinbussen gerechnet werden. Im Kanton Zug hat der Regierungsrat bis anhin noch keine Abschätzung zu den Auswirkungen der Reform abgegeben. Aufgrund des tiefen Steuerfusses im Kanton Zug rechnen wir jedoch, dass sich die Auswirkungen für uns im verdaubaren Ausmass bewegen werden», sagt Rolf Berweger, Kirchenratspräsident Reformierte Kirche Kanton Zug.

Stabile Mitgliederzahlen

Entwarnung gibt es immerhin betreffend die Beiträge von den Mitgliedern der Kirchgemeinden. Die Mitgliederzahlen der Reformierten Kirche Kanton Zug nahmen in der letzten Dekade nur ganz geringfügig ab. Im Jahr 2014 hatte die reformierte Kirche rund 18 000 Mitglieder. «Obwohl auch wir Austritte zu verzeichnen haben, werden diese grösstenteils durch Zuwanderung kompensiert», sagt Berweger. Deshalb seien auch die Auswirkungen auf das Steueraufkommen minimal. Die Anzahl der Mitglieder der Römisch-katholischen Kirche Zug ist mit 63 900 seit Jahren sehr stabil geblieben.

Bernard Marks