STIERENMARKT: Das Temperament der braunen Stiernacken

Vorführen, rangieren und handeln: In Zug tanzt einmal mehr der Stier. Züchter, Bauern und die halbe Stadt feiern mit.

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Brauner Koloss sieht rotes Tuch - Szene am diesjährigen Zuger Stierenmarkt. (Bild Keystone)

Brauner Koloss sieht rotes Tuch - Szene am diesjährigen Zuger Stierenmarkt. (Bild Keystone)

Sie heissen Harald, Irus, Tino oder Pumuckel: Massige Leiber, gedrungene Körper mit Muskelsträngen und breite Nacken. Sie lassen ihre Kiefer kreisen, Schaum tropft aus ihren Mäulern. Manche halten die Köpfe zusammen, stossen sich an – es ist schwer, zwischen Rangelei und Liebkosung zu unterscheiden. 

Sind Hörner im Spiel, erinnern die Kapriolen an urtümlichen Kampf, der nur Sieger und Verlierer kennt. Manche der Viecher schnaufen schwer, brüllen oder setzen sich auf die Strohstreifen zu ihren Hufen. Werden die Stiere losgebunden und weggeführt, versucht nicht selten einer, einen anderen zu besteigen. Testosteron liegt in der Luft: In Zug ist Stierenmarkt.

231 Stiere prämiert
Volksmusik plärrt dröge aus dem Lautsprecher und überlagert die Szenerie. Willy Schmid, 60, aus Cham geht durch die Reihen, vorbei an nackten Kuhhintern und Besuchern in karierten Hemden pfeifferauchend. Schmid ist Chefexperte, einer von zweien, eigentlich Ressortleiter Tierbeurteilung beim Schweizer Braunviehzuchtverband im Fachbereich Zucht. Er kennt hier allen voran die Tiere, ihre Züchter, aber auch die Besucher und Bauernsöhne, die die Tiere vorführen. 

264 Stiere wurden im Vorfeld angemeldet, 232 sind tatsächlich auch da, mit Seilen an den Holzbalken festgebunden. Stehen in Reih und Glied, sabbern die Halterungen voll oder stossen den Nachbarn an. Manch einer bläht die Nüstern und schnauft schwer. Ein einziger sei nicht prämiert worden, sagt Schmid. Ein Fall von «schlechten Vererbungsanlagen». 

Die Schönsten sind bewährte Tiere
140 der Stiere sind originale Braunviecher, sie stammen also aus einer Familie, die sich über den Natursprung weitervermehrt hat. Die Braunen machen rund 40 Prozent des Schweizer Viehbestands aus, aber nur 4 Prozent von ihnen werden noch der Kategorie Original zugerechnet. 

Alle anderen werden unter «Brown Swiss» geführt. So heissen die Tiere, deren Genmaterial auf importiertes aus den Staaten zurückgeht – vor Ort in Zug sind heuer 120 gemeldet, deren Vorzüge im Katalog gepriesen wurden. 

Chantal Desbiolles

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Zuger Zeitung.