Kommentar

Stimmrechtsalter 16 im Kanton Zug: Zuerst eine andere Baustelle schliessen

Die Idee ist gut: Mit einer Senkung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre soll der politische Nachwuchs gefördert werden. Ganz so einfach ist das aber nicht, ist Harry Ziegler, Chefredaktor der «Zuger Zeitung» überzeugt.

Harry Ziegler
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Harry Ziegler.

Harry Ziegler.

Bild: Stefan Kaiser

Das Stimmrechtsalter im Kanton Zug soll gesenkt werden. Geht es nach dem Willen dreier Zuger Kantonsräte, sollen 16-Jährige abstimmen und wählen dürfen. Die Parlamentarier gehen in ihren Forderungen noch einen Schritt weiter. 16-Jährige sollen auch kandidieren und gewählt werden dürfen. Das ist wenigstens konsequent. Konsequenter mindestens als in anderen Kantonen, die lediglich das Stimmrechtsalter senken wollen. Wer abstimmen darf, soll auch in politische Ämter gewählt werden können.

Die drei Zuger Parlamentarier verbinden mit der Senkung die Hoffnung, einerseits mehr junge Menschen für die Politik zu interessieren, andererseits auch den politischen Nachwuchs zu fördern. Eine an sich gute Idee, betrachtet man das Durchschnittsalter der Politikerinnen und Politiker. Da sind selten bis kaum Personen unter 20 zu finden. Und falls doch, sind es viel zu wenige.

Insofern zielt das Begehren der drei Parlamentarier zwar in die richtige Richtung. Allerdings ist hinter den Willen zahlreicher 16-Jähriger, das dann neu gewonnene politische Mitwirkungsrecht auch zu nutzen, ein Fragezeichen zu setzen – sollte die bürgerliche Mehrheit des Kantonsrats wider Erwarten der Forderung zustimmen. Schon die 18-Jährigen, die das volle politische Mitwirkungsrecht haben, nutzen dieses leider nur verhalten. Grundsätzlich empfiehlt es sich, eine Baustelle zu schliessen, bevor man eine andere öffnet. Bringen wir zuerst die 18-Jährigen dazu, ihre politischen Rechte vermehrt zu nutzen. Dann kann die nächste Baustelle öffnen.