Strafbefehl
Zu viert auf einen: Staatsanwaltschaft verurteilt Zuger Bahnhofsschläger

Im Sommer 2020 verprügeln vier Männer einen anderen im und neben dem Zuger Bahnhof. Jetzt wird einer der Täter bestraft: zu einer bedingten Geldstrafe.

Kilian Küttel
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Er entkommt ihnen nicht. 14. August 2020, der Freitagabend vor dem Schulstart. Um kurz nach 22.30 Uhr stürmt ein Mann aus dem Zuger Bahnhof, von dem wir bis heute nicht wissen, woher er stammt, wie alt er ist, oder ob er die drei Männer kennt, die ihn Sekunden zuvor in der Bahnhofshalle niedergeschlagen haben.

Mit Fäusten und Füssen malträtieren ihn die Angreifer, schlagen gegen Hüfte, Oberkörper, Kopf. Mit Händen und Unterarmen versucht sich der Mann zu schützen. Erfolglos. Eine Abrechnung? Jedenfalls verlieren die Schläger keine Zeit, attackieren den Mann sofort, als sie ihn in der Bahnhofshalle entdecken, zerren ihn mehrmals zu Boden, bis er sich losreissen kann und eine Flucht antritt, die ihn nur bis auf die andere Seite des Bahnhofs führt.

Geplatzte Lippe, lockerer Zahn, Hirnerschütterung

Dort, vorbei am «Brezelkönig», bei der sogenannten Park-and-Ride-Zone, stellen ihn seine Verfolger. Ein vierter Angreifer stösst dazu, schlägt ebenfalls auf das Opfer ein, das von der Attacke einen lockeren Zahn, eine aufgeplatzte Lippe, vor allem aber eine Gehirnerschütterung davonträgt.

Das zeigt ein Strafbefehl der Zuger Staatsanwaltschaft vom 3. Dezember 2021. Vor wenigen Tagen lag er zur öffentlichen Einsicht auf. Wegen mehrfachen Angriffs verurteilen die Strafverfolger einen der vier Schläger zu 100 Tagessätzen bedingter Geldstrafe à 30 Franken. Zwar sprechen die Behörden die Strafe gegen den 19-Jährigen bedingt aus - mit einer Busse von 750 Franken und den Auslagen für das Verfahren kostet ihn sein Gewaltausbruch trotzdem fast 5900 Franken.

Nebst dem 19-jährigen Schweizer führte die Staatsanwaltschaft separate Verfahren gegen die drei anderen Schläger. Zwei davon wurden im Strafbefehlsverfahren erledigt, wie die Behörden auf Anfrage mitteilen. Bei einem dritten wird demnächst Anklage erhoben. Es kommt also zu einer Verhandlung vor Gericht.

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