STRAFBEFEHL
Zuger wollte zwei Tonnen Feuerwerk weiterverkaufen. Nur fehlten ihm etliche Bewilligungen

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug verurteilt einen 64-jährigen Unternehmer und dessen 34-jährigen Kollegen wegen Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz. Sie wollten Feuerwerk verkaufen, von dem sie nicht wussten, dass es mangelhaft ist.

Kilian Küttel
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Er hatte einen Siebenplätzer. Trotzdem war nicht daran zu denken, die Lieferung in einer, oder zwei Fahrten zu meistern. Zwischen 10 und 20 Mal fuhr ein Zuger Unternehmer die 20 Kilometer vom Verkäufer zu seinem Lager, bis er die sechs Paletten transportiert hatte.

Die Fracht: Feuerwerkskörper. Über zwei Tonnen Bruttogewicht, 487.11 Kilogramm sogenannte Nettoexplosivstoffmasse, alles Ware der Kategorien F1 bis F3; also Material mit sehr geringem bis mittelgradigem Gefahrenpotenzial. Diese Sorte Feuerwerk können zum Teil zwar schon Kinder ab 12 Jahren kaufen. Aber wer es verkaufen will, braucht eine Bewilligung.

Diese fehlt dem heute 64-jährigen Zuger, als er im November 2018 das Feuerwerk von einem Händler im Kanton Schwyz kauft. Ebenso hat der Unternehmer, dessen Firma bis zur Auflösung im letzten November mit Waren aller Art gehandelt hat, keine Genehmigung, um die zwei Tonnen Feuerwerk im drei mal sieben Meter grossen Lagerraum aufzubewahren, den er in einer Zuger Gemeinde unweit der Autobahn gemietet hat. Und: Das Feuerwerk ist mangelhaft. Den Raketen und Böllern fehlt eine Identifikationsnummer, mit der das Bundesamt für Polizei als zuständige Behörde bescheinigt, dass sie den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Weil der Unternehmer fahrlässig handelt, bleibt es bei einer Busse

Das alles ist illegal. Deshalb verurteilt die Zuger Staatsanwaltschaft den 64-Jährigen wegen Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz und wegen der unerlaubten Beförderung gefährlicher Güter auf der Strasse. Weil er die Tat laut den Strafverfolgern aber fahrlässig und nicht vorsätzlich begangenen hat, büssen sie ihn mit 1000 Franken – und sehen vor einer weiteren Strafe ab.

Zur Begründung heisst es im Strafbefehl vom 6. April im Wesentlichen, der Zuger habe zwar weder die Bewilligungspflicht für Handel und Lagerung noch die Vorschriften über die Beförderung gekannt. Aber: «Bei pflichtgemässer Vorsicht», zum Beispiel, indem er im Internet recherchiert oder sich bei den Behörden erkundigt hätte, hätte er erkennen müssen, dass ein Teil des Feuerwerks mangelhaft war.

Zusätzlich zum Unternehmer verurteilen die Strafverfolger auch einen heute 34-jährigen Nordmazedonier, der im Kanton Zug lebt. Im Auftrag des Unternehmers, dem er einen Gefallen tun will, bietet er im Oktober 2019 per E-Mail 12 Firmen das Feuerwerk zum Kauf an. Das Geschäft aber gelingt nicht. Trotzdem wird auch der Nordmazedonier verurteilt, allerdings nur wegen versuchter fahrlässiger Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz – zu 100 Franken Busse.