Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

STRAFGERICHT: Beute durch Zufall entdeckt

Zwei Räuber erbeuten für 700 000 Franken Uhren und Schmuck. Diese findet die Polizei, als sie in Baar eine Hausdurchsuchung vornimmt bei einem Dritten.
Strafgericht in Zug (Symbolbild). (Bild: Stefan Kaiser)

Strafgericht in Zug (Symbolbild). (Bild: Stefan Kaiser)

Jürg J. Aregger

Es war ein skurriler Fall, der gestern vor dem Zuger Strafgericht verhandelt wurde. Selbst Staatsanwalt Peter Brändli sprach von einem «äusserst spannenden Kriminalfall». Unbestritten war, dass zwei Männer am 11. Juni 2014 um 17 Uhr die Bijouterie Lauener an der Bahnhofstrasse in Zug überfielen. Auf dem Video sieht man, wie die Inhaberin und drei Verkäuferinnen mit einer Pistole bedroht werden und sich auf den Boden legen müssen. Mit zwei Hämmern werden Gläser der Schaufenster aufgeschlagen. Innert drei bis vier Minuten nehmen die Räuber 127 wertvolle Markenuhren und Schmuckstücke mit und transportieren sie in zwei Rucksäcken ab. Ihr Einstandspreis betrug 713 000 Franken, die Schäden bezifferten sich auf 56 000 Franken. Die beiden Männer flüchten mit Velos.

Am andern Morgen um 6 Uhr nahm die Zuger Polizei eine Hausdurchsuchung in der Wohnung eines Serben in Baar vor. Die Zürcher Polizei vermutete ihn als Urheber eines Einbruchs. Die Polizei traf dabei auf zwei weitere Männer. Diese hatten eine Sporttasche und weitere Gegenstände vom Balkon auf einen andern Balkon geworfen, was von einer Nachbarin beobachtet worden war. Welche Überraschung: Die gesamte Beute des Überfalls auf die Bijouterie befand sich in der Sporttasche! Die beiden Serben stellten sich dumm: Vom Überfall hätten sie zuvor nichts gewusst. Dies auch die Aussage des mehrfach vorbestraften Wohnungsinhabers, der seine Landsleute aber teilweise belastete. Dieser wird sich später in Zug oder Zürich vor Gericht verantworten müssen.

Viele «Mosaikstücklein»

Er habe keinen zwingenden Beweis, dass die beiden Serben, die gestern vor Gericht standen, in die Tat involviert waren, «aber eine Vielzahl von Mosaikstücklein, die ein Gesamtbild für ihre Täterschaft ergeben», führte der Staatsanwalt gestern aus. Für ihn ist der Raub minutiös vor langer Zeit geplant worden. Die Serben kamen dafür in die Schweiz. «Alle kannten ihre Rolle und hielten sich ans Drehbuch», sagte der Ankläger. Die beiden Verhafteten stünden hierarchisch über den unbekannten Räubern, welche die Frontarbeit ausgeführt hätten. Der 35-jährige Beschuldigte, in der Schweiz mehrfach vorbestraft, sei wegen Raubs und Sachbeschädigung mit einer Haft von sechs Jahren zu bestrafen, sein Komplize mit fünf Jahren. Falls das Gericht nur auf Hehlerei entscheide, beantragte er Strafen von vier und drei Jahren.

«Abenteuerliche Darstellung»

«Die Anklage steht auf wackeligen Beinen. Die Vorwürfe muten etwas abenteuerlich an», sagte der Verteidiger des älteren Serben. Die gemeinsame Planung des Überfalls sei nicht bewiesen. Sein Mandant komme immer wieder ein- bis zweimal im Jahr den in Baar wohnenden Serben besuchen. Der Anwalt beantragte Freispruch, die sofortige Entlassung aus der Haft und eine angemessene Entschädigung sowie Genugtuung.

Demgegenüber forderte die Verteidigerin des Landsmanns eine Verurteilung wegen Hehlerei und eine Strafe von 18 Monaten. Dies auch angesichts der Tatsache, «dass das Tatverschulden nicht mehr leicht wiegt». Die Haupttäter hätten den Überfall ohne Mitwirken ihres Mandanten ausgeführt. Dieser habe einen von ihnen zufällig in einem Restaurant in Zug kennen gelernt und sei gefragt worden, ob er etwas für ihn aufbewahren könne. «Aus Neugier öffnete er in der Wohnung die Rucksäcke und musste mit Erschrecken feststellen, was es mit dem Inhalt auf sich hatte», führte die Anwältin aus: zahlreiche Uhren, Schmuck, zwei Hämmer und die Pistole. «Er hätte in diesem Augenblick die Polizei rufen sollen», sagte die Verteidigerin.

Mehrjährige Strafen ausgesprochen

Für das Strafgericht unter dem Vorsitz von Stephan Dalcher gab es keine Zweifel, dass die beiden Beschuldigten in die Tatplanung involviert waren. «Die Bestreitungen sind weder glaubhaft noch plausibel», führte er aus. So übergebe ein Räuber einem Unbekannten nicht die teure Beute. «Das arbeitsteilige Vorgehen setzt Kenntnis vom Tatplan voraus», sagte der Richter. Deshalb seien die Männer wegen Raubs und Sachbeschädigung schuldig. Doch sei ihre Kenntnis, dass der Raub mit einer geladenen Waffe durchgeführt wurde, nicht mit Sicherheit nachweisbar. So sei der qualifizierte Tatbestand nicht erfüllt.

Dass der ältere Beschuldigte sich in der Wohnung aufgehalten habe, ohne vom Raub gewusst zu haben, sei nicht erklärbar. So habe er zum Tatzeitpunkt zum Wohnungsinhaber gesagt: «Jetzt gehts los.» «Eine solch originelle Aussage erfindet man nicht», so das Gericht. Auch er habe einen wesentlichen Tatbeitrag geleistet. So wurden Strafen von vier Jahren und fünf Monaten sowie fünf Jahren ausgesprochen. Die Urteile sind nicht rechtskräftig. Der Verteidiger des älteren Beschuldigten hat bereits die Berufung angemeldet.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.