STRAFGERICHT: Der Kantonstierarzt als Bauernopfer

Ein Landwirt sieht seine Existenz bedroht. Er greift zu einer Eisenstange und knüppelt zwei Beamte brutal nieder.

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Werner J. Limacher, angegriffener Kantonstierarzt. (Archivbild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Werner J. Limacher, angegriffener Kantonstierarzt. (Archivbild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Er hielt ihm die Hand hin, sagte «Adieu». Damit wollte der Angestellte des Veterinäramts die unangemeldete Kontrolle auf dem Hof beenden. Der angesprochene Landwirt habe gezögert, zu Boden geschaut und wortlos eine Eisenstange aufgehoben. Dann ging der Bauer auf den Kontrolleur los.

Den ersten Schlag konnte dieser mit dem Arm abfangen, ging darauf aber zu Boden und musste einen heftigen Schlag an der Schulter einstecken. Kantonstierarzt Werner J. Limacher hatte weniger Glück: Auf ihn schlug der Viehhalter ein, nachdem sein Kollege das Heil in der Flucht suchte. Limacher schützte mit den Armen seinen Kopf, erlitt einen Armbruch.

Die beiden Beamten erstatteten Anzeige, wollten aber ausdrücklich vor Gericht nicht als Privatkläger auftreten.

Der Bauer darf heute kein Vieh mehr halten
Dem Beschuldigten selbst ging gestern während der Verhandlung «alles ein wenig zu schnell». An den Vorfall könne er sich nicht mehr erinnern, das sei «10, 20 Jahre» her. Er komme «nicht so draus bei dem Zeugs», sagt er vor Gericht. Der 51-Jährige gibt ein buntes Durcheinander aus Rechtfertigungen, Tiraden und lapidaren Kommentaren ab; spricht davon, dass man die Bauern «einfach machen lassen» statt «verrückt machen» soll und dass alles besser wäre – wenn man nur schaute, dass die Bauern besser verdienten.

Vor fünf Jahren wurde der Bewirtschafter eines 10-Hektaren-Betriebes wegen unsachgemässer Tierhaltung gebüsst. Seine Direktzahlungen wurden gestrichen, weil er die Anforderungen nicht mehr erfüllte. Heute darf der Mann kein Vieh mehr halten.

«Gewisses Verständnis» für die Situation des Angeklagten, der die beiden Amtsvertreter vom Hof habe jagen wollen, und für die Bauern im Allgemeinen zeigte der leitende Staatsanwalt Marc von Dach.

Strafe im tiefstmöglichen Bereich des Strafrahmens
Er forderte für den Angriff auf die Beamten eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten bedingt, wegen mehrfach versuchter schwerer sowie einfacher Körperverletzung. Auf qualifizierte einfache Körperverletzung und 50 Tagessätze plädierte der amtliche Verteidiger, der vor Gericht den fehlenden Rückhalt seines Mandanten beklagte.

Das Strafgericht folgte in den meisten Punkten und auch in deren Begründung der Staatsanwaltschaft: Wer so vorgehe, nehme eine schwere Körperverletzung in Kauf. Mit seinem Urteil – 15 Monate bedingt wegen mehrfacher versuchter schwerer Körperverletzung – bleibe die Strafe im tiefstmöglichen Bereich des Strafrahmens. Die Strafe gilt während einer Probezeit von zwei Jahren.

Chantal Desbiolles

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Zuger Zeitung.