Strafgericht Zug
Ehepaar soll über 190'000 Franken unrechtmässig abgezweigt haben

Wurden Urkunden gefälscht? Geld veruntreut? Mit diesen und anderen Fragen hatte sich der Einzelrichter zu beschäftigen.

Harry Ziegler
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Sie, eine 42-jährige russische Staatsangehörige, und er, ein 41-jähriger Deutscher, waren wegen verschiedener Vermögensdelikte angeklagt. Das Ehepaar aus Winterthur soll sich der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung, des betrügerischen Konkurses sowie der mehrfachen Urkundenfälschung schuldig gemacht haben. Dem Ehemann wurde zudem vorgeworfen, sich der Anstiftung zur mehrfachen Veruntreuung, eventuell der mehrfachen qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig gemacht zu haben. Die geschädigten Firmen hatten Sitz in Zug.

Die 42-jährige Russin wurde der mehrfachen Veruntreuung und der Urkundenfälschung schuldig gesprochen. Dafür erhielt sie eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten, bedingt, mit einer Probezeit von zwei Jahren. Zudem wurde ihr eine bedingte Geldstrafe von 65 Tagessätzen zu 25 Franken auferlegt.

Ihr Ehemann wurde schliesslich der Gehilfenschaft zur Veruntreuung schuldig gesprochen. Er wurde zur Bezahlung einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 85 Franken verurteilt. Auf die erhobene Zivilklage wurde nicht eingetreten.

Manche Verfahren sind eingestellt worden

Was dem Ehepaar vorgeworfen wurde, erwies sich laut Urteilsbegründung, die 100 Seiten umfasst, in einigen Punkten als verjährt. Vor allem dort, wo die veruntreuten Beträge gering waren. Das betrifft laut Urteil sämtliche, allfällig pflichtwidrigen Bezüge bis zu 300 Franken. Gemäss Artikel 109 StGB verjährt die Strafverfolgung von Übertretungen, das heisst Ta­ten, die mit Busse bedroht sind (Art. 103 StGB), in drei Jahren. Im vorliegenden Fall waren getätigte persönliche Ausgaben von bis zu 300 Franken – total rund 4'400 Franken – betroffen.

Deswegen stellte das Strafgericht alle Verfahren wegen mehrfacher Veruntreuung, eventuell mehrfacher qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung gegen die Ehefrau wegen Verfolgungsverjährung ein, sofern die Bezüge 300 Franken nicht überschritten. Die zusätzlichen Verfahren gegen den Ehemann wegen Anstiftung zur mehrfachen Veruntreuung, eventuell der Gehilfenschaft zur mehrfachen Veruntreuung, wurden wegen Eintritts der Verfolgungsverjährung ebenfalls eingestellt.

Sieben Firmen waren ins Konstrukt involviert

Das Ehepaar wurde laut Urteil des Strafgerichts von einem russischen Jugendfreund der Ehefrau angefragt, ob sie und ihr Ehemann nicht als formelle Geschäftsführer fungieren könnten, da er und sein Geschäftspartner mit ihrem IT-Geschäft via die Schweiz in den europäischen Markt einzusteigen gedachten. Da das Ehepaar immer wieder mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, entschieden sie sich, das Angebot anzunehmen. Entsprechend wurden Firmen in Holdingstrukturen und operativ tätige Firmen mit den entsprechenden Bankkonten gegründet. Insgesamt werden im Urteil sieben Firmen, die mehr oder minder ins Geschehen verwickelt waren, aufgeführt.

Nicht verjährt waren die grösseren veruntreuten Beträge. So hatte die Ehefrau auf Anraten ihres Manns rund 175'000 Franken von einem Geschäftskonto, wo sie über Einzelunterschrift verfügte, auf ein eigenes Konto transferiert und das Geld für sich und ihre Familie gebraucht. Ebenso waren weitere gut 16'500 Franken von einem anderen Geschäftskonto auf eines ihrer Konten geflossen. Das Geld wurde in derselben Weise verbraucht. Das Ehepaar habe sich zudem der Urkundenfälschung schuldig gemacht, indem unter anderem auf Bankformularen die Unterschriften der Geschäftspartner gefälscht worden waren.

Beide Angeklagten haben Berufung erklärt. Die Staatsanwaltschaft hat sich innert Frist nicht dazu geäussert.