STRAFGERICHT: Lenker bestreitet, Frau angefahren zu haben

Mit 1,89 Promille war ein 60-Jähriger gefahren. Er bestritt vehement, mit einer Fussgängerin kollidiert zu sein. Viele Fragen bleiben offen.

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Der Vorfall hatte sich im Frühling 2005 auf der alten Kappelerstrasse in Baar ereignet. Ein Personenwagen fuhr talwärts. Dessen Lenker wurde von der Anklage zur Last gelegt, eine Fussgängerin angefahren zu haben.

Diese musste für zehn Tage ins Spital; sie erlitt beim Sturz unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma mit Felsenbeinbruch und eine Kontusionsblutung. Der Schweizer Lenker bestritt stets, die Frau angefahren zu haben: «Plötzlich stürzte sie hin», sagte er vor der Einzelrichterin. «Ich hatte sie bis zum Sturz im Auge.» Äusserlich sei sie unverletzt gewesen.

Drei Unfallvarianten und eine Busse von rund 32'000 Franken
Staatsanwalt Marc von Dach forderte eine Verurteilung des Beschuldigten wegen angetrunkenen Fahrens und fahrlässiger Körperverletzung. Dessen Aussagen seien unglaubhaft, weil sich an seinem Fahrzeug Wischspuren befanden, die laut Polizeibericht der Frau zuzuordnen seien. Der Beschuldigte sei mit 50 Tagessätzen zu 500 Franken (total 25'000 Franken) bedingt und einer Busse von 8000 Franken zu bestrafen.

Einzelrichterin Svea Anlauf hält in ihrem ausführlichen Urteil fest, dass nicht rechtsgenüglich feststehe, dass die Wischspuren am Auto von der Frau stammten. Sie könnten auch bei ihrer Bergung oder bereits früher entstanden sein. Es gebe folgende Unfallvarianten:

  • Variante 1: Die Frau habe sich auf dem Wiesenstück befunden, als sie zu Fall kam. Dies entspricht ihrer Darstellung. In diesem Fall kann laut Urteil der Automobilist sie nicht angefahren haben, da die festgehaltene Endposition seines Fahrzeugs keinen Schnittpunkt mit dem Kollisionspunkt zulasse.
  • Variante 2: Die Frau befand sich weiter oben auf dem Wiesenstück, als sie zu Fall kam. In diesem Fall wäre sie vom Auto mitgeschleift worden. Es gebe aber keine entsprechenden Verletzungen, und am Fahrzeug fehlten Aufprallspuren. Aufgrund ihrer Osteoporose (Knochenschwund) hätte sie wohl weitere Verletzungen erlitten.
  • Variante 3: Die Frau stand auf der Strasse, als sie zu Fall kam: Dies entspreche weder ihrer Aussage noch werde dies ihm vorgeworfen. 

Die Einzelrichterin kam zum Schluss, dass in Anwendung des Grundsatzes «Im Zweifel für den Beschuldigten» ihm der Vorwurf der Körperverletzung nicht nachgewiesen werden kann. Sie bestrafte ihn wegen Blaufahrens mit 45 Tagessätzen zu 710 Franken bedingt (total 31'950 Franken) und einer Busse von 7500 Franken.

Jürg J. Aregger

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Montag in der Neuen Zuger Zeitung.