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STRAFGERICHT: Mammutprozess findet Ende

Insgesamt 134 Bundesordner umfasst der Fall von Anlagebetrug. Fünf Verhandlungstage dauert der Prozess. Jetzt liegen die Urteile vor.
Jürg J. Aregger
Der Prozess beanspruchte fünf Verhandlungstage. (Symbolbild Neue ZZ)

Der Prozess beanspruchte fünf Verhandlungstage. (Symbolbild Neue ZZ)

Jürg J. Aregger

Der Hauptbeschuldigte, ein 59-jähriger Deutscher, hatte seit 1990 Bezugspunkte zum Graumarkt mit Anlagegeldern. Staatsanwalt Andreas Sidler nannte dabei den Verkauf von Aktien der Hünenberger Firma NicStic, die angeblich eine nikotinfreie Zigarette erfunden hatte. So wurden rund 30 Millionen Aktien zum Nennwert von 10 Millionen Euro abgesetzt. Auch sei er bei der Zuger Creative Finance (CF) involviert gewesen mit einem Schaden von rund 31 Millionen Franken.

Vorliegend spricht das Strafgericht von 292 Personen und Gesellschaften, denen wertlose Aktien im Umfang von rund 7 Millionen Franken angedreht wurden («Penny Stocks»). Die Anklage war von insgesamt 325 Geschädigten ausgegangen. Dabei bediente sich der Deutsche der aggressiven Aktienverkaufstätigkeit der «Käfer-Truppe» (siehe auch Gerichtsberichte vom 13. und 23. Januar). Die Richter unter der Verfahrensleitung von Marc Siegwart bezeichnen den Deutschen im Urteil, das nicht weniger als 254 Seiten umfasst (die Anklageschrift wies bereits 176 Seiten auf), als Kopf und Spiritus Rector der Scheingesellschaft. «Sein Verschulden wiegt dabei schwer. Sein Handeln zeugt von einem hohen Mass an krimineller Energie», heisst es im Urteil.

Sechs Jahre Gefängnis

Dem Gericht lagen 134 Bundesordner Akten vor. Es erfolgten zwar einige Einstellungen und Freisprüche, «jedoch handelte es sich dabei um geringe Teilaspekte sowie zum Teil dieselben Sachverhalte, welche gerichtlich anders gewürdigt wurden». Neben des gewerbsmässigen Betrugs wurde er auch der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Deliktsbetrag von rund 70 000 Franken und der Misswirtschaft schuldig gesprochen. Seit Mitte 2014 befindet sich der Deutsche in Untersuchungshaft beziehungsweise im vorzeitigen Strafvollzug.

Er liess es sich mit seiner Familie und auch seinem Umfeld durch die stets eingehenden Deliktserlöse stets gut gehen und pflegte einen luxuriösen Lebensstil. Vom Strafgericht wurde er jetzt zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Der Staatsanwalt hatte siebeneinhalb Jahre beantragt. Der amtliche Verteidiger forderte wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Misswirtschaft eine bedingte Strafe von zwei Jahren. Bei einem allfälligen Schuldspruch wegen gewerbsmässigen Betrugs sei von einem Deliktsbetrag von lediglich 4,1 Millionen Franken auszugehen.

Unbedingte Strafe auch für Ex-Frau

Für die getrennt vom Hauptbeschuldigten lebende Gattin hatte Staatsanwalt Sidler eine Strafe von fünfeinhalb Jahren gefordert. Laut ihrem Verteidiger war sie im Betrieb ihres Mannes «Mädchen für alles». Die 46-jährige Ausländerin sei ein «Dekorationsobjekt» im Machobetrieb gewesen, habe keine Entscheidbefugnis gehabt, hätte lediglich untergeordnete Aufgaben ausgeführt und habe Zahlungen auf Geheiss gemacht. Laut dem Urteil kümmerte sie sich vor allem um die finanziellen Belange, doch «stand sie deutlich unter dem Einfluss ihres Ehemannes, welcher jedenfalls den eigentlichen Lead innehatte». Die Richter werteten «auch die nachhaltige Uneinsichtigkeit, zeigte sie sich doch bis zum heutigen Tag völlig gleichgültig und lässt jegliche Reue vermissen» und lege eine provozierend gespielte Gleichgültigkeit an den Tag. Beim Hauptdelikt sei lediglich von Gehilfenschaft auszugehen. So wurde sie zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt, wovon sie die Hälfte (abzüglich 162 Tage Untersuchungshaft) absitzen muss.

Weitere bedingte Strafen

Auch für die mitangeklagten drei Deutschen verlangten die Verteidiger Freispruch, während der Staatsanwalt viereinhalb, dreieinhalb und eineinhalb Jahre Freiheitsstrafe forderte. Bei ihnen ging das Gericht ebenfalls von Gehilfenschaft aus und verurteilte sie zu bedingten Freiheitsstrafen von 24, 20 und 14 Monaten. Letzterer war Geschäftsführer und Verwaltungsrat, die beiden anderen Leiter beziehungsweise Führungspersonen des Verkaufsteams. Ihr Verschulden wiege recht schwer. Angesichts der Anträge der Verteidiger ist damit zu rechnen, dass die Urteile in diesem Mammutprozess, der fünf Verhandlungstage dauerte, weitergezogen werden.

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