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STRAFGERICHT: Manöver hat fatale Folgen

Ein Autofahrer ist gestern wegen eines Unfalls im Jahre 2014 zur Verantwortung gezogen worden. Sein Verteidiger stellt die Rolle des verunfallten Velofahrers in den Fokus.
Andrea Muff
Trotz Rotlicht sollen Velofahrer künftig rechts abbiegen dürfen: Das und mehr schreiben die Sonntagszeitungen. (Archivbild) (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Trotz Rotlicht sollen Velofahrer künftig rechts abbiegen dürfen: Das und mehr schreiben die Sonntagszeitungen. (Archivbild) (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Ein Auto fährt entlang der Baarer Neugasse in Richtung Blickensdorf. Als die Ampel auf Rot springt, hält der Fahrer an. Neben seinem Fahrzeug befindet sich eine gelb markierte Velospur. Weil der Automobilist nach rechts abbiegen will, hat er den Blinker gestellt. Als die Ampel grün zeigt, fährt er los. Beim Abbiegemanöver kollidiert er mit einem herannahenden Velofahrer. Der Unfall ereignete sich am Nachmittag des 4. April 2014. Es kam «zu einer seitlichen Kollision, bei welcher der Fahrradlenker gegen die Beifahrertür des PW prallte, zusammen mit dem Fahrrad auf die rechte Seite stürzte und mit dem Kopf auf der Strasse aufschlug», schreibt die Zuger Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift. Der 82-jährige Zweiradfahrer erlitt beim Aufprall ein schweres Schädelhirntrauma und erlag fünf Tage später im Spital seiner Verletzung. Der 39-jährige Unfallverursacher musste sich gestern vor dem Zuger Strafgericht wegen fahrlässiger Tötung und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten.

Die Staatsanwaltschaft spricht in der Anklageschrift von «ungenügender Aufmerksamkeit». Der Beschuldigte hätte den Velofahrer «bei genügender Beachtung des rechten Fahrzeugseitenspiegels, des Spiegels direkt neben dem Lichtsignal am Gebäude Neugasse 8 und entsprechendem Blick über die rechte Schulter» sehen sollen.

Dieser widerspricht den Ausführungen: «Ich habe den Velofahrer nicht gesehen, obwohl ich einen Blick in den Seitenspiegel geworfen habe.» Er gibt zu: «Das Ganze beschäftigt mich sehr. Heute schlägt mir mein Herz bis zum Hals.» Der Beschuldigte erzählt dem Gericht von seinem Versuch, das Unfallopfer im Spital zu besuchen. «Man sagte mir, es wäre ein ungünstiger Zeitpunkt, und schickte mich weg.» Als Grund für den Unfall sieht er ein «unglückliches Zusammenspiel» von verschiedenen Ereignissen.

Der Staatsanwalt sieht das in seinem Plädoyer anders: Der Beschuldigte habe seine Sorgfaltspflicht verletzt. «Der Angeklagte musste mit einem Velofahrer rechnen und durfte nicht darauf vertrauen, nicht überholt zu werden.» Er verweist auf den 2,5 Meter breiten Velostreifen. Auch den Spiegel am Gebäude habe der Beschuldigte übersehen – was dieser zugegeben habe. «Er hat fahrlässig gehandelt und die Grundvorsichtigkeit nicht bedacht.» Die Folgen wären vermeidbar gewesen, resümiert er.

Verteidiger fordert Freispruch

Das Plädoyer des Verteidigers kommt zu einem ganz anderen Schluss. Der Angeklagte habe geblinkt, und wenn der Radfahrer genug aufmerksam gewesen wäre, hätte dieser nicht an seinem Mandanten vorbeifahren dürfen. Der Rechtsanwalt rückt damit die Rolle des Velofahrers in den Fokus: Er sei «wackelig unterwegs» gewesen, hätte den Kopf «auffallend tief» gehalten. Zitiert der Verteidiger die Zeugen. Er kommt zum Schluss: «Der Velofahrer ist höchst unsicher und unaufmerksam gewesen.» Er fordert deshalb einen Freispruch für seinen Mandanten. Im Urteil folgt das Gericht mehrheitlich der Argumentation der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte wird der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen. Er wird mit einer Geldstrafe von 135 Tagessätzen zu 200 Franken, unter Gewährung des bedingten Vollzugs bei einer Probezeit von zwei Jahren, bestraft. Die Verfahrenskosten trägt der Beschuldigte. Auf die von der Staatsanwaltschaft verlangte Busse ­verzichtet das Gericht. Der Tatvorwurf der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes sei verjährt und das Verfahren werde eingestellt. Der Angeklagte hatte nach dem Unfall am Abend einen Joint geraucht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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