STRAFGERICHT: Reisebürochef liess Kunden zu billig verreisen

Der Mann wollte bei seinen Kunden populär und beliebt sein. Und verkaufte Tickets unter dem Einstandspreis. Bis es zum Chlapf kam.

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(Symbolbild Keystone)

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Von «einem krankhaften und ruinösen Geschäftsgebaren» sprach der amtliche Verteidiger des 53-jährigen Beschuldigten. Dieser habe mit seinem ganzen privaten Vermögen gebüsst und selbst seine BVG-Gelder von über 220'000 Franken dafür eingesetzt. Um dieses Konto aufzulösen, hatte er sogar die Unterschrift seiner Frau gefälscht.

Pingeliges Kontrollsystem
Der Schweizer hatte einen guten Ruf in der Reisebranche und zählte zahlreiche Geschäftsleute zu seinen Kunden. Sie profitierten gerne davon, dass er die Tickets billiger als die Konkurrenz verkaufte. Da gegen den Reiseprofi in Zürich ein Strafverfahren lief, gründete er mit einem Zuger eine neue Firma; dort arbeitete er als Geschäftsführer, wobei die Buchhaltung über den Zuger Tour-Operator lief.

Dieser wusste laut dem Verteidiger des Geschäftsführers, dass ihm vorher gekündigt worden war. Dieser habe versprochen, keine «Chrämpfe» mehr zu machen. Von Anfang an hätte der Tour-Operator Anlass gehabt, sehr vorsichtig zu sein. Er hatte denn auch ein pingeliges Kontrollsystem eingeführt und begleitete den Mitarbeiter jeweils zur Bank, um die ausstehenden Beträge hereinzuholen. Als er pleite war, erhielt er im Sommer 2003 die Kündigung.

Flüche gebucht und intern wieder annuliert
An der Verhandlung letzte Woche wies der Tour-Operator die Vorwürfe einer Mitverantwortung weit von sich: «Der Beschuldigte hat bis zur Kündigung ordnungsgemäss gearbeitet. Er hat mich hinters Licht geführt. Die meisten Fälle kamen erst nachträglich zum Vorschein.» Der Geschäftsführer habe Flüge gebucht und diese intern annulliert. Für ihn sei deshalb das Geschäft erledigt gewesen. Als die Kunden dann geflogen seien, hätten die Airlines bei ihm später Rechnung gestellt.

Staatsanwalt Thomas Rein forderte eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, wobei die 2003 ausgesprochene ambulante Massnahme fortzusetzen und der Vollzug aufzuschieben sei. Das Verschulden bezeichnete der Ankläger als erheblich. Er ging von einem Deliktsbetrag von 147'000 Franken aus.

Schwer wiegt die Unterschriftenfälschung
Die Strafeinzelrichterin Svea Anlauf sprach eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten als teilweise Zusatzstrafe aus. Der Beschuldigte muss die Hälfte der Verfahrenskosten tragen. Er wurde in weiteren Punkten freigesprochen, es blieb ein Deliktsbetrag von rund 120'000 Franken. Besonders die Unterschriftenfälschung und der BVG-Bezug zu Lasten seiner inzwischen geschiedenen Frau (94'000 Franken) sei ihm anzulasten.

«Ich sehe ganz klar eine positive Prognose für den Beschuldigten», sagte Richterin Anlauf. Dieser brauche heute auch keine neue Massnahme; die bisherige Besprechungen mit einem Facharzt zeitigten einen guten Verlauf und müssten nicht fortgesetzt werden. Dem Privatkläger wurde eine Anwaltsentschädigung von 1000 Franken zugesprochen.

Jürg J. Aregger

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Zuger Zeitung.