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STRAFGERICHT: Schüsse im Schlangenhaus

Ein solcher Fall hat Seltenheitswert: Die drei Männer, die gestern vor Gericht standen, sind gleichzeitig auch Opfer im selben Prozess. Ob die Rahmenhandlung jedoch ein Raubüberfall war, darüber gehen die Auffassungen der Parteien auseinander.
Christopher Gilb

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

In einem Wohnviertel in der Gemeinde Cham flüchteten am 16. Juni 2015 zwei angeschossene junge Männer durch die Nacht. Sie kamen aus dem «Schlangenstübli». Ein 59-Jähriger hält dort an die 30 Schlangen. Und auch sein Drogenvorrat lagert dort.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft an der gestrigen Verhandlung vor dem Strafgericht Zug verabredeten die beiden einschlägig vorbestraften Männer kurz zuvor in einem Restaurant in Ebikon, den Schlangenbesitzer auszurauben. Ob sie diesen zuvor schon einmal gesehen hätten, wurden sie gefragt. «Nein», antworteten sie. Aber schon von ihm gehört und auch schon von seinem Gras geraucht, antwortete einer der zwei. Dann sollen sie mit dem Auto in den Kanton Zug gefahren sein. Im Wissen, dass das Opfer seinen Aussenbereich mit einer Kamera überwacht, habe darauf nur einer der beiden, der heute 33-Jährige, geklingelt, um so das Risiko einzudämmen, nicht eingelassen zu werden. Nachdem er dann eingelassen worden sei, habe er zugeschlagen, und zwar mehrfach. Es wird ein Foto des Opfers kurz nach der Tat gezeigt, sein Gesicht ist schwer malträtiert. Er beklagt, deswegen arbeitsunfähig zu sein. Dann habe der jüngere, der heute 30-Jährige, die Wohnung betreten und zum Opfer gesagt, er solle ihnen Geld, Marihuana und Koks aushändigen, dann passiere ihm nichts mehr. Der Staatsanwalt fordert für die beiden Freiheitsstrafen von je vier Jahren.

Kauf statt Überfall

Nach Ansicht ihrer Verteidiger hat es sich aber komplett anders abgespielt. Sie werfen der Staatsanwaltschaft vor, dass sich der Vorwurf bezüglich versuchten Raubs vor allem auf die Aussagen des Schlangenbesitzers stütze. Dieser habe jedoch eine lebhafte, aber fragwürdige Fantasie. Zudem wurde ein fehlendes Motiv beanstandet. Mal schnell einen Raub zu planen, überzeuge nicht. Laut der Verteidigung wollten die beiden nur Gras kaufen, und zwar günstiges und hochwertiges Gras. Dies sei auch der Grund für den grossen Aufwand gewesen. Der Ältere sei also reingegangen. Dann sei der Dealer ausgeflippt und habe ihn verbal beleidigt. Es sei wohl die Beleidigung seiner Mutter gewesen, was in seinem Kulturkreis etwas vom schlimmsten sei, wieso dann seine Sicherungen durchgebrannt seien und er zugeschlagen habe. Die Schläge gesteht der 33-Jährige. Den Raub gestehen beide nicht. Die Verteidiger fordern diesbezüglich Freispruch. Wegen der Schläge soll eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten reichen.

Doch es fielen Schüsse. Und da wird das 59-jährige Opfer aus Sicht der Staatsanwaltschaft zum Täter. Nachdem er den Räubern gezeigt habe, wo die Drogen sind, hätten sie ihm gedroht, ihn umzubringen, wenn er ihnen nicht alles gebe. Während sie sich umgeschaut hätten, habe er seine Repetierflinte gepackt, die er nach eigenen Worten wegen der Schlangen hat. Als die beiden die Waffe sahen, hätten sie jedoch die Flucht ergriffen. Er habe jedoch trotzdem noch drei Schüsse auf sie abgegeben und sie dabei verletzt. Dies war laut der Staatsanwaltschaft unverhältnismässig und damit nicht mehr Notwehr, sondern mehrfach versuchte vorsätzliche Tötung. Sie fordert eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. 12 Monate seien zu vollziehen. Sein Anwalt hingegen fordert einen Freispruch. Er bat die Anwesenden, sich in die Lage seines Klienten zu versetzen. Mit zerschmettertem Schädel, die Morddrohung in den Ohren und dann sei der Angeklagte erst noch, um in Deckung zu gehen, ein Stück in seine Richtung gekommen. In anderen Verhältnissen auf eine andere Distanz sei ein Schuss in die Luft vorstellbar, so nicht. Es sei klar Notwehr gewesen. Das Urteil ist für heute angekündigt.

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