STRAFGERICHT ZUG: Betäubt und vergewaltigt

Ein heute Pensionierter soll vor einigen Jahren eine Untergebene mit K.-o.-Tropfen betäubt und dann vergewaltigt haben. Zudem habe er sie sexuell genötigt. Er bestreitet die Tat. Die Haarprobe fiel aber positiv aus.

Christopher Gilb
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Das Strafgericht in Zug. (Bild: Stefan Kaiser)

Das Strafgericht in Zug. (Bild: Stefan Kaiser)

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Das Polizeifoto erinnert an einen Horrorfilm, aufgenommen wurde es in einer Firma im Kanton Zug. Es zeigt einen dunklen Luftschutzraum mit einer Matratze auf dem Boden. Die Verteidigung sieht darauf einen Raum, wo zwei Erwachsene ihre Affäre auslebten. Die Staatsanwaltschaft sieht auf dem Foto den Schauplatz einer Vergewaltigung.

Angeklagt ist ein pensionierter Familienvater aus dem Kanton Zug. Er war bei besagter Firma unter anderem für die Einteilung der Mitarbeiter einer externen Putzfirma zuständig. Arbeitskollegen beschreiben ihn laut seinem Verteidiger an der gestrigen Strafgerichtsverhandlung als einen «lieben Cheib». Ab 2010 war auch eine deutlich jüngere Familienmutter mit ausländischen Wurzeln dort im Einsatz. Mehrfach habe er ihr Komplimente, auch über ihre Brüste gemacht. Ja, Komplimente habe er gemacht, sie sei eben offenherzig rumgelaufen, sagt er auf eine entsprechende Frage des Richters. Er spricht holprig, fast unverständlich. Sein Verteidiger wird sagen, er sei ein Mann einfacher Worte – ein Büezer. Dann habe er aber begonnen sie gegen ihren Willen auch zu betatschen, so die Anklageschrift. Für ihn hingegen lief alles im gegenseitigen Einverständnis ab. Man habe sich sympathisch gefunden. Wie es denn angefangen habe? «Sie hat mich geküsst.» «Aus heiterem Himmel?» «Ja.» Was denn jetzt stimme, denn in der Einvernahme habe er einmal gesagt, sie habe ihn als Erstes berührt, einmal, dass er es nicht mehr wisse, einmal, dass er den ersten Schritt gemacht habe. Er wisse es nicht mehr genau, sagt er jetzt.

In den Luftschutzkeller geschickt

Unter einem Vorwand habe er sie dann mehrfach in den Luftschutzraum gelockt und sich befriedigen lassen. Dass sie mitgemacht hat, begründet die Staatsanwaltschaft mit Angst, von ihm bei der Putzfirma angeschwärzt zu werden. Er habe entsprechende Bemerkungen gemacht. Ob es stimme, dass ihre Arbeitsleistungen ungenügend waren?» «Ja», antwortet er, aber das sei schon davor so gewesen. Er habe doch dann aber den Zettel mit ihren Minusstunden vor ihren Augen zerrissen? Habe er dies nicht in Hoffnung auf sexuelle Handlungen gemacht? Er verneint. Sex habe sie aus religiösen Gründen abgelehnt, sagt er noch zum Thema. Ob er denn überhaupt die Möglichkeit gehabt habe, ihre Kündigung bei der Putzfirma herbeizuführen?, will sein Verteidiger wissen. «Nein», sagt er. Darum sei es auch gar nicht gegangen, erklärt später die Anwältin der Putzfrau, die selbst nicht an der Verhandlung teilnahm, aber als Nebenklägerin im Fall fungiert. Er hätte aber dafür sorgen können, dass sie nicht mehr bei seinem Arbeitgeber eingeteilt werde und diese Einsatzzeit habe sie nicht verlieren wollen.

K.-o.-Tropfen ins Getränk gemischt

Vor einigen Jahren dann soll er die Putzfrau zweimal vergewaltigt haben. Dafür habe er K.-o.-Tropfen in ihr Getränk gemischt und sie unter anderem einmal als Vorwand zum Arbeiten in den Keller geschickt. Dort sei ihr schwindlig geworden. Als sie zu sich gekommen sei, sei sie entkleidet auf der Matratze gelegen, er ohne Hose neben ihr. Beim Duschen zu Hause sei aus ihrem Geschlechtsorgan Sperma gelaufen. Er gibt zu sexuelle Handlungen mit ihr vorgenommen zu haben. Auch daran, dass ihr einmal schwindlig gewesen sei, erinnert er sich. K.-o.-Tropfen habe er aber nie verabreicht. Der Staatsanwalt nennt seine Aussagen: «Knapp an der Wahrheit vorbei lügen». Nach der Anzeige der Putzfrau jedenfalls konnten an ihren Haaren Spuren von K.-o.-Tropfen nachgewiesen werden. Dafür kann auch der Verteidiger keine Erklärung liefern. Er führt jedoch an, dass die Polizei keinen Nachweis gefunden habe, dass sein Mandant solche besessen habe. Er stellt ihn zusammengefasst als eigentliches Opfer dar. Der Pensionär habe der Nebenklägerin aus Zuneigung sogar sein Bankkonto als Garantie, dass ihre Eltern ins Land einreisen dürfen, zur Verfügung gestellt. Zudem nimmt der Verteidiger auf Aussagen von Arbeitskollegen in Einvernahmen Bezug, die das Verhältnis der beiden als innig bezeichnet und auch nichts anderes bemerkt hätten. Bezüglich ihres Motivs könne er nur Vermutungen anstellen. Sie habe aber grosses Interesse gehabt, direkt bei der Firma angestellt zu werden und hätte am liebsten auch ihrem Mann dort einen Job verschafft. Dann habe der Angeklagte aber die Affäre beendet.

Der Verteidiger fordert einen Freispruch und eine Genugtuung von 6000 Franken. Der Staatsanwalt eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren und 6 Monaten. Die Verteidigerin der Nebenklägerin für ihre Mandantin eine Genugtuung von 25000 Franken. Die Putzfrau leide immer noch unter den Taten, sei in Behandlung und auch schon arbeitsunfähig gewesen. Das Einzige, was sie von der Tat habe, seien Nachteile, sagte sie an die Adresse des Verteidigers. Das Urteil wird schriftlich eröffnet.