Leserbrief
Streiken, bis ein Umdenken stattfindet

«Demonstration für den Klimaschutz», Ausgabe vom 19. Januar

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Der anthropogene Klimawandel existiert. Dies will jedoch nicht jedem Menschen bewusst sein, denn sich verantwortlich zu zeigen, ist scheinbar oft eine zu grosse Last. Eine Last, die sich vor allem Volksvertreterinnen und -vertreter nicht aufbürden wollen, obschon sie damit ihre eigene sowie die Zukunft ihrer Nachfahren sichern können. Statt in Forschung gegen die Klimaerwärmung zu investieren, wird Politik betrieben, um Unternehmen zu schonen und zu fördern, welche die Umwelt sehr stark belasten. Das jüngste Beispiel einer langen Liste lieferte uns der Nationalrat im Dezember 2018 dazu, als er das CO2-Gesetz zuerst abschwächte und schlussendlich vollständig ablehnte.

Eine Bewegung entsteht meist als Reaktion auf ein bestimmtes Thema. Die Beschlüsse der Politik in der Schweiz und auf der Welt ignorieren die Wichtigkeit der Massnahmen gegen den Klimawandel. Als Reaktion auf diese Ignoranz ist die dezentral organisierte Klimastreikbewegung entstanden. Diese Bewegung erwachte in der Schweiz mit einem Gruppenchat gegründet von Zürcher Schülerinnen und Schülern. Am 21. Dezember 2018 kamen diese Schülerinnen und Schüler zusammen zu Streiks, welche in den grossen Städten der Deutschschweiz stattfanden. Spätestens dann konnte der Klimastreik das Aufsehen der breiten Bevölkerung erregen. Beim nationalen Treffen der Klimastreikbewegung am 30. Dezember 2018 haben rund 120 junge Menschen sich dazu entschieden, dass am 18. Januar 2019 national gestreikt werden soll. Der Bewegung haben sich seit diesem Tag Tausende Jugendliche angeschlossen und dem von Menschen verursachten Klimawandel sowie den aktuell herrschenden Strukturen, welche die Klimaprobleme aussen vor lassen, den Kampf angesagt. Mit den Streiks wird das öffentliche Bewusstsein weiterhin auf die akute Bedrohung einer Klimakatastrophe geschärft.

Die Bewegung will, dass der Klimanotstand in der Schweiz anerkannt wird. Die immer rapidere Klimaerwärmung soll nicht als normales Geschäft verbunden mit finanziellen Interessen behandelt werden, sondern als das, was sie wirklich ist: eine Krise. Laut dem Weltklimarat bleibt uns nur noch Zeit bis im Jahr 2030, um das Ziel von maximal 1,5 Grad Celsius Erwärmung zu erreichen, um noch grössere Schäden zu verhindern. Dafür müssen die Massnahmen in der Politik jetzt ergriffen werden. Ein Systemwandel wird gefordert, wenn den Forderungen im jetzigen System nicht nachgekommen werden kann.

Die jungen Generationen nehmen ihre eigene Zukunft selbst in die Hand und gehen mit ihren Forderungen weiterhin auf die Strasse, bis eine Änderung bewirkt werden kann.

Ronahi Yener, Baar


Wenn Lehrerinnen und Lehrer den ihnen anvertrauten Kindern nebst dem obligatorischen Unterrichtsstoff auch noch Anstand und andere Dinge beibringen, welche leider oft von den Eltern vernachlässigt werden, ist das zu begrüssen. Auch darf und soll mit den Kindern altersgerecht über aktuelle Geschehnisse diskutiert werden.

Ob der Aufruf zum Schulstreik und damit zu unentschuldigten Absenzen eine gute Idee ist, darüber kann man streiten. Dass wir nicht wie gehabt unbeschränkt die Umwelt verpesten dürfen, ist klar, wenn sich Kinder und Jugendliche dafür einsetzen, ist das lobenswert. Wenn diese Kinder an schulfreien Tagen demonstrieren, stösst das sicherlich auf viel Verständnis und Wohlwollen. Leider ist aber für viele Jugendliche am Samstag Skifahren oder Snowboarden angesagt, am Sonntag ab ins Alpamare und am Mittwochnachmittag irgendetwas anderes. Zudem ist geltendes Recht zu missachten, um für ein Anliegen zu werben genauso falsch wie unsinnig. Warum kommen die Schüler oder deren Lehrer, nicht auf die Idee mal den Schulweg statt mit dem Bus oder Mamitaxi zu Fuss oder mit dem Velo zu beschreiten.

Der Schülermarsch am Morgen wäre dann genauso medienwirksam, zudem noch einiges umweltfreundlicher, gut für die Gesundheit und ein Tatbeweis. Und wenn dann noch ein paar Schüler auf die Idee kommen, die Heizung im Schulzimmer auf 18 Grad zu reduzieren und im Pullover, statt im T-Shirt zu lernen, ja dann kommen wir langsam auf den Gedanken, es hat etwas mit der Sorge um die Umwelt zu tun und weniger mit Grünem Gepolter und Selbstdarstellung.

Wir nähern uns dem Wahlkampf und mit Kindern kann man so schön auf die Mitleidstour machen. Ganz unter dem Motto: Schaut her, sogar die Kinder wollen schon dass wir gewählt werden und nehmen dafür sogar unentschuldigte Absenzen in Kauf. Vermutlich etwas zu provokativ, aber wohl nicht allzu weit von der Wahrheit entfernt.

Karl Künzle, Menzingen