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STREIT: «Dieser Weg ändert nichts»

Seit Wochen kämpft der Chor der Stadtzuger Pfarrei St. Michael gegen die Kündigung des Kirchenmusikers Marco Brandazza. Der Kirchenratspräsident ist unbeeindruckt.
Interview Wolfgang Holz
Patrice Riedo (CVP) bleibt Präsident der Rechnungsprüfungskommission der Stadt Zug. (Archivbild Werner Schelbert / Neue ZZ)

Patrice Riedo (CVP) bleibt Präsident der Rechnungsprüfungskommission der Stadt Zug. (Archivbild Werner Schelbert / Neue ZZ)

Patrice Riedo, sind Sie überrascht vom Protest gegen die Kündigung von Marco Brandazza als Kirchenmusiker?

Patrice Riedo: Nein. Der Kirchenchor St. Michael hat angekündigt, dass er den Konflikt in die Öffentlichkeit tragen werde. Dass er versucht, das Thema durch Leserbriefe in der Diskussion zu behalten, war zu erwarten.

Haben Sie sich nicht überlegt, die Kündigung zu revidieren?

Riedo: Nein. Der durch den Kirchenchor gewählte Weg ändert nichts an den Fakten. Damit meine ich, dass der Kirchenrat Beschlüsse in Personalfragen stets unter Einbezug der fachlich vorgesetzten Stelle und als Gesamtrat vornimmt. Im Falle der Kündigung von Marco Brandazza gingen dem kirchenrätlichen Beschluss Einzelgespräche mit Marco Brandazza und auch mit der Gemeindeleiterin ad interim, Sibylle Hardegger, voraus. Zudem gabs Klärungsgespräche mit den Konfliktparteien.

Was heisst das konkret?

Riedo: Der Kirchenchor war durch seinen Präsidenten bereits sehr früh in diesen Prozess einbezogen. Dies, obwohl der Kirchenchor in Bezug auf die Anstellung von Kirchenmusikern keinerlei rechtliche Kompetenzen hat. Nach Diskussionen und reiflicher Überlegung beschloss der Kirchenrat, den Arbeitsvertrag in Bezug auf die Tätigkeit als Organist und verantwortlicher Kirchenmusiker zu kündigen. Nicht betroffen davon war Marco Brandazzas Tätigkeit als Leiter des Kirchenchors, der Choralschola und der Kantoren. Das Anstellungsverhältnis sollte fortgesetzt werden, jedoch auf Basis des neuen Anstellungs- und Besoldungsreglements der Katholischen Kirchgemeinde Zug. Dazu wurde ein neuer Arbeitsvertrag erstellt. Diesen und ein angepasstes Arbeitsangebot hat Marco Brandazza ausgeschlagen, da er nicht auf seine Tätigkeit als Organist verzichten wollte. Somit endete sein Anstellungsverhältnis mit der Katholischen Kirchgemeinde Zug gesamthaft per 31. August 2016.

Aber genau das wird als schlechter Stil und Respektlosigkeit des Kirchenrats gegenüber Gemeinde und Chor und vor allem gegenüber Marco Brandazza kritisiert.

Riedo: Der Kirchenrat hat wie gesagt den Präsidenten und damit den Vorstand des Kirchenchors früh in die Diskussionen um eine Konfliktlösung einbezogen, hat aber eben leider wenig Bereitschaft für eine konstruktive Lösung gespürt. Weiter versuchte man, Kompromisse zu erreichen. Leider zeigte es sich, dass die gemachten Vorschläge nicht mehrheitsfähig waren.

Das müssen Sie genauer ausführen ...

Riedo: Das heisst: Bereits bei der Kündigung von Marco Bran­dazza hat der Kirchenrat dem Kirchenchor und der Choralschola die Unterstützung bei der Suche nach einer zukunftsorientierten Lösung angeboten. Dies auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ein Teil von Vorstand und Chor weitermachen will. Es liegt am Vorstand, den Prozess einzuleiten und die Planung an die Hand zu nehmen.

Halten Sie es im Nachhinein aber nicht für übertrieben und unstatthaft, dass die Gemeindeleitung ad interim eine so drastische und weit reichende Entscheidung getroffen hat? Man hätte ja auch abwarten können, bis der neue Pfarrer da ist?

Riedo: Der Kirchenrat beurteilt die Situa­tion aufgrund geltenden Rechts und bestehender Arbeitsverträge. In diesen Dokumenten sind Rechte und Pflichten klar definiert. Es spielt dabei keine Rolle, wer sich in welchem Verhältnis in der Vorgesetztenfunktion befindet. Sibylle Hardegger ist durch das Bistum als verantwortliche Gemeindeleiterin eingesetzt. Hätte der Kirchenrat die Entscheidung als nicht statthaft eingestuft, hätte er sie nicht gefällt.

Haben Sie nicht die Befürchtung, dass die Entlassung von Marco Brandazza einen Imageschaden in der Gemeinde St. Michael verursacht, sprich: Kirchenaustritte auslöst?

Riedo: Der Kirchenaustritt und die Wahl der Gottesdienstbesuche sind sehr persönliche Themen und werden nach vielfältigen persönlichen Kriterien entschieden. Es liegt nicht am Kirchenrat, diese zu kommentieren oder zu beurteilen.

Man hat den Eindruck, dass die Atmosphäre in St. Michael seit Jahren vergiftet ist. Woran liegt das?

Riedo: In der Tat herrscht in der Pfarrei St. Michael seit Jahren Unruhe. Dies hat, wie meist in solchen Fällen, verschiedene Ursachen. Der Kirchenrat kann und will sich dazu nicht öffentlich äussern.

INTERVIEW: WOLFGANG HOLZ

Kirchenmusiker und Organist Marco Brandazza. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Kirchenmusiker und Organist Marco Brandazza. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Weil Gemeindeleiterin ad interim, Sibylle Hardegger, und Organist Marco Brandazza wegen der Wahl der Gottesdienstmusik aneinandergerieten, wurde dem langjährigen Kirchenmusiker nun gekündigt. (Bilder Stefan Kaiser)

Weil Gemeindeleiterin ad interim, Sibylle Hardegger, und Organist Marco Brandazza wegen der Wahl der Gottesdienstmusik aneinandergerieten, wurde dem langjährigen Kirchenmusiker nun gekündigt. (Bilder Stefan Kaiser)

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