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Streit um Unterschutzstellung der Alpenblick-Siedlung in Cham

Beim Kanton laufen Abklärungen, ob die Alpenblick-Überbauung unter Denkmalschutz gestellt werden soll. Vertreter der Grundeigentümer drohen mit «enormen» Schadenersatzforderungen. Sie haben den Chamer Gemeinderat auf ihrer Seite.
Rahel Hug
Blick vom Wasser her auf die Alpenblick-Siedlung in Cham. (Bild: Stefan Kaiser (25. Juli 2018))

Blick vom Wasser her auf die Alpenblick-Siedlung in Cham. (Bild: Stefan Kaiser (25. Juli 2018))

Die Überbauung Alpenblick in Cham gilt als erste Hochhaussiedlung im Kanton und prägt den Chamer Ortseingang mit ihren zehn markanten Gebäuden. Die vom Architekten Josef Stöckli geplanten Hochhäuser wurden zwischen 1963 und 1968 etappenweise gebaut.

Nun tobt ein Streit um die Unterschutzstellung der Siedlung. Auf der einen Seite stehen die Grundeigentümer des Hauses Alpenblick 8, auf der anderen Seite die kantonale Denkmalpflege.

Das Baugesuch aus dem Jahr 2015 ist sistiert

Der Hintergrund: Die Eigentümerschaft des Gebäudes Alpenblick 8, die Risi Immobilien AG, möchte das Haus abreissen und durch einen Neubau ersetzen. Unter anderem braucht es eine neue Wärme- und Lärmdämmung und das Gebäude muss bezüglich Erdbebensicherheit auf Vordermann gebracht werden. Im Dezember 2015 lag das Baugesuch für das Projekt auf. Was ist seitdem geschehen?

Die Anfrage bei Adrian Risi von der Risi Immobilien AG bringt Licht ins Dunkel. «Das Gesuch ist sistiert», klärt er auf. Grund sind Abklärungen zur Unterschutzstellung. «Weil das Amt für Denkmalpflege die gesamte Überbauung unter Schutz stellen will, liessen wir mehrere Gutachten erstellen», führt Risi aus. Diese würden ein «verheerendes Bild» über die Situation bei den bald 60-jährigen Gebäuden zeigen.

Neben der Erdbebensicherheit gebe es «enorme energetische Probleme», so Risi. «Wir konnten nachweisen, dass die Gebäude reine Energieverschwender sind und das mit der Unterschutzstellung nicht gelöst werden kann.» Zudem seien die Häuser nicht behindertengerecht – auch diesbezüglich könnte gemäss Risi bei einer Unterschutzstellung nicht nachgerüstet werden.

«Die Gutachten, die wir von uns aus machen mussten, hätte eigentlich das Amt erstellen lassen müssen.»

Adrian Risi, Eigentümer

Der Eigentümer ist verärgert. Durch eine Unterschutzstellung würden «enorme Schadenersatzforderungen» auf den Kanton Zug zukommen. «Alleine im Falle des Alpenblick 8 wäre der Kanton Zug mit einer Summe von 5 Millionen Franken konfrontiert.» Man erleide seit fast zwei Jahren einen grossen Schaden, da man die Wohnungen nur zu tiefen Mietansätzen kurzfristig vermieten könne. Die Risi Immobilien AG hat aus diesen Gründen einen Antrag bei der Gesamtregierung gegen eine Unterschutzstellung gestellt. Adrian Risi hofft, dass der Entscheid möglichst schnell gefällt wird.

Er spart nicht mit Kritik am Amt für Denkmalpflege. Dort werde schlecht gearbeitet, sagt er: «Die Gutachten, die wir von uns aus machen mussten, hätte eigentlich das Amt erstellen lassen müssen.» Wenn das Verfahren beendet sei, werde man «sowohl politische als auch wirtschaftliche Massnahmen» lancieren. Ein Abriss des Gebäudes sei nach wie vor geplant – dies auf Basis eines neuen Bebauungsplans.

«Es gehört selbstverständlich zu den Aufgaben des Amtes für Denkmalpflege und Archäologie, die für den Regierungsrat – der in der Sache entscheiden wird – erforderlichen Abklärungen zu treffen.»

Franziska Kaiser, kantonale Denkmalpflegerin

Die kantonale Denkmalpflegerin Franziska Kaiser bestätigt die Abklärungen. «Ein Abbruchgesuch für ein inventarisiertes Haus löst ein Verfahren zur Abklärung der Schutzwürdigkeit aus», erklärt sie. Anders gesagt: Die Alpenblick-Siedlung befindet sich zurzeit im Inventar der schützenswerten Denkmäler und nun wird abgeklärt, ob sie ins Verzeichnis der geschützten Denkmäler aufgenommen werden soll. Wegen des laufenden Verfahrens kann sich Kaiser aber nicht weiter zum Thema äussern. Zu den Vorwürfen der Risi Immobilien AG sagt sie: «Es gehört selbstverständlich zu den Aufgaben des Amtes für Denkmalpflege und Archäologie, die für den Regierungsrat – der in der Sache entscheiden wird – erforderlichen Abklärungen zu treffen. Diese können umfangreich sein und beeinflussen die Länge des Verfahrens.»

Ortsbildschutzzone wäre eine Option

Zur Frage der Unterschutzstellung hat sich auch der Chamer Gemeinderat geäussert. Im laufenden Verfahren hat sich die Exekutive bereits zweimal gegen eine Unterschutzstellung ausgesprochen – zuletzt im vergangenen April. Weshalb, erklärt Erich Staub, Abteilungsleiter Planung und Hochbau: «Der Gemeinderat Cham ist überzeugt, dass die Weiterentwicklung der Gesamtüberbauung im Rahmen eines neuen Bebauungsplanes vertieft und mit verschiedenen Konzepten geprüft werden soll.» Auch die Realisierung einer Ortsbildschutzzone sei eine Option. «Bei der Abwägung Denkmalschutz versus Entwicklung entschied sich der Gemeinderat zu Gunsten der Anforderungen betreffend Behindertengerechtigkeit, Wirtschaftlichkeit, Energie- und Brandschutzanforderungen und Erdbebensicherheit», so Staub.

Nun gilt es also für alle Beteiligten, den Entscheid des Regierungsrates abzuwarten. Falls die Siedlung nicht unter Schutz gestellt wird, gelten weiterhin die heutigen Rechtsgrundlagen, wie Staub erklärt: «Der rechtsgültige Bebauungsplan von 1962 bestimmt den Rahmen. Ein allfällig neuer Bebauungsplan müsste das ordentliche Planungsverfahren durchlaufen.» Laut Staub liegen aktuell bei der Gemeinde keine weiteren Bauanfragen oder -gesuche anderer Eigentümer der Alpenblick-Siedlung vor.

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