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Menschen, die um 1900 geboren sind, waren mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 50 Jahren behaftet, für sie muss der Tod viel gegenwärtiger gewesen sein. Heute beträgt die Lebenserwartung für Frauen 84 Jahre, für Männer 80 Jahre. Viele ältere Mitmenschen sind heute dank den Fortschritten der Medizin am Leben, allerdings mit wenig Reserven an Widerstandskraft.

So verwundert es nicht, wenn die schwach brennende Lebensflamme durch ein Virus ausgelöscht wird. Das Leben ist eine tödliche Krankheit, wir alle können dem Tod nicht entgehen. Altes Leben muss jungem Platz machen.

Ist es ethisch zu verantworten, zu Gunsten einiger weniger Lebensmonate von Menschen in ihrer letzten Lebensphase, oft in schlechter Lebensqualität, jüngeren Menschen zu Beginn oder inmitten ihres Lebens, auch ihrer beruflichen Tätigkeit, den Teppich unter den Füssen wegzuziehen, ihre Existenz zu zerstören, ihnen unermessliches psychisches Leiden zuzuführen. Psychische Qual kann schlimmer sein als der Tod.

Umso fragwürdiger ist dieses Vorgehen angesichts der Tatsache, dass eine Verminderung des Sterbens nur möglich sein wird, falls genügend schnell wirksame Medikamente und/oder eine Impfung zur Verfügung stehen werden. Gelingt dies nicht, werden letztendlich trotz allen einschneidenden Massnahmen gleich viele Menschen am Virus versterben, lediglich über einen längeren Zeitraum verteilt. Dies zum Preis einer weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise mit absehbarem Crash und Geldentwertung.

Heinz Sennrich, 73-jährig, Risikogruppe, Steinhausen