Kommentar

Stresstest für Pendler

Harry Ziegler, Chefredaktor der Zuger Zeitung, zur Streckensperrung am östlichen Zugerseeufer. 

Harry Ziegler,
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Harry Ziegler

Harry Ziegler

Pendeln Sie mit den SBB am Ostufer des Zugersees entlang zur Arbeit nach Zürich, Luzern, Zug? Ja? Dann wird für Sie ab nächstem Montag ziemlich viel ändern. Dann starten die SBB mit dem Ausbau am östlichen Zugerseeufer. Die Bahnstrecke zwischen Arth-Goldau und Oberwil ist gesperrt. Bis zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2020. Immerhin verkehrt die Stadtbahnlinie 2 zwischen Oberwil und Zug. Das allerdings nur bis Mitte April 2020. Dann wird auch diese Verbindung bis zu besagtem 12. Dezember gekappt.

Die Sperre trifft nicht nur SBB-Pendler, sondern auch solche, die die malerische Strecke am Zugersee mit Bus, Motorrad, Velo oder Auto zurücklegen. Die bereits jetzt recht ansehnliche Auslastung zu Stosszeiten dürfte höher werden. Denn zusätzlich werden Busse die bisherigen Zugspendler auch über diese Strasse transportieren. Die SBB, die in die Streckensanierung rund 200 Millionen Franken investieren, verlangen von ihren treuen Fahrgästen also einiges. Für diese wird eine der längsten Streckensperrungen in der Schweizer Bahngeschichte zum Stresstest.

Vor allem, wenn man den Füllgrad der Züge zu Stosszeiten betrachtet, können Bedenken aufkommen. Stehen sich die Pendler in den Ersatzbussen auf den Füssen herum? Verpassen sie Anschlüsse auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen? Denn es werden ja nicht nur Walchwilerinnen und Walchwiler in Ersatzbussen befördert. Auch Pendler aus den Kantonen Schwyz und Uri sind von der Totalsperre betroffen. Sie können aber immerhin die etwas längere Zugfahrt über Rotkreuz wählen. Ganz auszuschliessen ist jedoch nicht, dass bisherige Zugspendler aufs Auto umsteigen. Und ob sie dann im Dezember 2020 auf die Bahn zurückwechseln – wer weiss?