Leserbrief

Strommangel ist die grösste Gefahr für die Schweiz

Zum Leserbrief «Schade, lässt sich der Regierungsrat vereinnahmen», Ausgabe vom 18. Juli

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Ich habe den bemerkenswerten Vortrag von Fürsprecher Renato Tami, Direktor der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom), zur Sicherheit der schweizerischen Stromversorgung in den Winterhalbjahren besucht. Der Referent befasste sich nicht mit dem Pro und Kontra zu Solar- und Windstrom, wie Leserbriefschreiber Victor Zoller meint. Die ElCom und deren Geschäftsführer sehen hingegen mit Sorge unsere Strom-Versorgungssicherheit im Winterhalbjahr massiv gefährdet.

Die Schweiz importiert jeden Winter steigende Strommengen, insbesondere aus Deutschland. Unser Nachbarland wird diese Winterexporte in die Schweiz bald nicht mehr stemmen können, da deren Kernkraftwerke 2022/23 abgestellt werden und auch die Kohlekraftwerke in absehbarer Zeit ausser Dienst genommen werden. Woher soll dann die Schweiz den Strom beziehen? Solar- und Windstrom können diese Lücke im Winter beim besten Willen niemals decken. Auch die Verlagerung von überschüssigem Solarstrom vom Sommer- ins Winterhalbjahr ist mangels der erforderlichen Speicherkapazitäten ein hoffnungsloses Unterfangen.

Zudem weiss niemand, wie der wachsende Strombedarf für die Elektromobilität und Wärmepumpen (zwecks Ersatz von Ölheizungen) gedeckt werden soll. Auch für den in Zukunft geplanten Wegfall des Stromes aus Kernkraftwerken gibt es im Winterhalbjahr keinen Ersatz. Aus all diesen Gründen wird eine lang anhaltende Strommangellage im Winter mit Sicherheit früher oder später eintreten – offen ist allein der Zeitpunkt.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) kam schon vor Jahren zum Schluss, dass eine lang anhaltende Strommangellage die grösste Gefahr für unser Land darstellt, die als «gefährlicher als eine Pandemie» eingestuft werden muss. Die ElCom warnt nun endlich offiziell vor dieser Entwicklung. Es ist verdienstvoll, dass der Zuger Bau- und Energiedirektor, Regierungsrat Florian Weber, diese Angelegenheit ernstnimmt. Es wäre an der Zeit, dass sich auch die nationale Politik verantwortungsbewusst um die drohende Gefahr kümmert.

Leserbriefschreiber Zoller ist herzlich eingeladen, sich in die bestehende Problematik einzuarbeiten anlässlich unserer kommenden Veranstaltung am 11. November.

Rudolf Balsiger, Präsident der Aktion für vernünftige Energiepolitik Schweiz (Aves) Zug, Oberwil