Stromproduktion
Rotkreuz ist für die SBB auch mit Blick auf den Bahnstrom ein wichtiger Standort

Seit der Wiedereröffnung der Bahnstrecke von Zug nach Arth-Goldau sind die Zugbewegungen in Rotkreuz zurückgegangen. Doch neben dem Lösch- und Rettungszug ist die Ennetseegemeinde auch in Sachen Bahnstrom für die SBB wichtig.

Marco Morosoli
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Blick auf die Stromleitungen, die über die Geleise kurz vor dem Bahnhof Rotkreuz führen.

Blick auf die Stromleitungen, die über die Geleise kurz vor dem Bahnhof Rotkreuz führen.

Bild: Stefan Kaiser (1. April 2021)

Im März 2021 waren die SBB am Zugersee Ostufer noch mit dem Feinschliff beschäftigt. Wenn aufmerksame Pendler, Wanderer und Gernbahnfahrer in nächster Zeit in Oberwil bei Zug SBB-Mitarbeiter rund um die Bahnanlage sehen, hat dies nichts mit einer neuerlichen Streckensanierung zu tun. Vielmehr bauen die SBB rund 1,5 Kilometer südlich der Haltestelle Zug-Oberwil eine neue Technik-Kabine. In Rotkreuz befindet sich im Ostteil des Bahnhofs auf der Seite der Überbauung Suurstoffi ein SBB-Unterwerk. Dieses ist mit dem Unterwerk Steinen (SZ) verbunden. Beim SBB-Fahrstrom handelt es sich um einphasigen Wechselstrom von 15 Kilovolt-Spannung und einer Frequenz von 16,7 Hertz. Die SBB betreiben in der Schweiz 13 Wasserkraftwerke (company.sbb.ch). Deren Energie speist die Staatsbahn mittels einem 1800 Kilometer langen Stromnetz ein. Vorher muss der Strom jedoch auf die Bedürfnisse für den Fahrbetrieb umgewandelt werden. Solche Unterwerke wie in Rotkreuz und Steinen an der Gotthard-Strecke gibt es auf dem SBB-Netz deren 70. Wie viel Geld die SBB in die Hand nehmen müssen, um diese Arbeiten zu erledigen, konnte bis dato bei der Staatsbahn niemand benennen. Ein Sprecher liess das Folgende verlauten:

«Eine präzise Kostenschätzung wird nach dem jetzigen Stand voraussichtlich bis im Herbst 2021 vorliegen.»

Für die Umsetzung der geplanten Arbeiten nennt das Auflagepapier auch die Möglichkeit von Enteignungen. Ob dieses Mittel jedoch notwendig sei, könne aktuell noch nicht gesagt werden, fügte der SBB-Sprecher auch an: «Grundsätzlich müssen keine Flächen enteignet werden. Da wir aber noch keine Einigung mit einem privaten Landbesitzer erzielen konnten, musste das Dossier, wie in solchen Fällen üblich, mit Enteignung eingereicht werden.»

Ein Signal macht eine andere Fahrordnung notwendig

Auch im Bahnhof Zug hat sich seit dem zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2020 etwas geändert. Die Züge in Richtung Süden fahren jetzt auf dem Gleis 3. Derweil die Züge aus dem Tessin auf Gleis 2 einfahren. Lange Jahre war es genau umgekehrt. Denn die SBB fahren historisch bedingt links. Das heisst, dass die Signale jeweils ebenfalls auf dieser Seite stehen. Wie so vieles kommt diese Fahrordnung aus Grossbritannien, von wo die Eisenbahn im 19. Jahrhundert ihren Siegeszug startete. Dort seien die Kutschen mit der linken Hand gesteuert worden. Dass die Fahrordnung mitunter eine komplizierte Sache sein kann, zeigt ein Blick auf die Wikipedia-Seite zu diesem Problem. In Bezug auf den Bahnhof Zug ist dieser Wechsel einem Signal geschuldet, wie der SBB-Sprecher Olivier Dischoe erklärt: «Dies ist den unterschiedlichen Perron-Nutzlängen in südlicher Fahrtrichtung geschuldet: Das Ausfahrsignal in Gleis 2 ist nicht auf derselben Höhe wie in Gleis 3, wo es weiter südlich angebracht ist.» Diese Fahrordnung bleibe, wie Dischoe weiter erklärt, bis zum nächsten Fahrplanwechsel erhalten. Das südliche Ausfahrsignal schieben die SBB dann etwas südwärts, damit die neuen SBB-Paradepferde für den Nord-Süd-Verkehr mit dem Namen «Giruno» dann auch südwärts in Doppeltraktion auf dem richtigen Gleis einfahren. Die von Stadler gebauten Züge sind 202 Meter lang. Die Neigezüge aus dem Hause Bombardier hingegen messen über Puffer 188,8 Meter. Was 22 Meter ausmachen können.

Die direkten Züge nach und von Locarno sind wieder da

Derweil ist zudem noch festzuhalten, dass das Links-/Rechts-Schema in der Schweiz stark aufgeweicht ist. Vielerorts ist Gleiswechselbetrieb immer eine Option. So beginnen die Triebzüge von Zug aus übers Säuliamt und weiter nach Pfäffikon ihre Fahrt immer auf dem falschen Gleis.

Seit Montag, 5. April, gibt es in Bezug auf den Fahrplan eine Neuerung, die es lange Jahre schon gegeben hat: Die Traverso-Triebzüge fahren jetzt wieder nach Locarno statt wie bisher nach Bellinzona. Es fällt auch der 20-minütige Systemhalt in Airolo dahin. Im Zweistundentakt (ab 6.30 Uhr) können so Zuger wieder ohne Umsteigen nach Locarno fahren. Andernfalls muss nur in Arth-Goldau umgestiegen werden.

Die Gleisbelegung wurde per Fahrplanwechsel im Dezember 2020 temporär angepasst, da nun Giruno-Züge in Doppeltraktion verkehren (und in Gleis 2 in südlicher Fahrtrichtung nicht genug Platz fänden). Geplant ist, das Ausfahrsignal in Gleis 2 Richtung Süden zu verschieben. Nach jetzigem Planungsstand wird die Gleisbelegung dann voraussichtlich gegen Ende Jahr wieder (zurück-)wechseln.