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STURMSCHÄDEN: Wie ein Mikadospiel im Wald

Sturm Burglind war schnell vorbei, doch das Sturmholz wird die Zuger Waldbesitzer noch lange beschäftigen. Die Förster der Korporation sind täglich im Einsatz, denn die Schäden sind grossflächig verteilt.
Christopher Gilb
Die Förster vom Revier Berg der Korporation Zug haben wegen des Sturmholzes viel zu tun, auch im Gebiet Hünggigütschsätteli (im Bild). (Bilder: Jakob Ineichen (Zug, 18. Januar 2018))

Die Förster vom Revier Berg der Korporation Zug haben wegen des Sturmholzes viel zu tun, auch im Gebiet Hünggigütschsätteli (im Bild). (Bilder: Jakob Ineichen (Zug, 18. Januar 2018))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

«Der Mehraufwand ist gewaltig», sagt Clemens Weiss, Förster Revier Berg der Korporation Zug, die eine Waldfläche von 1000 Hektaren in den Kantonen Zug und Luzern bewirtschaftet. Rund ein Viertel des geplanten Holzeinschlags der Saison habe Burglind bereits gefällt. «Unsere Jahresplanung ist komplett durch­einandergeraten», so Weiss. In Zahlen hat Burglind zirka 12500 Kubikmeter Holz im Kanton Zug geworfen. Das ist etwa zehnmal weniger als beim letzten grossen Orkan Lothar Ende der 90er-Jahre, aber doch einiges.

Auch wenn die Menge geworfenes Holz einem Schlag entspreche, bedeute sie im Vergleich viel mehr Aufwand, sagt Weiss: «Wenn wir einen normalen Schlag machen, geschieht dies konzen­triert auf einzelnen Flächen. Der Sturm hat aber über den ganzen Kanton verteilt Einzelbäume und Baumgruppen entwurzelt oder umgeknickt.» Solches Sturmholz setzt sich aus umgeworfenen Bäumen, durch den Sturm sichtbar beschädigte Bäume und Bäume mit nicht ersichtlicher Schädigung ­zusammen. Letztere haben beispielsweise einen Wurzelriss, der zu Vitalitätsverlusten führen kann. Das Sturmholz beschäftigt die Förster im Kanton seit Anfang Januar, als Burglind sich austobte. «Erste Priorität war, Strassen und Wege freizuräumen. Bis auf einige entfernte Waldwege, die aber derzeit nicht genutzt werden, ist das jetzt geschafft.» Trotzdem, sagt Weiss, sollte man es vorerst eher vermeiden, in den Wald zu gehen. Äste und Kronenteile, die noch in der Luft hängen, könnten unvermittelt zu Boden donnern, und nicht zuletzt stünde das am Boden liegende Holz teilweise unter Spannung, was sehr gefährlich sei.

Dazu kommt, dass es wieder gestürmt hat. Am Dienstag etwa mussten Weiss und sein Team die Arbeiten abbrechen, da tobte sich Sturm Evi aus. «Es hat dann gleich erneut einige Bäume umgelassen», sagt Weiss.

Grosse Vorsicht bei Sturmholz angebracht

Am Mittwoch letzter Woche sind Weiss und sein Team gerade im Gebiet Hünggigütschsätteli oberhalb des Werkhofs Vordergeissboden im Einsatz. Sie nehmen sich dort unter anderem zweier Bäume an. Beide sind umgeknickt, der eine liegt auf dem anderen. «Das Gute im Kanton Zug ist in diesem Fall, dass es nicht so viele kleine Waldbesitzer gibt», so Weiss. Denn in Kantonen mit vielen Kleinen sei es schwierig, effizient flächendeckende Aufräumarbeiten durchzuführen. Der 43-jährige René Amstad geht mit seiner Säge zum oberen der zwei Bäume und sägt diesen in der Nähe der Wurzel ab. «In solchen Fällen arbeitet man sich von oben nach unten vor, dann ist die Gefahr, dass ein Baum auf einen fällt, kleiner», erklärt Weiss. Doch die grosse Spannung in den Bäumen sei riskant: Da sich das Sägeblatt einklemmen könne, ergänzt er. Nachdem der Baum abgesägt ist, rückt der ebenfalls 43-jährige Wendelin Hürlimann im Forstschlepper an und zieht den Baum aus dem Wald. «Dank grossen Waldgebieten können wir uns die entsprechenden Maschinen leisten, was auch unsere Sicherheit erhöht», so Weiss. Solche hätten kleinere Waldbesitzer oft nicht. Gerade bei Sturmholz sollte man sich deshalb lieber professionelle Hilfe holen. Bei den Aufräumarbeiten von Lothar seien viele Laien verunfallt. «Sturmholz zu entfernen, ist wie ein Mikadospiel im Wald.»

Lehrling Adrian Binggeli macht sich nun mit der Säge am Baum zu schaffen, um alle Äste zu entfernen. Aber nicht zu allen Bäumen kommt der Forstschlepper hin. Dazu hat das Team der Korporation ein kleines ferngesteuertes Fahrzeug zur Verfügung, mit dem es die Stämme auch aus unzugänglichen Gebieten ziehen kann.

Der Schnee bereitet Schwierigkeiten

Wichtig sei es jetzt, eine Borkenkäfer-Massenvermehrung zu verhindern, sagt Weiss. Prioritär müssten deshalb kaputte und ­geschwächte Nadelbäume, auf denen potenzielle Käfernester gebildet werden könnten, aufgerüstet werden. Und Weiss ist es wichtig, auf die Absperrungen beim Holzschlag hinzuweisen. «Wir erleben es leider immer wieder, dass diese von Passanten ignoriert werden, aber sie sind eben nicht grundlos dort, sondern dienen dem Schutz.»

Und was wird aus den nun aufgerüsteten Bäumen? «Was sich nicht mehr für die Sägereien eignet, weil es zu beschädigt ist, wird als Brennholz verwendet», erklärt Weiss. Und dies sei beim Sturmholz häufig der Fall. Den Verlust dabei müssten die privaten Waldbesitzer selbst tragen.

Lange werden Weiss und sein Team im Gebiet Zugerberg nicht mehr im Einsatz sein können. Es hat schon geschneit, und der Schnee soll mehr werden. «Die Arbeiten bei Schnee sind zu gefährlich, wir haben noch ein zweites Gebiet im Ennetsee. Bei Schnee arbeiten wir dort weiter und kommen im März fürs restliche Sturmholz hierher zurück.»

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