Kolumne

Surreale Gegenwart

Susanne Zehnder (55) ist Programmleiterin der Rathus-Schüür in Baar und beschreibt, wie sich die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus auf ihren Alltag auswirken.

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Susanne Zehnder (55), Programmleiterin Rathus-Schüür, Baar

Susanne Zehnder (55), Programmleiterin Rathus-Schüür, Baar

Bild: PD

Schon frühzeitig war mir klar, dass wegen der Coronapandemie keine grösseren Veranstaltungen mehr durchgeführt werden könnten, und die Vorstellungen der Rathus-Schüür wohl ausfallen würden. Grosse Sorge machte mir, dass ein grösserer Teil des Stammpublikums zur besonders gefährdeten Personengruppe gehört. Das Kleintheaterpublikum ist allgemein im Schnitt etwas älter. Darum hätte ich mir am Anfang der Krise, obwohl ich das Vorgehen des Bundesrates ansonsten sehr gut finde, ein etwas schnelleres Handeln des BAG gewünscht. Als wir die Veranstaltungen absagen mussten, fielen für mich dieselben Arbeiten an wie auch bei anderen Kulturbetrieben. Alle intern beteiligten Stellen wie die Technik, die Restauration oder der Vorverkauf waren zu informieren, und die Termine der Künstlerinnen und Künstler mussten verschoben werden.

Meinen Arbeitsplatz betreffend, ergab sich für mich durch die Coronakrise keine einschneidende Änderung, da ich ohnehin meist zu Hause arbeite. Mein Alltag hat sich nicht stark verändert, die Arbeit geht mir nicht aus. Durch den Ausfall der Vorstellungen hat sich für mich ein Zeitfenster für aufwendigere Arbeiten ergeben, etwa die Planung des 40-Jahr-Jubiläums der Rathus-Schüür im kommenden Jahr.

Dass der Kulturbetrieb wieder normal aufgenommen werden kann, wenn die Krise abgeflacht ist, glaube ich allerdings nicht. Zumindest nicht, solange es keinen Impfstoff gibt. Meine Sorge ist, dass die Massnahmen des Bundes gelockert werden, bevor eine Theaterveranstaltung möglichst risikofrei durchgeführt werden kann.

Grundsätzlich hat sich bei mir das Alltagsleben etwas «entschleunigt», was ich geniesse. Meine Tochter, welche die Kanti besucht, liebt den Unterricht zu Hause. Zwischendurch mache ich gerne gemeinsam mit ihr und den Hunden einen Spaziergang im Wald. Und trotz dieser scheinbaren Normalität kommt mir die Gegenwart irgendwie surreal vor. Ferien ohne Einschränkungen werden mir auf jeden Fall fehlen.

Aufgezeichnet von: Andreas Faessler

In dieser Kolumne beschreiben Zugerinnen und Zuger, wie sich die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus auf ihren Alltag auswirken.