«Welcome» auf dem Bauernhof in Steinhausen

Zum ersten Mal gibt es auch in der Schweiz den «Tag der offenen Hoftüren». Der Iten-Hof in Steinhausen zeigte am Sonntag die idyllischen, aber auch die schwierigen Seiten des Bauernlebens.

Dorotea Bitterli
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Vreny Nicolini und Markus Iten mit dem Oldtimer-Traktor, der Jahrgang 1952 hat. (Bild: Patrick Hürlimann, Steinhausen, 31. Mai 2019)

Vreny Nicolini und Markus Iten mit dem Oldtimer-Traktor, der Jahrgang 1952 hat. (Bild: Patrick Hürlimann, Steinhausen, 31. Mai 2019)

Bauer und Bäuerin sind «spezielle» Berufe geworden und urban Aufgewachsenen oft kein Begriff mehr. Wie das Leben auf dem Bauernhof konkret aussieht, wie Früchte und Gemüse angepflanzt und Tiere aufgezogen werden, und was die Bauernfamilien täglich beschäftigt, diesen Fragen widmete sich der «Tag der offenen Hoftüren». Er wurde vom Schweizerischen Bauernverband organisiert und von schweizweit rund 150 Betrieben durchgeführt. Im Kanton Zug lud auch der Iten-Hof in Steinhausen Jung und Alt zu hautnaher Besichtigung.

«Chumm, ich zeig dir, wo d’Chüe sind»,

sagt Klein-Emmeli und führt die Journalistin zum grossen Auslaufstall, in den sich eine Herde Mutterkühe mit ihren Kälbern und einem mächtigen Stier vor der Hitze zurückgezogen haben. Hinter dem Stall stehen unter einem riesigen Mammutbaum ein paar Plastiktunnels, in denen Gemüse wächst. «Mein besonderer Stolz sind die 150 Tomatensorten, die ich selber ziehe und die bei unseren Kunden sehr beliebt sind», erklärt Emmelis Grossmutter, die Hofbäuerin Vreny Nicolini. Seit 25 Jahren führt sie an der Seite von Markus Iten den Kleinbetrieb, zu dem auch eine grosse Obstwiese mit etwa 280 Kirschen-, Äpfel-, Birnen-, Pflaumen- und Zwetschgenbäumen gehört.

Viele Lebensräume auf wenig Platz

Hinter dem Haus wachsen zwischen zierlichen Buchsbaumkugeln unzählige Beerensträucher, und Heidelbeerbüsche voll reifender Früchte beeindrucken mit einem Alter von 45 Jahren und einer Grösse von mehr als Mannshöhe. 40 Hühner und 26 «Bibeli» leben in einem umzäunten Garten beschattet von Nussbaum, Holunder, Brombeerranken und Schwertlilien. Es riecht nach Heu. Es ist idyllisch.

«Ich kenne Vreny nun fast schon 50 Jahre», erzählt Carmen Jäggi aus Rotkreuz. Sie steht in einer Remise und bedient die eintreffenden Gäste mit Speis und Trank.

«Ich bin immer dabei, wenn sie mich braucht, komme als Erntehelferin oder wenn sonst eine Hand gebraucht wird.»

Sie schildert, wie ihre Freundin nicht als Bäuerin aufgewachsen ist, sich aber auf diesen Beruf mit grossem Engagement eingelassen habe.

Der Iten-Hof ist klein, aber reich an Lebensräumen, die so vernetzt sind, dass er auch den Igeln gefällt und Schwalben im Stall Nistplatz bietet. Markus Iten weist stolz darauf hin. Er steht neben seinen alten Traktoren, die teilweise wahre Oldtimer sind, erklärt die verschiedenen Landwirtschaftsmaschinen und wie die Mutterkuh-Haltung seiner Limousin-Rinder funktioniert. Seine Augen leuchten, man spürt die lebenslange Freude am einfachen Leben mit Tieren, Pflanzen und Boden. Als das Gespräch unweigerlich auf Lebensmittelpreise, Euro-Konkurrenz, Landverschleiss und Bauernpolitik umschwenkt, erscheint hinter dem Strahlen das Nachdenken über das gewählte Leben, das die eigenen Kinder nicht mehr anstreben – viel Arbeit, wenig Lohn und kaum Freizeit. Es ist gut, wenn der Beruf, der die Grundversorgung der Gesellschaft zu gewährleisten und die Landschaft wesentlich mit zu schützen hat, an diesem besonderen Tag viel Aufmerksamkeit bekommt.

Weitere Infos zum «Tag der offenen Hoftüren»: www.offene-hoftueren.ch und www.iten-hof.ch