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TALENT: Harmonie von Kopf bis Fuss

Der junge Baarer Musiker Jonas Inglin hat für seinen Bachelorabschluss an der Hochschule Luzern einen Preis gewonnen. Zur Bassposaune gekommen ist er aber über Umwege.
Carmen Rogenmoser
Bachelor-Absolvent Jonas Inglin mit seiner Bassposaune. (Bild: Maria Schmid (Zug, 19. September 2017))

Bachelor-Absolvent Jonas Inglin mit seiner Bassposaune. (Bild: Maria Schmid (Zug, 19. September 2017))

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Jonas Inglin studiert an der Hochschule Luzern Musik, klassische Musik, und er spielt Bassposaune. Eben hat er seinen Bachelorabschluss erhalten. Doch nicht nur das. Der 23-Jährige gewann zudem den Strebi-Gedenkpreis der Stiftung Maria und Walter Strebi-Erni. Ein mit 2000 Franken dotierter Preis, der an die drei besten Bachelorabschlüsse geht. ­Die Preisträger werden aufgrund ihrer Prüfungsergebnisse und ihrer herausragenden musikalischen Engagements bestimmt. Was für ein Mensch mag das sein?

Und dann sitzt er da. Elegant gekleidet, der moderne Haarschnitt ist auf den Punkt frisiert und der dunkle Schnurrbart akkurat gezwirbelt. Jonas Inglin lächelt freundlich, offen und erzählt: «Ich hatte in allen Bereichen, also im Vorspielen und in der Theorie, relativ gute Noten, was mich aber besonders freut, ist, dass mein breit gefächertes Engagement gewürdigt wurde.» Der Posaunist studiert zwar klassische Musik, ist aber auch im Jazz-Bereich aktiv. Er nimmt an Workshops teil und tritt mit Jazz-Formationen und mit einer Big Band auf. «Dafür kann ich mir im Studium zwar keine Punkte anrechnen lassen, aber es ist mir wichtig, flexibel zu sein», erklärt er. Damit mache er nun auch im Studium weiter. Für den Master wählte er Musikpädagogik, im Nebenfach kommt Jazz-Performance dazu. «Zum ersten Mal werde ich dann auch in Improvisation unterrichtet.»

Begeistert und voller Leidenschaft berichtet Inglin von seinem Instrument, auf die Posaune gekommen sei er aber eher zufällig. Seine Musikkarriere begann wie bei so vielen mit einigen Tönen auf der Blockflöte. Dann lernte er Klavier und wollte dazu gerne ein Blasinstrument kombinieren. «Gerne hätte ich Trompete gespielt, mein Vater meinte aber, ich hätte zu grosse Lippen», bei der Erinnerung muss Inglin lachen. Schliesslich hat er sich für die Tenorposaune entschieden. «Erst im ersten Studienjahr habe ich dann auf die Bassposaune gewechselt.» Dazu kam es, weil er mit der üblicheren Tenorposaune technisch nicht weitergekommen sei. Sein Lehrer habe ihm den Wechsel auf die Bassposaune vorgeschlagen. «Es hat von Anfang an gepasst, und ich kam sofort ­einen Schritt weiter.»

Von «roher Gewalt» und «riesigem Klang»

Er spiele sein Instrument sehr gerne. «Es gibt zwar fast keinen Bereich in der Musik, wo die Posaune zwingend ist, sie stört aber auch nirgends.» Unterschätzt werden sollte das Blechblasins­trument aber nicht. «Die Bassposaune ist das zweitlauteste Instrument im Orchester – nach dem Piccolo.» Ihn fasziniere vor allem die «rohe Gewalt», aber auch der «riesige Klang» des Instruments. «Beides liegt nahe beieinander, der Kontrast, der mich fasziniert, ist eben auch die weiche Seite des Klanges, das Gefühlvolle, Gesangliche. Die Posaune hat eine gewisse Brillanz», sinniert er. Berufen zum Musiker fühlt Inglin sich aber nicht. «Ein Musikstudium war zwar früh ein Thema, aber es war nicht so, dass ich das Gefühl hatte, dass es für mich nichts anderes gibt. Viel eher dachte ich, dass ich es ausprobieren muss, weil ich es sonst vielleicht bereue.» Auch fiel die Wahl auf das Studium im Bereich Klassik eher pragmatisch. «Ich hatte vor dem Studium keinen Posaunenunterricht in Jazz, deswegen war es naheliegend, mit Klassik anzufangen.» Heute fühle er sich in beiden Sparten wohl, in keiner aber ganz zu Hause. «Das ist eigentlich gar kein Nachteil.»

Während der Rekrutenschule in der Militärmusik absolvierte er an der Hochschule Luzern bereits ein Vorstudium. Nach drei Jahren hat er nun das Bachelorstudium erfolgreich abgeschlossen. Ganz ohne Mühe ging das nicht. «Vielen Musikstudenten geht es da gleich: Man fängt mit etwas an, das ein Hobby ist und dann zum Beruf wird.» Konkret heisst das: Jeden Tag muss während mehrerer Stunden geübt werden, alleine, im Unterricht oder im Orchester. «Einen Tag Pause pro Woche liegt ab und zu auch mal drin, bei mehr wird’s dann schon schwierig.»

Der Preis gibt Selbstvertrauen

Der Strebi-Gedenkpreis bedeute ihm viel, sagt Jonas Inglin. «Ich war sehr überrascht und habe nicht damit gerechnet. Es bestätigt einen in dem, was man macht.» Einen wie ihn, der sich selber noch nicht ganz so in der Rolle des Musikers sieht, ganz besonders. «Der Preis hat mich gepusht», gibt er zu. Nun überlege er, an weiteren Bläserwettbewerben teilzunehmen und Vorspiele zu absolvieren, an die er sich vorher noch nicht getraut hätte. Doch bereits während der Prüfungen habe er gemerkt, dass es gut läuft. Es sei nicht immer einfach, sein Können genau zum richtigen Zeitpunkt abzurufen. Da aber sei es ihm gelungen. «Ich habe vielleicht so schön gespielt wie noch nie zuvor», freut er sich. Das gibt Selbstvertrauen. Dieses habe er auch während des Studiums aufbauen können.

Genauso hat sich seine Erscheinung entwickelt: «Meiner Einschätzung nach ist es gerade für einen Musiker wichtig, optisch in Erinnerung zu bleiben.» Bei einem Konzert etwa höre das Publikum ja nicht nur zu, sondern beobachte die Musiker auch. «Neben dem Visuellen und dem Auditiven gibt es auch noch eine dritte Ebene, das Energie-Level», erklärt der junge Baarer. «Vor allem bei freier Improvisation beobachten einen die Besucher und nehmen die Energie auf.» Das sei ihm ganz wichtig. Damit beweist Jonas Inglin, dass er eben doch durch und durch ein Musiker geworden ist.

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