TANKSTELLE: Zuger Anbieter abserviert

Seit Jahren beliefern ein Metzger und ein Landwirt aus der Region einen Migrolino-Shop. Nun dürfen sie ihre Waren nicht mehr verkaufen. Kunden protestieren.

Wolfgang Holz
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Frisches Fleisch aus Zug bei Migrolino nicht mehr erwünscht: Metzger Köbi Zemp bei Limacher. (Bild Stefan Kaiser)

Frisches Fleisch aus Zug bei Migrolino nicht mehr erwünscht: Metzger Köbi Zemp bei Limacher. (Bild Stefan Kaiser)

«Verkaufen Sie denn kein Fleisch mehr von Limacher in ihrem Shop?», fragt ein Kunde letzten Sonntag verwundert das Personal in der Zuger Migrolino-Tankstelle in der Chollermühle. Die Tankstellenangestellte scheint auf die Frage vorbereitet und erwidert: «Sie sind nicht der Erste, der diesbezüglich nachfragt. Wenn Sie wollen, schicken Sie doch ein E-Mail direkt an die Migros. Vielleicht lässt sich das dann ja wieder rückgängig machen.» Sagts und händigt dem enttäuschten Kunden prompt einen Zettel mit der entsprechenden Adresse darauf aus. Seit Jahren bietet die Shell-Tankstelle mit dem Migrolino-Shop an der Chollermühle dort das Fleisch des Hünenberger Metzgers an. Nur aus diesem Grund besucht besagter Kunde den Shop.

Aus der Region, für die Region?

Fragt man bei dem betroffenen Metzgermeister aus Hünenberg nach, bestätigt dieser, dass «Migrolino seit dem ersten Januar verfügt hat, dass wir unsere Lebensmittel dort nicht mehr verkaufen dürfen». Mit «wir» spricht Limacher auch noch das Eier- und Milchprodukteangebot an, das ebenfalls von Zugern geliefert worden sei. «Ich bin mit meinem Fleisch schon 15 bis 20 Jahre im Angebot der Tankstelle in der Chollermühle», berichtet Limacher. Dabei sei er in der Vergangenheit schon einmal hinausspediert, dann aber aufgrund von Kundenprotesten wieder ins Sortiment aufgenommen worden. «Denen geht es nur ums Geld», steht für ihn fest. Wobei er die restriktive Verkaufspolitik von Migrolino, der Migros-Tochter, nicht verstehen kann: «Migros wirbt doch gerade immer wieder mit dem Slogan ‹Aus der Region. Für die Region›». Für ihn selbst bedeute dieser Verkaufsverlust die Stelle eines Angestellten. «Absolut fies ist, dass Migrolino von uns kurz zuvor noch x Daten vom Metzgerverband verlangt hat. Und nun das.»

Auch Hans Iten vom Letzi-Hof in Zug schimpft und reagiert mit Unverständnis auf die Entscheidung von Migrolino. «Wir verkaufen seit Jahren unsere Milch und unsere Eier in der Tankstelle. Diese war ein guter Kunde von uns, und die Kunden dort haben unsere Produkte gerne gekauft.» Jürg Nussbaumer von der gleichnamigen Zuger Bäckerei, der bis jetzt Sandwiches in die Chollermühle und an zwei weitere Migrolino-Standorte liefert, muss bangen, dass er im Sortiment bleiben kann. «Dabei sind unsere Sandwiches sehr beliebt, gerade weil sie so frisch sind. Kein Wunder: Sie werden ja nur 300 Meter Luftlinie entfernt hergerichtet.»

Nur noch Fleisch von Micarna

Bei Migrolino scheint man sich indes herausreden zu wollen. «Unser Entscheid, die autonomen Artikel in den Migrolino-Shops stärker zu kontrollieren und gemäss eindeutigen Kriterien einzugrenzen, ist kein Entscheid gegen die betroffenen regionalen Lieferanten», beteuert Marie-Louise Baumann, persönliche Mitarbeiterin des Unternehmensleiters der Migrolino AG. Es gehe um die Produkthaftung und damit um die Kontrolle über jeden einzelnen regionalen Artikel in den Migrolino-Shops. «Es gilt für uns, die strengen Richtlinien der Migros einzufordern und bei jedem einzelnen Produkt und Lieferanten zu kontrollieren.» Bezüglich Fleisch spreche man von strengen Kriterien hinsichtlich Aufzucht, Tierwohl, Schlachtung und Vollverwertung. Diverse Anforderungen an die Nachhaltigkeit der Produktion, der Hygiene im Produktionsprozess und der Rückverfolgbarkeit im Handel seien zu erfüllen und nachweislich zu dokumentieren. Baumann: «Aufgrund dieser grossen Verantwortung beziehen wir inskünftig sämtliche Fleischprodukte vom Migros-Betrieb Micarna.»