Kolumne

Tasche sitzt, Mensch steht

«Seitenblick» von Redaktorin Rahel Hug über Erlebnisse beim Pendeln im Zug. 

Rahel Hug
Drucken
Teilen
Rahel Hug (Bild: Stefan Kaiser)

Rahel Hug (Bild: Stefan Kaiser)

Über das Pendeln auf dem Schweizer Schienennetz wurden wohl schon Tausende Kolumnen geschrieben. Dies, weil man beim Zugfahren einfach immer wieder Lustiges, Kurioses und bisweilen auch Ärgerliches erlebt. Hier folgt nun also die gefühlt 1001. Kolumne zum Thema.

Neulich beim Zmittag haben wir über die geplante Preiserhöhung des Generalabonnements und allgemein über die Ticketpreise im ÖV diskutiert. Thema waren auch die Billette für Hunde. Wer mit seinem geliebten Vierbeiner einen Ausflug mit der Bahn unternimmt, muss für das Tier den halben Preis für die zweite Klasse bezahlen. Die Ausnahme bilden kleine Hunde bis 30 Zentimeter Schulterhöhe. Eine Hunde-Tageskarte kostet 35 Franken, das Hunde-GA 805 Franken. Ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass der treue Begleiter nicht einmal einen Sitzplatz beanspruchen darf.

Dies im Gegensatz zu Taschen und Rucksäcken, die von ihren Besitzern häufig auf dem Sitz direkt neben sich platziert werden. Und auch dann nicht weggenommen werden, wenn der Wagen proppenvoll ist. Ein Gratis-Platz zur Stosszeit quasi. Tasche sitzt, Mensch steht. Irgendwie verkehrt. Wenn ich es mir recht überlege, hätte doch ein Hund eher das Recht, auf einem gepolsterten Sitz Platz zu nehmen, als es das ein Gepäckstück hat. Angesichts der stolzen Preise müsste die SBB sogar, analog zum Familienwagen, einen Hundewagen einrichten. Oder eine Billettpflicht für Gepäckstücke einführen. Zugegeben, diese Idee würde wohl bei niemandem gut ankommen.

Etwas gar harsch hat kürzlich ein Herr auf der Strecke Zug-Luzern reagiert. Er hat die Tasche einer Frau mit energischem Griff gepackt, auf das Tischchen beim Fenster gehievt und dabei laut gewettert, dass hier wohl auch noch ein Plätzchen frei sei. Der zahlende Bahnkunde soll sich zu seinem Recht verhelfen, schon klar. Auch ich finde es mühsam, wenn Pendler, bevor sie einen Powernap nehmen oder in ihrem Smartphone-Display versinken, ihre Tasche neben sich platzieren und dann nicht mehr ansprechbar sind.

Trotzdem fand ich die Reaktion des Mannes übertrieben. Denn in den meisten Fällen kann man das Problem lösen, indem man einfach nett fragt. Wenn mich jemand freundlich anspricht, mache ich jedenfalls gerne Platz – falls nötig auch für einen überdimensionierten Koffer, in dem mindestens drei Hunde Platz hätten.