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Wilhelm Tell für einmal kritisch-witzig erzählt

Walter Sigi Arnold liest im Burgbachkeller in Zug aus Max Frischs «Wilhelm Tell für die Schule». In seinem Urner Dialekt streut er bissige Bemerkungen ein.
Martin Mühlebach
Walter Sigi Arnold und Beat Föllmi (von links) sorgen für Lacher und regen zum Nachdenken an. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 10. April 2019)

Walter Sigi Arnold und Beat Föllmi (von links) sorgen für Lacher und regen zum Nachdenken an. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 10. April 2019)

Der Burgbachkeller in Zug ist am Mittwochabend rappelvoll, als Walter Sigi Arnold und Beat Föllmi unter dem tosenden Applaus des Publikums die Bühne betreten. Unter dem Titel «Frisch’s Tell – wie es wirklich war» und der Regie von Peter Fischli liest der versierte Geschichtenerzähler Arnold aus dem von Max Frisch geschriebenen Buch «Wilhelm Tell für die Schule».

Es ist die Premiere, in der Walter Sigi Arnold zwischendurch als Kenner der Geschichte und der Gegend in die Gestalt eines Urners schlüpft. In seinem unnachahmlichen, waschechten Urner Dialekt streut er immer wieder kritisch-witzige Bemerkungen, Kommentare und Ergänzungen zum Geschehen ein. Damit gelingt es ihm hervorragend, eine Verbindung zum aktuellen Zeitgeschehen herzustellen. Der Musiker Beat Föllmi, der eine nostalgisch anmutende Anlage mit ausgefallenen Instrumenten, Klangobjekten und Gegenständen aufgebaut hat, steuert eine Live-Tonspur zu den verschiedenen Szenen und Spielorten bei. Das Publikum ist fasziniert.

Fragen über Fragen

Die Geschichte, die Walter Sigi Arnold und Beat Föllmi in Anlehnung an die 1970 von Max Frisch geschriebene grossartige Satire erzählen, stellt das gängige Bild der Schweizer Gründungsgeschichte gehörig in Frage. War Tell, wenn es ihn wirklich gab, ein Held oder – aus heutiger Sicht – ein Revolutionär oder Terrorist? Wollten die Habsburger nicht Gnade vor Recht walten und Tell freilassen? Wurde der Urner Senn mit der Armbrust und seinem Sohn Walterli an der Hand zum Apfelschuss gezwungen, oder wollte er sich als Held aufspielen? War Tell überhaupt auf dem Schiff der Habsburger, als es in Seenot geriet, oder schlich er sich heimlich nach Küssnacht in die Hohle Gasse, um Gessler meuchlings zu ermorden? Diese und andere Fragen zum «National-Gefühl» und zu den «Mythen» zur Identitätsstiftung der Schweiz werden von Arnold und Föllmi kritisch und witzig zugleich unter die Lupe genommen. Die szenisch-musikalische Lesung regt zum Nachdenken an. Die Baarer Geschichtenerzählerin Maria Greco, die das Geschehen auf der Bühne konzentriert und fasziniert verfolgte, sagte während der Pause: «Ich bin begeistert. Allein schon die Szenen, in der Walter Sigi Arnold in sein weisses Hirtenhemd schlüpft und demonstriert, wie es beim Heuen zu- und hergeht, oder wie Beat Föllmi in einem Zuber den Wellengang intoniert, sind das Eintrittsgeld wert.»

Es lohnt sich tatsächlich, der szenisch-musikalischen Lesung beizuwohnen, die am Samstag um 20 Uhr nochmals im Burgbachkeller stattfinden wird.

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