Tempo 30: Baar baut die Gemächlichkeit aus

Vom Oberdorf bis zur Roten Trotte gilt bald Tempo 30 statt 50. Gemäss einem Gutachten hätten aus Sicherheitsüberlegungen noch stärkere Einschnitte erfolgen können.

Raphael Biermayr
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Baar erweitert das Tempo-30-Netz. Im Bild die Ecke Leihgasse/Chriesimatt.

Baar erweitert das Tempo-30-Netz. Im Bild die Ecke Leihgasse/Chriesimatt.

Bild: Matthias Jurt (25. Juli 2020)

In einem weiteren Gebiet der Gemeinde Baar wird die Höchstgeschwindigkeit für den Verkehr gedrosselt: Zwischen Rigi- und Ägeristrasse werden demnächst Tafeln montiert, denen zufolge dort nur noch mit maximal 30 Kilometern pro Stunde gefahren werden darf. Das hat die Gemeinde kürzlich auf ihrer Website mitgeteilt. Wie bei solchen Massnahmen üblich, wird die dadurch erhöhte Sicherheit herausgestrichen. «Es handelt sich um einen verdichteten Ortsteil mit vielen Bewohnern. Im gesamten Perimeter sind verschiedene Querungsstellen vorhanden. Keine dieser Stellen verfügt allerdings über einen Fussgängerstreifen, da die Fussgänger im Quartier einen flächigen Querungsbedarf haben», erklärt Zari Dzaferi in schönstem Behördensprech. Der Sicherheitsvorsteher im Gemeinderat streicht heraus, dass die Grundlage für die Schaffung dieser Tempo-30-Zone ein Gutachten des Chamer Büros Teamverkehr.zug sei. Jenes liegt unserer Zeitung vor.

Die Gutachter kommen sinngemäss zum Schluss, dass Tempo 30 zum Erreichen grösserer Sicherheit zweckdienlicher sei als andere Massnahmen. Bezüglich der Schutzbedürfnisse von Kindern und älteren Personen halten sie fest, dass sogar «nur eine Reduktion der Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h auf 20 km/h diese Gefahren beheben kann». Zari Dzaferi sagt dazu: «Dies trifft auf einzelne Stellen sicherlich zu, doch eine Begegnungszone über das ganze Gebiet ergibt keinen Sinn. Die Entscheidung, eine flächendeckende Tempo-30-Zone einzuführen, ist das Resultat einer engen Zusammenarbeit zwischen Fachleuten sowie der Verkehrs- und Tiefbaukommission seit dem Jahr 2014.» Der seit Anfang 2019 als Gemeinderat amtierende SP-Politiker habe sich erst in diesen Fachbereich einarbeiten müssen. «Als Bürger hat man manchmal das Gefühl, dass der Gemeinderat einfach Tafeln aufstellt, und dann Tempo 30 gilt», hat er festgestellt. «Doch es ist ein langer Weg mit vielen Abklärungen bis dahin. Denn eine solche Massnahme muss notwendig, verhältnismässig und zweckmässig sein, um angewandt werden zu können.»

Das erwähnte Gutachten kommt zu diesem Schluss. Und die eine Einsprache dagegen – nach der Ausschreibung im Amtsblatt – hätte in einem Gespräch beigelegt werden können. Dzaferi ist es zudem wichtig zu betonen, dass die Lösung von Sicherheitsfragen «nichts mit der Parteizugehörigkeit» zu tun hätte.

Die Schaffung der neuesten Tempo-30-Zone sei nicht das Ergebnis einer Offensive des Gemeinderats. Den Wunsch nach einer reduzierten Höchstgeschwindigkeit vom Einkaufszentrum Oberdorf bis zur Roten Trotte hätten einige Bewohner in diesem Gebiet geäussert. Man sei weiterhin offen für Wünsche aus der Bevölkerung oder aber aus der Verkehrs- und Tiefbaukommission, sagt Zari Dzaferi.

Gemeinde Baar macht es vor

Die Gemeinde Baar nimmt im Kanton Zug eine Vorreiterrolle in Sachen Gemächlichkeit auf der Strasse ein. Zehn Jahre ist es her, seitdem der damalige Gemeinderat ankündigte, nicht nur in Sachen Bauvorhaben, sondern auch in Bezug auf die Einführung von Tempo 30 grossflächig zu denken. Das Gebiet Oberdorf/Büel wurde damals als ein Ziel dafür genannt. Wo wird die Höchstgeschwindigkeit als Nächstes beschnitten? «Das ist eine der Fragen, die das neue Verkehrskonzept betreffen, das im Rahmen der Ortsplanung ausgearbeitet wird. Deshalb kann der Gemeinderat dazu noch nichts sagen», beantwortet Zari Dzaferi diese Frage.

Der Ursprung für der vielen 30er-Zonen in der zweitgrössten Gemeinde des Kantons war das Ja der Zuger zur Tangente Zug-Baar im November 2009. Dadurch soll weniger Verkehr durch den Ort fliessen. Die Eröffnung der Tangente ist mittlerweile nicht mehr weit entfernt: Sie ist für nächstes Jahr vorgesehen. Das bringt auch mit sich, dass die Ägeristrasse dereinst von einer Kantons- zu einer Gemeindestrasse wird. Dadurch dürfen die Baarer allein über Massnahmen darauf bestimmen. Ist die Einführung von Tempo 30 auch auf dieser Strasse geplant? Zari Dzaferi sagt, dass es Beschwerden über Lärmemissionen auf der Ägeristrasse gegeben habe. Konkretes hierzu sei aber noch nicht im Gemeinderat besprochen worden. Er wiederholt aber: «Eine Tempo-30-Zone müsste allerdings notwendig, verhältnismässig und zweckmässig sein.»