Teure Pflege des Zuger Schutzwaldes

Der Seewald Zug schützt die Siedlung Räbmatt, die Kantonsstrasse und die Eisenbahnlinie vor Naturkatastrophen. Jetzt wird er zielgerichtet gepflegt. Danach überlässt man den Wald wieder der Natur.

Matthias Schmid
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Das Amt für Wald und Wild hat am Donnerstag im Zuger Seewald über die Schutzwaldpflege informiert. Die gefällten Bäume wurden per Seilkran abtransportiert. Auch ein Helikopter war im Einsatz. Bilder: Maria Schmid (Zug, 13. Dezember)

Das Amt für Wald und Wild hat am Donnerstag im Zuger Seewald über die Schutzwaldpflege informiert. Die gefällten Bäume wurden per Seilkran abtransportiert. Auch ein Helikopter war im Einsatz. Bilder: Maria Schmid (Zug, 13. Dezember)


Im Seewald Zug fällt der Hang steil ab. Gleich darunter befindet sich die Räbmatt. Ein Steinschlag oder ein Erdrutsch könnte die ganze Siedlung unter sich begraben. Deshalb unternimmt das Amt für Wald und Wild alles, damit der Schutzwald eine optimale Wirkung entfalten kann. Heuer wurde sogar ein Helikopter eingesetzt, um das gefällte Holz an extrem steilen Hängen abzutransportieren. Auch wurde eigens für den Holzschlag eine Seilbahn gespannt. «Die Pflege des Schutzwaldes ist natürlich immer ein Eingriff ins Ökosystem», erklärt Albin Schmidhauser, Chef des Amtes für Wald und Wild, «Wir greifen so wenig wie möglich ein und so oft wie nötig.»

Der Wald gehört seit Jahrhunderten der Korporation Zug. Weil der Schutzwald aber eine Funktion erfüllt, darf die Korporation nicht frei darüber verfügen. «Wir arbeiten nach den Vorgaben des Bundes. Der Bund kontrolliert unsere Arbeit», erzählt Martin Ziegler vom Amt für Wald und Wild. «Die Stichprobenkontrolle führte diesen Sommer zu einer positiven Rückmeldung.» Damit das so bleibt, muss der Seewald nun nach den Vorgaben des Bundes gepflegt werden. Mittlerweile ist der Seewald zu dicht bewachsen, und die Bäume verflechten sich ineinander. Alte, hohe Bäume ragen aus dem Wald hervor und würden bei jedem Sturm umknicken. Junge Bäume kommen nicht ans Sonnenlicht heran und gehen ein. «Um nachhaltig vor Naturereignissen zu schützen, muss man die zukünftige Entwicklung des Schutzwaldes beurteilen. Ein Wald kann jetzt vor Naturereignissen schützen, aber in 20 Jahren würde er seinen Zweck nicht mehr erfüllen», erläutert Lea Bernath vom Amt für Wald und Wild. Das Holz aus dem Seewald verkauft die Korporation Zug als Brennholz. Dieses Jahr wurden in diesem Gebiet 3 800 Kubikmeter Holz geschlagen.

Siedlungen und Schulen werden mit Holz beheizt

Brennholz ist eine erneuerbare Energiequelle. Deshalb lohne es sich, auch Helikopter einzusetzen, so Ziegler. «Die Energie, die der Helikopter verbraucht, holen wir durch die erneuerbare Holzenergie vier Mal wieder rein.» Die Baumstämme werden dann gleich vor Ort zu Brennholz verarbeitet. «Wir beliefern damit einige unserer Siedlungen, auch die Schulen in Menzingen werden mit Holz geheizt», erklärt Urban Keiser von der Korporation Zug. «Mit dem Holz des Seewaldes machen wir einen Umsatz von 200 000 Franken. Die Schutzwaldpflege kostet aber rund das Doppelte.» Deshalb sei man auf die Unterstützung von Bund und Kanton angewiesen. «Bis in die 1960er Jahre war die Forstwirtschaft noch sehr gewinnträchtig, auch ohne Beiträge.» Noch immer ist die Forstwirtschaft sehr wichtig für die Korporation. «Im Moment arbeiten 16 Fachkräfte bei der Korporation, um stets gegen Naturkatastrophen gewappnet zu sein. Fünf dieser 16 Forstwarte sind noch Lehrlinge», sagt Ruedi Bachmann, Forstleiter der Korporation Zug.

Einer der wichtigsten Schutzwälder im Kanton

45 Prozent der Waldfläche im Kanton Zug ist Schutzwald. Jedoch ist bei weitem nicht jeder Schutzwald so wichtig wie der Seewald. «Für einen Schutzwald braucht es drei Voraussetzungen: Ein Schadenpotenzial wie Häuser oder Strassen», sagt Lea Bernath und zeigt auf die Räbmatt, «und es muss eine Gefahr durch Erdrutsche oder Steinschläge bestehen. Dazwischen braucht es einen Wald.» Da der Seewald direkt vor Gefahren schützt, ist er als Schutzwald der Priorität eins kategorisiert. Der Seewald ist auch ein Naherholungsgebiet und ein Ökosystem. Deshalb erklärt Schmidhauser: «Nach diesem Eingriff lassen wir der Natur acht bis zwölf Jahre lang ihren Lauf.»