Ein teurer Prozess für den Oberägerer «Drogenkoch»

Der Betreiber des Drogenlabors in einem Oberägerer Haus unterliegt auch vor dem Zuger Obergericht. Dieses erhöht gar die Haftstrafe, sieht hingegen aber von einer vorinstanzlich beschlossenen Massnahme ab.

Andreas Faessler
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Ein aufsehenerregender Zuger Gerichtsfall kommt zu einem – zumindest vorläufigen – Ende: Am 20. Januar sass der mutmassliche «Drogenkoch» von Oberägeri vor dem Zuger Obergericht (Ausgabe vom 21. Januar). Er hatte im Keller seines Hauses ein stattliches chemisches Labor aufgebaut und nachweislich bereits eine gewisse Menge von Crystal Meth sowie Vorläuferstoffe dazu hergestellt. Unterstützt wurde der norwegische Staatsangehörige dabei von einer Thailänderin, die über einschlägige Kontakte in die Drogenszene verfügte.

Auch vor dem Obergericht bestritt der Angeklagte vehement die Vorwürfe, dass er beabsichtigt habe, grössere Mengen an Drogen für den Verkauf herzustellen. Er betonte abermals, dass er das Labor allein aus wissenschaftlichem Interesse betrieben habe.

Doch unterlag der Beschuldigte auch vor der zweiten Instanz vollumfänglich mit seinen Behauptungen. Das Obergericht sieht es als erwiesen an, dass er die Herstellung von grösseren Mengen an Amphetaminen nicht nur vorbereitet, sondern solche auch bereits produziert gehabt hätte, um damit seine Verkaufschancen auf dem Markt zu testen. Somit habe es sich bei der Einrichtung – entgegen den Behauptungen des Beschuldigten – sehr wohl um ein Drogenlabor gehandelt, welches für die Produktion verkaufsfähiger Betäubungsmittel vorgesehen war, so das Obergericht.

Seine gegenteiligen Beteuerungen seien «völlig realitätsfremd, konstruiert und in keiner Weise nachvollziehbar». Er sei sich der Rechtswidrigkeit seines Handelns zu jedem Zeitpunkt bewusst gewesen. Das Obergericht spricht den Norweger in der Folge vollumfänglich schuldig des Anstaltentreffens zur Herstellung von Betäubungsmitteln und somit der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Längere Haftstrafe, dafür darf er bleiben

Bemerkenswert ist die Strafbemessung für den «Drogenkoch»: Das Obergericht spricht eine höhere Haftstrafe aus als die Vorinstanz. Letztere hatte eine Gesamthaftstrafe von 30 Monaten gefordert, welche unter Berücksichtigung aller mildernden Umstände auf schliesslich 18 Monate festgesetzt worden war. Doch angesichts des möglichen Schadens durch die vorgesehene Herstellung der Drogen und dem «beträchtlichen Mass an krimineller Energie» des Angeklagten, der in jeglicher Hinsicht unter Vorsatz und rein eigennützig gehandelt habe, erachtet das Obergericht eine Gesamthaftstrafe von 36 Monaten als angemessen. Unter Berücksichtigung aller strafmildernden Umstände (Geständigkeit, Kooperation...) spricht das Obergericht schliesslich eine Sanktion von 24 Monaten aus und gewährt ihm den bedingten Strafvollzug. Bei der mitbeschuldigten Thailänderin stellt das Obergericht eine deutlich tiefere kriminelle Energie und ein insgesamt leichtes Verschulden fest. Sie erhält eine Gesamtfreiheitsstrafe von 16 Monaten.

Ganz anders als die Vorinstanz hingegen hält es das Obergericht mit der Landesverweisung der beiden Angeklagten. Es erachtet eine solche in beiden Fällen als unverhältnismässig, denn es fehle für beide jeweils ein zeitlicher wie auch mengenmässiger Schwerpunkt der Handlungen für den Zeitraum nach dem 1. Oktober 2016, als das neue Ausschaffungsrecht in Kraft getreten ist.

Kostspieliges Verfahren

Zusammengefasst kriegt der «Drogenkoch» vom Obergericht eine höhere Freiheitsstrafe aufgebrummt, jedoch wird er dafür nicht des Landes verwiesen, was für ihn gemäss seinen Aussagen ein folgenschwerer Einschnitt gewesen wäre. Schmerzhaft für ihn dürften jedoch die finanziellen Folgen sein: Sie bewegen sich in der Summe im oberen fünfstelligen Bereich. Auch die Mitbeschuldigte Thailänderin hat fast die ganzen Prozesskosten selber zu tragen. Diese belaufen sich ebenfalls auf einen stolzen fünfstelligen Betrag.