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TEXTILDESIGN: Ihre Stoffe fliegen um die Welt

Die Zuger Textildesignerin Caroline Flueler entwirft seit Jahren Muster und Accessoires für weltweit bekannte Firmen. Ein Design, das wohl die meisten kennen, ist jenes der Sitzbezüge in allen Swiss-Flugzeugen.
Livio Brandenberg
Caroline Flueler in ihrem Atelier in Oberwil bei Zug. Rechts die bekannten Accessoires des Swiss-Personals. (Bild: Werner Schelbert (6. Juli 2017))

Caroline Flueler in ihrem Atelier in Oberwil bei Zug. Rechts die bekannten Accessoires des Swiss-Personals. (Bild: Werner Schelbert (6. Juli 2017))

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Die meisten Schweizerinnen und Schweizer sind schon auf einem Muster von Caroline Flueler gesessen. Auf der ganzen Welt waren es noch viele Millionen mehr – wohl fast alle, ohne es zu wissen. Flueler designt seit 2002 die Sitzbezüge in den Swiss-Flugzeugen. Nicht nur das: Auch die Decken sowie die Foulards und Krawatten der Crew hat sie entworfen. «Ich stehe nicht gerne im Vordergrund. Zu wissen, dass meine Produkte ständig in der Welt herumfliegen, ist aber schon cool», sagt die 48-Jährige.

Ihre Bodenständigkeit ist nicht gespielt. In ihrem Atelier in Oberwil bei Zug erzählt sie von ihren Auftraggebern oder «Kunden», wie sie selber sagt. Dabei muss man ihr die bekannten Namen richtiggehend entlocken. Und es sind zahlreiche dabei. Sie hat neben der Swiss schon für Geberit, Swisscom, das Landesmuseum in Zürich, Globus, Coop, Möbel Pfister oder Interio Schals, Handtücher, Bettwäsche und vieles mehr entworfen. Die Mitarbeiter des im August beginnenden Sommer-Lucerne-Festivals werden Flueler-Foulards tragen. Und soeben abgeschlossen hat sie die Zusammenarbeit mit der Basler Kantonalbank, die zurzeit eine Auffrischung ihres Auftritts vornimmt. Nachdem sie eine bereits umgestaltete Filiale besucht hatte, designte Flueler farblich abgestimmt die Schals, Foulards, Krawatten und Einstecktücher der Bankangestellten.

Ein Bundesrat trug ihre Krawatten

Und wenn wir schon bei grossen Namen sind: Es kommt immer mal wieder vor, dass ein Moderator des Schweizer Fernsehens eine Flueler-Krawatte mit dem typischen Karo-Muster trägt. Diese sagten auch Viktor Giacobbo und sogar dem bekennenden Krawatten-Verachter alt Bundesrat Moritz Leuenberger zu, wie verschiedene Fotos in Fluelers Atelier belegen.

Zum Design gekommen ist die gebürtige Zugerin über die damalige Schule für Gestaltung Luzern. Die Kreativität wurde ihr aber wohl auch mit in die Wiege gelegt: Ihr Vater war der bekannte Zuger Architekt Walter Flueler, ihre Mutter war ebenfalls gestalterisch tätig. Nach ihrem Abschluss arbeitete Flueler bei verschiedenen Firmen in der Textilindustrie, unter anderem in London. Allerdings immer nur Teilzeit. «Gleichzeitig habe ich meine eigene Firma aufgebaut.» Ihr eigenes Accessoire-Label hat sie 1994 gegründet, drei Jahre später folgte die Gründung des Ladens 3Pol in der Zuger Altstadt, zusammen mit dem Goldschmied André Schweiger und dem Produktegestalter Patrick Lindon. Mit den beiden gestaltete sie auch die Gedenkstätte vor dem Regierungsgebäude für das Attentat 2001. Und mit Lindon gemeinsam hat sie auch die ersten Swiss-Designs entworfen.

Wie ist es damals zur Zusammenarbeit mit der Schweizer Airline gekommen? Nach dem Grounding der Swissair war der kanadische Markendesigner Tyler Brulé zuständig für das Rebranding der neuen Fluggesellschaft, die aus Swissair und Cross­air hervorging. «Brulé sah in einem Laden Krawatten und Schals von mir, die ihm gefielen. Eines Tages war er am Telefon und fragte mich, ob ich mitarbeiten würde. Das war echt speziell», erinnert sich Flueler. Sie sei wohl einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Bis heute designt sie die Accessoires der Crew sowie die beigen, braunen und dunkelblauen rechteckig gemusterten Sitzbezüge. «Am schönsten finde ich, dass meine Entwürfe zahlreiche Auffrischungen und verschiedene Managements überdauert haben und die Swiss bis heute gerne mit mir zusammenarbeitet», sagt Flueler. Ihr Engagement für eine der bekanntesten und beliebtesten Fluglinien der Welt blieb auch der internationalen Presse nicht verborgen: Sogar die «New York Times» wurde schon auf die Zugerin aufmerksam.

Der Stoff ist aus Italien, genäht wird in der Schweiz

Über solche Lorbeeren freut sich Caroline Flueler natürlich. Doch sie sucht sie nicht. Dass sie sich bei der Ausschreibung damals nicht forsch ins Rampenlicht drängte, sei ausschlaggebend gewesen, dass sie den Swiss-Auftrag erhalten habe, sagte ihr ein hoher Manager im Nachhinein. Man schätzte ihre Verlässlichkeit und die bodenständige Art. Diese zeigt sich auch in der Art und Weise, wie Flueler arbeitet: Die Stoffe für ihre Designs bezieht sie praktisch immer vom gleichen Lieferanten in Como. Genäht und konfektioniert werden die Produkte dann in Aargau und Appenzell.

Finanziell ausgesorgt hat sie durch die Aufträge für all die bekannten Namen noch nicht. Sie sei zwar in der schönen Situation, dass Firmen oder auch Textilhändler, die für Modelabels oder Möbelhäuser stets auf der Suche nach neuen Designs sind, direkt zu ihr kommen. Doch in diesem Business denke man ohnehin von Auftrag zu Auftrag. «Das Schöne bei mir ist, dass viele Kunden wiederkommen.»

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