THOMAS AESCHI: Was die Baarer zu Aeschi sagen

Der SVP-Nationalrat steht als möglicher Bundesrat in den Startpflöcken – und darum national im Fokus. In seiner Wohn- und Bürgergemeinde reagiert man allerdings etwas verhalten auf Aeschis Ambitionen. Ein Fest freilich würden die Baarer gegebenenfalls schon gerne feiern.

Drucken
Teilen
Thomas Aeschi ist weiterhin im Rennen um 
den frei werdenden Bundesratssitz. (Bild: EQ Images)

Thomas Aeschi ist weiterhin im Rennen um den frei werdenden Bundesratssitz. (Bild: EQ Images)

Andreas Hotz

«Mit Nationalrat Thomas Aeschi habe ich politisch noch keine grossen Stricke zerrissen», sagt der Baarer Gemeindepräsident. Seine Zeit als Baarer Kantonsrat und SVP-Baar Ortsparteipräsident sei zudem zu kurz gewesen, um verbindliche Rückschlüsse ziehen zu können. «Unbestrittenermassen hat sich Thomas Aeschi in den beiden von ihm bestrittenen Nationalratswahlkämpfen als ausserordentlich ehrgeizig und engagiert erwiesen. Sollte Thomas Aeschi die Wahl in den Bundesrat schaffen, wäre dies sicherlich auch eine grosse Ehre für seine Wohngemeinde Baar. In diesem Fall würden wir, baarerischen Traditionen entsprechend, kurzfristig einen Empfang auf die Beine stellen.»

Maria Greco

«Sicher hat Thomas Aeschi mit seinem beruflichen Hintergrund eine gute Ausgangslage», glaubt die Baarer Künstlerin und Geschichtenerzählerin Maria Greco. «Ich schätze ihn als ziemlich toughen, zielstrebigen jungen Mann ein. Einer, der weiss, was er will.» Trotzdem findet Greco Aeschi «mit 36 definitiv zu jung für ein solches Amt. Ihm fehlt meiner Meinung nach noch einiges an Lebenserfahrung.» Falls er es trotzdem in den Bundesrat schafft, werden ein Riesenfest und eine tolle Party steigen, davon ist Maria Greco überzeugt: «Mindestens eine Freinacht mit Freibier in sämtlichen Baarer Beizen würde es geben.»

Hanspeter Uster

«Für Thomas ist das sicher ein gutes Gefühl, und er wird diese besondere Zeit nicht nur als sehr herausfordernd empfinden, sondern auch etwas geniessen können», meint der alt Regierungsrat der Grünen. «Le Temps» habe allerdings die Schlagzeile «Thomas Aeschi, le plus à droite» gesetzt. Er werde es dadurch in der Romandie, beim auf Ausgleich bedachten Ständerat und auch in Teilen des Nationalrats wohl ziemlich schwer haben. «Auf jeden Fall wäre garantiert, dass beim Empfang des neuen Bundesrates die Bevölkerung dank des traditionell schönen Baarer Festwetters an diesem Tag sicher nicht im Regen stehen würde.»

Zari Dzaferi

«Für den Kanton Zug wäre es sicherlich höchst interessant, einen Bundesrat zu haben. Daher würde ich auch eine Wahl Aeschis begrüssen», versichert der Baarer SP-Kantonsrat und Ortsparteipräsident. Er könne sich schon vorstellen, dass sich Aeschi in die Tätigkeiten eines Bundesrats einarbeiten könnte. «Schliesslich hat er bewiesen, dass er fleissig ist und sich in Dossiers einarbeiten kann. Allerdings müsste Aeschi dann auch parteiübergreifend zusammenarbeiten können und künftig einen schwächeren Draht nach Herrliberg pflegen.» Idealerweise übernehme der neue SVP-Bundesrat das Justiz- und Polizeidepartement. «Dann könnte er nämlich auch die SVP-Wahlversprechen im Asylwesen einlösen.»

Beni Riedi

«Ich habe mit Thomas Aeschi zusammen für den Kantonsrat kandidiert und ihn als sehr zielstrebig erlebt. Aeschi kann anpacken. So kenne ich ihn als Kantonsrat, aber auch als Präsident der kantonalen SVP.» Dies sagt Beni Riedi, SVP-Kantonsrat und Vizepräsident der Ortspartei. «Es macht mich stolz, dass ein Baarer so weit kommt.» Aeschi könne er sich gut im Bundesrat vorstellen: «Er ist intelligent und sucht immer auch den Konsens.» Ein Baarer in dieser Rolle wäre natürlich sehr erfreulich. «Er bleibt beim Volk, so war er vergangenes Wochenende an der Chilbi anzutreffen.» Auch als Bundesrat würde das bestimmt so bleiben.

Urs Perner

«Es wäre für Baar und den ganzen Kanton Zug schön, einen Bundesrat zu haben – unbesehen, aus welcher Ecke er kommt. Ich drücke ihm jedenfalls die Daumen», hält der frühere Gemeindepräsident Baars fest. Der vor kurzem 77 Jahre alt gewordene, heute noch aktive CVP-Politiker sagt zu den Aussichten Aeschis, es auf das Ticket oder sogar ins Bundesratszimmer zu schaffen: «Er ist noch jung, warten wir ab, was die nächsten Tage bringen.» Sollte Aeschi tatsächlich dereinst Mitglied der Landesregierung werden, hofft Perner auf seine Konsensfähigkeit. «Im Amt wäre er hoffentlich kein Parteisoldat mehr.»

«An ein Fest käme ich schon»

Diverse angefragte Baarer wollten sich nicht zur Kandidatur Thomas Aeschis äussern. «Ich möchte in dieser Angelegenheit nicht erwähnt werden», sagte ein prominenter Akteur im Gemeindeleben ohne politischen Background. Ein bekannter Vertreter aus der Politik wollte sich offenkundig nicht die Finger verbrennen an diesem Thema respektive an der in Baar nicht unumstrittenen Person Aeschi: «Ich liefere kein Zitat. Wenn ich muss, bin ich nicht erreichbar gewesen», liess er am Telefon verlauten. Auch angefragte Personen aus dem öffentlichen Dienst waren mit Blick auf Aeschis Bundesratskandidatur zu keinem Zitat zu bewegen. Einer der Angefragten gestand allerdings: «An ein Fest zu seiner Wahl käme ich schon.»

haz/cde/wh/bier/red