TIERE: Samtpfoten auf Abwegen

Katzen sind neugierig und abenteuerlustig. Das kann sie in Gefahr bringen, etwa entlang einer Strasse. Obwohl ein Unfall mit einem solchen Haustier nicht meldepflichtig ist, kann sich der Lenker trotzdem strafbar machen.

Carmen Rogenmoser
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Ist eine Katze gechipt, weiss man sofort, wohin sie gehört. (Bild: Remo Naegeli (21. April 2011))

Ist eine Katze gechipt, weiss man sofort, wohin sie gehört. (Bild: Remo Naegeli (21. April 2011))

Carmen Rogenmoser

 

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

«Um das schwer verletzte Tier hat er sich nicht gekümmert», schreibt eine Oberägererin in einem Leserbrief (Ausgabe vom 14. Dezember). Sie geht dabei auf einen Vorfall ein, der sich kurz zuvor auf der Schneitstrasse ereignet hat. Ihre Katze wurde von einem Auto erfasst und starb schliesslich an den Verletzungen. Es war nicht das erste Mal, dass sich eine Katze und ein Auto an dieser Stelle in die Quere kamen. Dass solche Zusammenstösse für den Vierbeiner selten glimpflich ausgehen, erklärt sich von selbst. Katzen sind freiheitsliebend, neugierig und wendig. Schnell und unerwartet können sie auf eine Strasse springen – und schon ist es passiert.

Doch wie verhält man sich als Lenker in so einer Situation korrekt? Frank Kleiner, Mediensprecher der Zuger Polizei, erklärt: «Es handelt es sich dabei um ­einen Verkehrsunfall mit Sachschaden.» Dies, weil Tiere nach rechtlicher Auslegung als Sache gelten. Zumindest der Geschädigte – der Besitzer – oder die Polizei muss informiert werden. Ist das nicht der Fall, macht sich der Lenker strafbar. «Schwerwiegender wirkt sich die Strafe aus, wenn die Katze ‹nur› verletzt ist und der Verursacher weiterfährt», so Kleiner. In einem solchen Fall droht dem Lenker ein Verfahren wegen Tierquälerei. «Das Mindeste, was man tun kann, ist, nicht einfach davonzufahren», sagt auch Dieter Fretz. Der Tierarzt leitet die Ennetseeklinik für Kleintiere in Hünenberg. Jährlich landen in der Praxis etwa 100 durch Fahrzeuge verletzte Katzen. «Sowohl ein Notfalltierarzt wie die Polizei sind telefonisch immer erreichbar», führt er weiter aus. Die wissen, was zu tun ist. Denn: «Das Handling einer verletzten Katze kann schwierig sein.» Sie könne sehr aggressiv reagieren, bestätigt Tamara Uster, tiermedizinische Praxisassistentin in der Kleintier-Praxis Dr. Dunja Fenner in Unterägeri. Will man die Katze trotzdem selber zum Tierarzt bringen, sollte man sie zum Schutz in eine Decke oder eine Jacke einwickeln. Der Tierarzt und auch die Polizei verfügen über Chiplesegeräte. Trägt die Katze einen Chip und ist in der Amicus-Datenbank erfasst, kann der Besitzer leicht ausfindig gemacht werden. Das ist allerdings nicht obligatorisch. Ohne Chip gestaltet sich die Suche nach dem Besitzer als schwierig. «Wir machen Fotos und notieren uns die Merkmale der Katze», sagt etwa Dieter Fretz. Das könne dann mit Anfragen nach vermissten Katzen abgeglichen werden.

Verschiedene Anlaufstellen für Tierhalter

Die Verletzungen von verunfallten Tieren, die die Tierärzte oder Praxisangestellte zu sehen bekommen, sind oft gravierend. «Eine Katze kann Brüche aller Arten davontragen und natürlich auch innere Verletzungen», sagt Uster. Viele angefahrene Katzen überleben den Zusammenprall denn auch nicht. «Die Dunkelziffer ist hoch», erklärt sie. Schwer verletzte Katzen verkriechen sich etwa und werden nicht gefunden. Da weder Katzen noch Unfälle mit ihnen meldepflichtig sind, gibt es keine konkreten Zahlen dazu.

Für Besitzer gibt es vier Anlaufstellen, ihr vermisstes Haustier ausfindig zu machen: erstens der Tierarzt, zweitens das kantonale Tierheim in Allenwinden. Dorthin werden die Tiere gebracht, wenn sich nicht aufklärt, wohin das Tier gehört. Drittens die Schweizerischen Tiermeldezentrale ( www.stmz.ch ). Und als vierter Schritt bleiben die Tier­kadaverstellen der Gemeinden. Hier landen Tiere, die einen Autounfall nicht überlebt haben, schlussendlich. «In Unterägeri beispielsweise wird eine herrenlose tote Katze auf der Gemeinde vermerkt», erklärt Tamara Uster.