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Hünenberg: Tierschützer wehren sich gegen Mega-Stall in Drälikon

Gegen das Projekt «Chueweid» in Hünenberg werden Unterschriften gesammelt. Bauer Martin Schuler fühlt sich missverstanden.
Rahel Hug
Martin Schuler mit seinen Jersey-Rindern. Im Hintergrund ist die Wiese zu sehen, auf der der neue Stall zu stehen kommen soll. (Bild: Maria Schmid, Drälikon, 11. Juli 2018)

Martin Schuler mit seinen Jersey-Rindern. Im Hintergrund ist die Wiese zu sehen, auf der der neue Stall zu stehen kommen soll. (Bild: Maria Schmid, Drälikon, 11. Juli 2018)

Das Vorhaben gibt in Hünenberg schon länger zu reden: Der Bauer Martin Schuler plant in Drälikon einen neuen Stall. Und zwar nicht irgendeinen Stall, sondern eine weisse Halle von 200 Metern Länge, 50 Metern Breite und 20 Metern Höhe (Planungsstand vor einem Jahr, Masse sind noch nicht definitiv). Bereits letzten Sommer regte sich Widerstand: Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz kritisierte das Vorhaben als überdimensioniert. Kürzlich wurde eine Unterschriftensammlung gestartet, wie das Onlineportal Zentralplus berichtete. Auf der Petitionsplattform Act auf www.campax.org haben bereits 3860 Personen (Stand Sonntagmittag) die «Petition gegen die Tierfabrik ‹Chueweid›» unterschrieben.

Der «gewaltige Neubau» schaffe Platz für 1040 Kühe. Unzählige Einwohner von Hünenberg seien über die Dimensionen und die absehbaren Folgen für das familienfreundliche Dorf besorgt, heisst es in der Petition. «Der geplante Neubau ist eine gigantische Tierfabrik, welche es so in der Schweiz noch nie gegeben hat.» Um diese Massentierhaltung unterhalten zu können, bedürfe es einer enormen Logistik in Form von Lastwagentransporten für die Futterzulieferung sowie die Güllen- und Schlachttransporte. Die Reussebene werde entfremdet und das Naherholungsgebiet werde verschandelt.

«Heimat für alle Wesen schaffen»

Hinter der Petition steckt der Verein Fluid Spirit mit Sitz in Hünenberg. Ziel und Zweck des Vereins sei es, «Heimat für alle Wesen, das heisst alle Menschen, Tiere und Pflanzen dieser Welt zu schaffen», schreibt die Initiantin Danielle Jolissaint auf Anfrage. Die Haltung der Kälbchen in den so genannten Iglus (kleine Boxen) bei Bauer Schuler und der unmenschliche Umgang der Menschen mit den Tieren breche ihr das Herz, so Jolissaint. Sie sei verzweifelt über den Umstand, dass den Mutterkühen gleich nach der Geburt die Kälbchen weggenommen würden und ihre Milch, die für die Kälbchen bestimmt wäre, an die Menschen verkauft werde. «So kam es, dass ich begann, mich vermehrt für die Tiere einzusetzen.»

Die «Tierfabrik» von Martin Schuler würde zu «noch viel mehr Tierleid» führen, erklärt Jolissaint. «Auch die Tiere sind Wesen der Schöpfung wie wir Menschen und es kann und darf nicht sein, dass der Mensch aus Gier die Tiere derart ausnützt und misshandelt. Wenn alle Menschen einmal auf einem Schlachthof gewesen wären, würden sie keine Tiere mehr essen und die Milch den Tieren belassen.» Die Petition richtet sich an die Gemeinde Hünenberg. Die Unterschriftensammlung läuft noch bis am 31. Oktober.

Martin Schuler, der auf der Homepage www.chueweid-huenenberg.ch umfassend über das Projekt informiert, sagt zur Petition: «Dieser Verein von Veganern hat mich auf der Abschussliste und will an mir ein Exempel statuieren.» Die Initiantin habe ihn bereits besucht, jedoch nicht wegen dem aktuellen Projekt, sondern wegen der Kälberhaltung auf seinem Hof. Die Iglus für Jungtiere kämen für sie einer «Einzelhaft» gleich. «Doch für unsere Aufzucht ist dies eine wichtige Massnahme, insbesondere wegen der Tiergesundheit und der Hygiene.» Viele Bauern würden solche Iglus verwenden, sagt Schuler: «Die Tierschutznormen werden eingehalten.»

Zur Kritik an seinen neuen Plänen sagt der Milchbauer und SVP-Kantonsrat, dass sein Vorhaben falsch interpretiert werde. Bereits vor rund einem Jahr hatte Schuler gegenüber unserer Zeitung betont, die Kapazität von 1040 Kühen nie erreichen zu wollen. An dieser Aussage hält er fest. «Es war nie und ist nicht meine Absicht, 1000 Tiere zu halten.» Er wolle seine aktuell rund 300 Jersey-Kühe sowie die Jungtiere im Ersatzbau unterbringen und den Bestand nur leicht erhöhen. «Den zusätzlichen Platz brauche ich, um den Kühen mehr Liegefläche zu bieten. Damit haben sie viel mehr Platz, als es das Minimum der Tierschutzregeln vorsieht.» Mit dem neuen Stall bringe er seinen Hof auf den neusten Stand der Technik. «Ausserdem befindet sich die neue Halle nicht mehr in der Grundwasserschutzzone.» Der bestehende Stall steht in dieser Zone, deshalb besteht Handlungsbedarf.

Schuler bedauert es, dass nun «mit falschen Angaben Emotionen geschürt werden», wie er sagt. Auf dem Flyer und der Homepage der Petition sei zudem eine falsche Visualisierung aufgeschaltet. «Die Grösse und die Form stimmen nicht. Die Halle wirkt viel grösser, als die Pläne es vorsehen.»

Eine Visualisierung des Vorprojekts von Martin Schuler. Die weisse Halle ist in der Bildmitte zu sehen (links sind die Folientunnels von Obstbauer Boog zu sehen). (Bild: PD)

Eine Visualisierung des Vorprojekts von Martin Schuler. Die weisse Halle ist in der Bildmitte zu sehen (links sind die Folientunnels von Obstbauer Boog zu sehen). (Bild: PD)

Die Verhandlungen laufen noch

Der Landwirt hält an seinem Projekt fest. Es gehe darum, die Existenz des Familienbetriebs zu sichern. Doch Schuler wird noch viele Hürden zu überwinden haben. Denn für die Schaffung des neuen Stalls möchte er eine landwirtschaftliche Spezialzone schaffen. Über eine allfällige Umzonung würde die Gemeindeversammlung entscheiden. Auf die Frage nach dem Stand der Dinge sagt Schuler: «Die Verhandlungen mit der Gemeinde und dem Kanton laufen noch. Sie gestalten sich sehr komplex und umfangreich. Der Bedarf einer allfälligen Spezialzone ist in Abklärung.» Er gehe davon aus, dass er alle Grundlagen erst im nächsten Jahr komplett zusammengetragen habe.

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