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TISCHTENNIS: Sie lehrt die Herren das Fürchten

Was will denn dieses kleine Mädchen? Das fragen sich viele Gegner der 13-jährigen Camille-Chloé Linke – und gehen dann als Verlierer vom Tisch.
Luc Müller
Sie ist erst 13 Jahre alt, besiegt aber regelmässig viel ältere Gegner: Camille-Chloé Linke, die beim Tischtennisclub Baar bei den Herren spielt. (Bild Stefan Kaiser)

Sie ist erst 13 Jahre alt, besiegt aber regelmässig viel ältere Gegner: Camille-Chloé Linke, die beim Tischtennisclub Baar bei den Herren spielt. (Bild Stefan Kaiser)

Der Händedruck zur Begrüssung ist sanft – ein paar Sekunden später langt die 13-jährige Camille-Chloé Linke jedoch kräftig zu. Wieselflink und mit viel Präzision drischt sie den kleinen Tischtennisball auf die Platte. Steht das zierliche Mädchen am Tischtennistisch, verwandelt sie sich in einen Wirbelwind, wie sie beim Trainingsbesuch in Baar eindrücklich unter Beweis stellt. Sie ist «die grösste Nachwuchshoffnung des Schweizer Tischtennis», wie der Tischtennis Club (TTC) auf seiner Homepage Baar stolz schreibt.

Seit diesem Sommer geht Camille-Chloé Linke für den Baarer Klub auf Punktejagd – und das sehr erfolgreich. Dabei spielt sie in der Nationalliga C der Herren und bekommt es mit Gegnern im gestandenen Alter zu tun. «In der Schweiz würde sie bei den Gleichaltrigen nur gegen einige ausländische Halbprofis gefordert und müsste dafür unnötig weite Anfahrten auf sich nehmen», sagt Tobias Linke, der Vater von Camille-Chloé und gleichzeitig ihr Manager. Der Vater weiter: «Da lag es näher, sich in jedem Match bei den Herren auf Augenhöhe messen zu müssen und sich so schneller weiterentwickeln zu können.»

Mit siebeneinhalb angefangen

Er macht diese Aussage fast entschuldigend, ganz ohne Arroganz. «Ich bin immer sehr vorsichtig, meine Tochter als Ausnahmetalent zu betiteln», so der Vater, «aber die sogenannten nationalen und internationalen Fachleute sehen in ihr schon ein aussergewöhnliches Talent.» Das hat er selbst, der einst in Luzern ebenfalls in der Nationalliga C Tischtennis gespielt hat, bemerkt. Im Alter von siebeneinhalb besuchte seine Tochter zum ersten Mal ein Schuppertraining – schon ein paar Wochen später war ihr aussergewöhnliches Talent sichtbar. «Ich und meine Frau pushen unsere Tochter nicht. Sie ist selbst sehr zielstrebig und ehrgeizig. Da müssen wir sie eher bisweilen etwas bremsen.» Dass ihr Tischtennis viel Spass macht, merkt man ihr an. «Die Schnelligkeit und die vielen Varianten, die man im Spiel einbringen kann – das macht mir viel Spass», sagt die 13-Jährige, während sie mit dem Fotografen ein paar Bälle schlägt. Dieser hat überhaupt schon Mühe, eines von Camille-Chloé Linkes extrem angeschnittenes Anspiel zurückzubringen. «Das Anspiel ist eine Spezialität von mir. Ich werfe dazu den Ball mehrere Meter hoch», erklärt sie.

Schülerin der Sportschule Kriens

Und was sagen die Freunde zu ihrem Tischtennistalent? «Sie finden es cool. Manchmal besuchen sie mich auch an einem Spiel.» Und spielt sie mit ihren Bekannten in der Badi zum Spass auch mal eine Partie Tischtennis? «In der Badi bin ich eigentlich nie, denn dazu habe ich gar keine Zeit», sagt sie. Denn seit sechs Jahren ist sie ganz auf den Sport mit dem kleinen weissen Ball fixiert. Derzeit besucht sie in Kriens die erste Sekundarklasse A der Sportschule. «Mir gefällt es dort sehr gut. Hier gibt es nur Schüler, die selbst auf dem Sprung zum Spitzensportler sind. Man gönnt sich gegenseitig den Erfolg», berichtet die 13-Jährige. Tischtennisprofi zu werden und in der obersten Liga von Deutschland oder Frankreich – die zu den stärksten in Europa zählen – zu spielen, das ist ihr Traum. «Sie hat aber auch einen Plan B: Der heisst, Lehrerin zu werden», verrät ihr Vater.

«Sie hat schon mit neun Jahren bis zu zehn Stunden in der Woche trainiert, heute sind es bis zu 20 Stunden», so der gebürtige Deutsche Tobias Linke. Die Familie Linke wohnt im luzernischen Meggen, die Tochter spielt aber im Nachbarkanton Zug. «In Luzern gibt es zwar Tischtennisvereine, doch deren Philosophie stellt den Breiten- und Leistungssport in den Mittelpunkt. Für Hochleistungssport mit internationalen Ambitionen Einzelner ist da kein Platz», erklärt der Vater. Entdeckt wurde Camilles Talent durch den ehemaligen bosnischen Nationalspieler Almir Alicic – er machte auch früh den Schweizer Nationaltrainer auf die Meggerin aufmerksam. Heute ist Alicic die Nummer eins beim TTC Baar und gleichzeitig einer der Co-Trainer und Sparringpartner von Camille-Chloé Linke.

Im A-Kader von Swiss Table Tennis

Seit sechs Jahren baut Samir Mulabdic, Cheftrainer der Schweizer Tischtennis-Nationalmannschaften, Camille-Chloé Linke behutsam auf. «Dies mit dem Ziel, mittelfristig vielleicht die erste Schweizer Profi-Tischtennisspielerin vor sich zu haben», so Tobias Linke. Die junge ­Meggerin gehört seit drei Jahren zum A-Kader von Swiss Table Tennis, in dem neben ihr sonst nur drei andere ältere Jugendliche sind – und das bei rund 6000 lizenzierten Tischtennisspielern und Tischtennisspielerinnen in der Schweiz. Aktuell ist sie im Lande die Nummer eins bei den U-15-Schülerinnen und die Nummer zwei bei den U-18-Juniorinnen. In Europa rangiert sie in ihrem Jahrgang bereits in den Top 15. Dank ihrer guten Resultate bei den Hungarian Open im November wird sie Anfang 2014 auch bei den U-15-Schülerinnen in Europa voraussichtlich unter die Top 60 klettern.

«Ein Ende des Aufstiegs ist nicht abzusehen, wenn man bedenkt, dass meine Tochter sogar noch zwei Jahre in dieser Altersklasse international starten darf», so ihr Vater. «Ich spiele eigentlich immer gegen Ältere. Die meisten unterschätzen mich. Im Verlauf eines Spiels merken sie, dass es wohl schwerer wird als vermutet. Manchmal verlieren sie die Beherrschung, wenn sie verloren haben», erzählt die 13-Jährige – so geschehen auch im Meisterschaftsspiel von diesem Wochenende gegen den TTC Kriens (siehe Box).

Baarer unterliegen dem Spitzenreiter knapp

An Camille-Chloé Linke hat es nicht gelegen, dass der TTC Baar gegen den Ligaprimus TTC Kriens verloren hat. Sie gewann am Wochenende im siebten und letzten Hinrundenspiel zwei ihrer drei Einzelpartien. Auch sonst zeigte das Team mit Rolf Nölkes, Almir Alicic und Linke im Zentralschweizer Derby eine makellose Leistung – und stand am Ende doch mit leeren Händen da.

Favorit ist völlig entnervt

Teamsenior Nölkes (B15) brachte den Krienser Markus Weber (B14) in einer bis zum Ende offenen Partie ein ums andere Mal mit seiner ungewohnten Spielweise in Verlegenheit und konnte im Auftaktmatch mit seinem 3:2-Sieg ein erstes Ausrufezeichen setzen – und das notabene beim ungeschlagenen Tabellenführer.

Im zweiten Match traf Camille-Chloé Linke auf den Krienser Spitzenspieler René Ortner (A18). Zwei Sätze lang wurde dieser seiner Favoritenrolle gerecht und konnte sich trotz durchschnittlichem Spiel beide Sätze knapp sichern. Doch Linke konnte schon mehrfach in dieser Saison nachweisen, dass sie selbst scheinbar aussichtslose Rückstände nicht aus der Ruhe bringen. Ab dem dritten Satz zwang sie dem Favoriten ihr Spiel auf und rang den am Ende völlig entnervten Ortner sensationell mit 3:2 nieder.
Als Spitzenmann Almir Alicic (A18) dann noch Kriens’ Nummer 2 Jan Trampus (A16) mit 3:1 in Schach halten konnte, durften sich die Baarer gar über eine 3:0-Führung freuen.

Linke siegt auch im zweiten Spiel

In Spiel 4 trafen Linke und Weber aufeinander. Erneut ging sie über fünf Sätze und liess ihrem routinierten Gegner mit 11:4 im finalen Satz keine Chance mehr, um mit ihrem 2. Tagessieg den 4:0-Zwischenstand für den Aussenseiter zu buchen.

Doch leider konnten Nölkes und Alicic ihre jeweils zweiten Matches gegen Trampus und Ortner nicht gewinnen, sodass es vor dem Doppel nur noch 4:2 für die Zuger stand. Dies sorgte für einen Bruch im Baarer Spiel, und fortan gingen alle Spiele an den Tabellenführer. Besonders unglücklich war die Doppelniederlage von Alicic/Linke gegen Ortner/Trampus mit 9:11 im Entscheidungssatz sowie Linkes identisches Ergebnis gegen Trampus.

Alicic ist gefordert

Da leider auch Spitzenmann Alicic in fünf Sätzen überraschend gegen Weber verlor, reichte es, trotz der zwei Erfolge von Camille-Chloé Linke, am Ende nur zu einem Auswärtspunkt. Doch eigentlich wäre mehr dringelegen. Besonders Alicic muss den Hebel nun umlegen, damit der TTC Bar im ersten Rückrundenmatch am Sonntag, 16. Dezember, um 13 Uhr daheim gegen den TTC Pratteln wieder auf die Erfolgsspur zurückfindet.

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