TÖTUNGSFALL IN BAAR: Härtere Strafen für Mitbeschuldigte

Zwei Jahre bedingt für den Haupttäter, neun und sechs Monate unbedingt für die Mitbeschuldigten. So sühnt das Zuger Strafgericht den Tod eines Baarers.

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Martina Weber, Staatsanwältin. (Archivbild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Martina Weber, Staatsanwältin. (Archivbild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Niemand habe den ganzen Ablauf am 14. April 2007 am Kreuzplatz in Baar von A bis Z mitverfolgt, sagte Referent Stephan Dalcher bei der Urteilsverkündung des Zuger Strafgerichtes. Aber das Puzzle ergebe ein schlüssiges Bild, das sich «widerspruchslos zu einem Ganzen zusammenfügt». Dieses stimme auch mit den Resultaten der Gerichtsmedizin überein.

So hätte der 42-jährige Schweizer E. K.* zusammen mit seinem Freund kurz vor 2 Uhr das Baarer Hans-Waldmann-Pub verlassen. Sie befanden sich seit 21 Uhr auf einer Beizentour. Das spätere Opfer E. K. wies einen Alkoholpegel von 2,13 Promille auf.

Ein tödlicher Schlag frontal ins Gesicht
Auf dem Treppenpodest vor der Bar befanden sich zwei Mazedonier. E. K. habe den 22-jährigen nach einem verbalen Disput angerempelt, worauf der Ausländer ihn ins Gesicht fasste und heftig gegen einen Glaskasten gestossen habe. Der 42-Jährige stieg die Treppe runter und forderte den Kontrahenten zum Kampf heraus. Das gleiche tat sein Freund, der den Ausländer die Treppe runterstiess und gleichzeitig dessen Landsmann festhielt.

Während E. K. dem 22-Jährigen einen Schlag ins linke Auge verpasste, kam der andere Madzedonier von der andern Strassenseite und wurde vom Freund von E. K. niedergeschlagen. Der 24-jährige Mazedonier mischte sich dann in den Streit mit E. K. ein und versetzte ihm den verhängnisvollen Schlag. «Wie ein Stein fiel dieser zu Boden», schilderten Augenzeugen. Das Strafgericht geht davon aus, dass der tödliche Schlag nicht hinterrücks erfolgte, wie die Anklage ausführte, sondern aufgrund von Aussagen frontal ins Gesicht.

Täter hätte bemerken müssen, dass das Opfer betrunken war
Für das Strafgericht ist damit der Tatbestand der vorsätzlichen Tötung objektiv erfüllt. Doch könne dem Täter nicht vorgeworfen werden, dass er den Tod in Kauf genommen habe. «Ein einziger Schlag ins Gesicht führt in der Regel nicht zum Tod», sagte dazu Strafrichter Dalcher. Hingegen müsse dem Täter eine Verletzung der Sorgfaltspflicht vorgeworfen werden. Durch das aggressive und lärmige Auftreten des Opfers hätte der Täter in Betracht ziehen müssen, dass dieses betrunken war. Deshalb habe er sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht.

Auch wenn das von den Verteidigern der Mitbeschuldigten bestritten wurde, erachtet das Strafgericht den Tatbestand des Raufhandels bei allen drei Beschuldigten als erfüllt. Dabei gehen die Richter von einem einheitlichen Geschehen von der Rempelei auf dem Podest bis zum Niederschlag aus. Die Aussagen der Mitbeteiligten, sie hätten nur zu schlichten versucht, erachtet das Gericht als zynisch und als Schutzbehauptung.

Zwei Jahre Freiheitsstrafe
Nicht estimiert vom Gericht wurde, dass sich die Beteiligten vom Tatort entfernt hatten. Der Freund meldete sich dann am Mittag bei der Polizei. Dem Haupttäter wurde sein guter Leumund zugute gehalten, weshalb er mit einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren glimpflich wegkam. Staatsanwältin Martina Weber hatte wegen vorsätzlicher Tötung acht Jahre Strafe verlangt, der Verteidiger wegen Raufhandels vier Monate bedingt. Auf Antrag von Weber befand sich der Angeklagte seit dem 6. Juni wegen Fluchtgefahr in Sicherheitshaft, aus der er gestern nach der Urteilsverkündung entlassen wurde.

Wegen Raufhandels erhielt der 22-jährige Landsmann des Hauptschuldigen eine unbedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten. Wegen des gleichen Delikts wurde der Freund von E. K. zu sechs Monaten unbedingt verurteilt. «Ich bin mit dem Urteil grundsätzlich zufrieden», sagte Staatsanwältin Martina Weber, die erstmals vor Gericht eine Anklage vertrat. Die Richter seien ihren Anträgen weitgehend gefolgt. Sie wolle nun vorerst die schriftliche Begründung des Urteils abwarten.

Jürg J. Aregger

* Namen der Redaktion bekannt.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Zuger Zeitung.