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Kommentar

Törichte Veränderung

Für die Stellung der Frau in der Gesellschaft zu kämpfen, ist absolut notwendig. Ist es das aber auch in der Sprache, fragt sich Harry Ziegler, Chefredaktor der «Zuger Zeitung».
Harry Ziegler,
Harry Ziegler.

Harry Ziegler.

«Für die Stellung der Frau in der Sprache zu kämpfen, ist ein völlig unsinniger Ansatz.» Der sich so in der «Weltwoche» zitieren lässt, ist Wolf Schneider (93). Dieser Name wird wohl nur professionelle Schreiber in helle Panik versetzen. Denn Schneider gilt als der härteste Sprachkritiker im deutschen Sprachraum. In dieser Eigenschaft kämpft er seit über zwanzig Jahren «gegen den wortwörtlich praktizierten Feminismus, gegen das Binnen-I, gegen die Verhunzung der Sprache durch angeblich genderneutrale Konstruktionen wie ‹Studierende›.» Und das mit Verve. Gerade erst hat er unter dem Titel «Schluss mit dem Gender-Unfug» einen Aufruf zum Widerstand verfasst, der innert weniger Wochen von 60000 Personen unterzeichnet wurde.

Schneider hat recht, was die bemühten Konstruktionen in der Sprache betrifft. Er kämpft jedoch vehement und unter Einsatz korrekter Sprache für die Stellung der Frau in der Gesellschaft. Nur eben nicht in der Sprache. So gibt es in ihr Beispiele, die sowohl weiblich als auch männlich sein können. Der Gast kann Mann oder Frau sein. Der Begriff weiblich komme, so Schneider, von «das Weib», einem sächlichen Begriff. Was beweise, dass das biologische Geschlecht und der sprachliche Ausdruck keinen Zusammenhang haben. Schliesslich diskriminiere die deutsche Sprache auch Männer. Im Begriff «Geschwister» kommt der Mann nicht vor. Und Frauen können – sprachlich gesehen – keine «Taschendiebe» sein.

Nun, was will Schneider uns sagen: Der Kampf für die Sache der Frau ist in der Gesellschaft zu führen – mit, aber nicht in der Sprache. Die Sprache verändern zu wollen, sei töricht, sagt er, «eine Wichtigtuerei ohne Fortschritt für die weibliche Sache.» Gender-* inklusive.

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