Torten und Pralinen wie im Märchen: Rahel Weber holt Gold bei den Swiss Skills

Für ihren Beruf hegt Rahel Weber (20), die ihre Lehre in Baar absolvierte, nicht nur viel Leidenschaft, sondern sie sticht auch mit ihren ausserordentlichen Kreationen 
heraus. Trotz der süssen Köstlichkeiten, die sie gestaltet, führt sie kein «Schoggileben».

Vanessa Varisco
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Rahel Weber ist Bäcker-Konditorin und hat an den Swiss Skills gewonnen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 03.Oktober 2018))

Rahel Weber ist Bäcker-Konditorin und hat an den Swiss Skills gewonnen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 03.Oktober 2018))

Rahel Weber ist Meisterin der süssen Versuchungen – das hat sie an den Swiss Skills, die vom 12. bis zum 18. September in Bern stattgefunden haben, bewiesen. Die Obfelderin hat Gold geholt an den Berufsmeisterschaften und darf 2019 an den World Skills teilnehmen. «Zwar habe ich nicht damit gerechnet, mich aber umso mehr über den Erfolg gefreut», erläutert Rahel Weber, welche sich an den Meisterschaften von ihrer Schokoladenseite gezeigt hat. Von Beruf ist die 20-jährige Bäckerin-Konditorin und arbeitet in der Bäckerei Hotz Rust in Baar. Mit viel Leidenschaft widmet sie sich tagtäglich Torten, Tartelettes und Pralines – wobei sie jene mit Leidenschaft backt und dekoriert.

Ihre Lehrabschlussprüfung hat sie als Kantonsbeste absolviert und wurde so schliesslich für die Teilnahme an den Schweizer Berufsmeisterschaften auserkoren. «Für mich war sofort klar, dass ich mich dieser Herausforderung stelle», erinnert sich die Obfelderin. Zur Vorbereitung hatte sie zwei Monate Zeit – einen davon war sie noch 100 Prozent berufstätig. «Die Vorbereitung war teilweise anstrengend. Manchmal benötigte ich drei, vier Versuche, bis eine Torte so ausgesehen hat, wie ich mir das vorstellte», berichtet die 20-Jährige. In ihrer Vorbereitungszeit sei sie auch von ihrem Lehrbetrieb unterstützt worden. «Das war sehr hilfreich. Denn so kurz nach Lehrabschluss hatte ich noch nicht viel Erfahrung und Ideen für die Ausgestaltung eigener Torten.»

An den Meisterschaften in Bern hatte sie acht Stunden Zeit um zwei gleiche Torten zu backen, moderne Tartelettes, Pralinen und zwei Fantasieartikel zu erstellen. In Zeitdruck sei sie nicht geraten, denn sie habe sich vorab einen Plan zurechtgelegt. Als Motto sei das Thema «Märchen» vorgegeben gewesen – Rahel Weber hat sich anschliessend als Motiv «Schneewittchen» ausgesucht. «Dekor und Füllung sollten zueinanderpassen. Als Fantasieartikel habe ich beispielsweise einen Zwerg und einen Apfel kreiert», berichtet die Confiseuse. Die Füllungen der Tartelettes und Torten habe sie auch ihrem Sujet angepasst – so gehörte unter anderem Waldbeerenfüllung zum Rezept. «Als Confiseuse braucht es doch etwas Kreativität – vor allem, wenn es um das Ausdekorieren der Torten geht», weiss Weber. Mit ihren fruchtigen Kreationen hat sie die Jury überzeugt. «Besonders habe ich mich darüber gefreut, dass der Aufwand der Vorbereitung sich gelohnt hat.»

Faszination Backen und frühes Aufstehen

Rahel Weber hat vor ihrer Lehre zu Hause schon viel gebacken. In der Sekundarschule habe sie sich dann entschlossen, eine Lehre als Konditorin in Angriff zu nehmen. «Mich fasziniert besonders, was man alles aus Schokolade herstellen kann. Die Variationen reichen von Pralinen über Gebäcke bis hin zu künstlerisch angehauchten Fantasieartikeln», so die Obfelderin. Nachdem sie die Lehre abgeschlossen habe, sei sie sich nach wie vor sicher, die richtige Berufswahl getroffen zu haben. Auch das frühe Aufstehen mindere ihre Freude am Beruf keineswegs. Zwischen 3 und 4.30 Uhr beginnt ihr Arbeitstag. Die Umstellung von der Schule ins Berufsleben war gewöhnungsbedürftig. Inzwischen hat sich das jedoch eingependelt.» Und mittlerweile geniesse sie ihre freien Nachmittage. Zeitweise holt sie dann etwas Schlaf nach, sodass sie abends noch immer genug Energie hat, um Zeit mit Freunden oder Hobbies zu verbringen.

Frühmorgens startet sie mit der Produktion von Vanillecremen, Cakes und Torten. Anschliessend werde jeweils vorproduziert für die nächsten Tage. Die Lust auf Süsses habe ihr der Beruf nicht verdorben. «Das kommt natürlich auf den Menschen an, aber mir ist es noch nicht verleidet», verrät Rahel Weber. «Besonders angetan haben es mir Schoggi-Cornflakes.» Und auch sonst ist sie begeistert von Schokolade in allen Variationen.

Nächster Stopp: 
Weltmeisterschaften

Mit ihrer Leistung an den Swiss Skills hat sich Rahel Weber für die nächstjährigen World Skills im August qualifiziert. Wie auch bei den Schweizermeisterschaften bleibt sie ihrem Motto an der Weltmeisterschaft treu: Ziel sei zwar nicht der Sieg, aber die persönliche Bestleistung. Sie wird sich intensiv vorbereiten, an neue Kreationen wagen und voraussichtlich mit Coachings gestützt. Aufgrund der Vorbereitung wird sie zudem vermutlich ihr Arbeitspensum reduzieren und ihre Ressourcen gezielt für die Vorbereitung einsetzten. «Ich möchte vor allem Erfahrungen sammeln und am Ende sagen können: Mehr wäre nicht möglich gewesen.»