TOURISMUS: Zugs sonnige Seite wird nicht vermarktet

Wer sie kennt, rühmt sie – die Sonnenuntergänge in Zug. Das Problem: Der Rest der Welt hat keine Ahnung davon.

Wolfgang Holz
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Die Postkarte, die es noch nicht gibt: unser exklusives Angebot für Sonnenanbeter und für eine touristische Werbekampagne. (Bilder Charly Keiser / Christof Borner-Keller).

Die Postkarte, die es noch nicht gibt: unser exklusives Angebot für Sonnenanbeter und für eine touristische Werbekampagne. (Bilder Charly Keiser / Christof Borner-Keller).

Es gibt nicht wenige Zuger, die sind felsenfest davon überzeugt, dass es die heimischen Sonnenuntergänge locker mit denen in mediterranen Gefilden aufnehmen können. Zum Beispiel mit denen im griechischen Kap Sounion an der Südspitze Attikas. So manches Liebespärchen hat sich dort, in den Ruinen des Meeresgotts Poseidon, schon romantisch die ewige Treue versprochen. Der wesentliche Unterschied: Die glühend roten Sonnen von Kap Sounion kennt die ganze Welt – die von Zug nicht mal die halbe. Eigentlich schade.

Destination für Sonnenanbeter?

Zug – eine Destination für Romantiker, Sonnenanbeter und Liebes-, ja Hochzeitspärchen? Wäre das vielleicht eine neue Zielgruppe für den Tourismus und die kriselnde Hotellerie in Zug? Schliesslich ist es ja kein Geheimnis mehr, dass hiesigen Hotels gemäss der jüngsten Statistik der Logiernächte nicht selten die Gäste ausgehen. Grund: Immer häufiger fehlen Businessleute, die in Hotels absteigen – weil die Firmen nicht mehr so viel Geld dafür ausgeben wollen. Und weil man sich in Zug seitens der Hotellerie neben den Geschäftsleuten bislang eben kaum auf Touristen konzentriert hat. Doch das hat sich nun aufgrund der Konjunktur etwas verändert. Und da man ja in Zug Carreisende nicht für standesgemäss hält, ist man auf der Suche nach passenden Individualtouristen.

«Sie treffen mit den Zuger Sonnenuntergängen den Nagel auf den Kopf», räumt Urs Raschle, Leiter von Zug Tourismus, ein. Zwar habe er schon 2008 einmal das Erlebnispackage «Wasser» lanciert, in dessen Rahmen Gäste morgens mit dem Wakeboard auf den Zugersee hätten fahren können, abends mit dem Segelboot, um das Zuger Lichtspektakel zu geniessen. «Doch damals haben wir praktisch kaum Unterstützung von Zuger Hoteliers erfahren», so Raschle. Dabei hält er selbst die Sonnenuntergänge am Zugersee für die Attraktion schlechthin: «Das ist ein wahres Highlight, und es ist immer wieder erstaunlich, wie die Leute Bauklötze staunen, wenn sie die untergehende Sonne zum ersten Mal sehen.»

Aber wenn dem so ist – warum macht Zug nicht mehr aus seiner Schokoladenseite? Warum gibt es nicht mehr Werbemedien – Plakate, Fototapeten oder einfach nur Postkarten, die man in alle Welt verschicken könnte? Schliesslich findet man ausser einem einzigen Sonnenuntergangsszenario, fotografiert von Werner Morelli vom Wildspitz aus sowie von der Zugersee Schifffahrt mit dem MS «Zug» im Vordergrund, nicht viel Herzeigbares in Sachen Sonnenuntergängen am Kiosk.

Zugs Tourismuschef könnte sich mit zusätzlichen Vermarktungsideen des einheimischen Sonnenspiels durchaus anfreunden. Doch er macht klar: «Die finanziellen Mittel sind derzeit gar nicht vorhanden, um Zug nach aussen hin auf diese Weise für neue Gäste zu bewerben – so wie es Zug verdienen würde.» Grund: Der Verein Zug Tourismus, den es seit 1995 gibt, sei derzeit mit einem Budget von lediglich rund 1 Million Franken dotiert. Der Kanton sei dabei mit 300 000 Franken der grösste Geldgeber.

Aber laut Raschle verhindert nicht nur die mangelnde finanzielle Ausstattung ein grösseres Engagement. «Zum einen hat der Kanton klar festgelegt, dass Zug Tourismus sich in erster Linie um die Einheimischen und da insbesondere um die Expats in Zug kümmern soll – damit die wissen, was man vor der Haustüre alles unternehmen kann.» Zum anderen bestehe, so der Tourismuschef, ein Kompetenzgerangel unter den einzelnen Playern. «Last but not least stehen wir jetzt gerade mit den Zuger Hoteliers in Verhandlungen, um neue Ziel- und Gästegruppen zu definieren», so Raschle. «Doch das braucht eben Zeit und geht nicht von einem Tag auf den anderen.»