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TRADITION: Ramadan – Fasten, beten, feiern

Am Mittwoch beginnt in der muslimischen Welt der Ramadan. 30 Tage ohne Essen und Trinken sind eine Herausforderung, aber auch eine Chance. Nicht nur für Muslime.
Haymo Empl
Suna Trüb-Coban vom Ecem Market in Zug verkauft türkische Lebensmittel. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 9. Mai 2018))

Suna Trüb-Coban vom Ecem Market in Zug verkauft türkische Lebensmittel. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 9. Mai 2018))

Haymo Empl

redaktion@zugerzeitung.ch

Suna Trüb-Coban weiss, dass jetzt die Ruhe vor dem Sturm herrscht. Denn bald werden die ersten Kunden ihr Mittagessen bei der umtriebigen Ladenbesitzerin an der Poststrasse in Zug ­ordern wollen, und sobald der ­Ramadan beginnt, werden es nochmals deutlich mehr sein. Ihre bunt gemischte Kundschaft ist ­anspruchsvoll und multikulturell. Suna Trüb-Coban ist die ­Inhaberin des Ecem Markets – ein klassischer Tante-Emma-Laden mit ­Fokus auf türkische Spezialitäten und Lebensmittel aus dem Balkan. Und weil Trüb-Coban quasi an der Quelle zu frischen Produkten sitzt, macht es auch Sinn, diese zu türkischen, kurdischen und orientalischen Spezialitäten weiterzuverarbeiten; im Ecem Market kocht die Chefin ­jeden Tag frisch.

Fasten löst Wirtschaftsboom aus

Gerade diese Take-away-Möglichkeit ist während des Ramadan besonders beliebt. Der muslimische Fastenmonat beginnt dieses Jahr am 16. Mai, und während der darauffolgenden 30 Tage darf tagsüber weder gegessen noch getrunken werden. Das Fasten im Monat Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islam, also ein unumstössliches Gebot. Für Aussenstehende mag es hart oder gar befremdlich klingen, einen Monat lang tagsüber weder zu essen noch zu trinken. Der Präsident des türkisch-islamischen Vereins Dilaver Cicek erklärt: «Ob die Leute dies einhalten oder nicht, ist ihnen letztlich selbst überlassen. Wenn der Ramadan befolgt wird und man fastet, hat man seine Pflicht erfüllt, wenn dies nicht geschieht, dann muss sich die betreffende Person gegenüber Gott verantworten. Und nicht gegenüber anderen Menschen.» Der Ramadan habe aber auch noch eine andere Funktion: «Nebst Erfüllung der Religionsvorschriften dient der Fastenmonat auch dazu, sich in die Lage der weniger Privilegierten zu versetzen. Wir denken dabei an diejenigen, die keine Nahrung im Überfluss haben und hungern müssen», so Dilaver Cicek.

In der islamischen Welt stellt sich die Bevölkerung entsprechend auf den Fastenmonat ein, alles geht etwas gemächlicher und ruhiger zu, ein Schläfchen am Tag ist die Regel und nicht die Ausnahme. Abends finden dafür dann mancherorts Feste statt und die Stimmung ist ausgelassen. Auch die Wirtschaft profitiert – das ist sogar hier in der Schweiz spürbar: «Ich verkaufe deutlich mehr Früchte und Lebensmittel während des Fastenmonats», ­erklärt Suna Trüb-Coban. Viele würden bei ihr auch direkt schon das komplette Abendessen einkaufen, «weil sie am Abend wenig Lust haben, noch gross zu ­kochen», so Suna Trüb-Coban. «Die Muslime müssen während des Ramadan ihre Lebensweise eigentlich nicht gross ändern, lediglich die Ernährung wird in dieser Zeit angepasst», stellt Dilaver Cicek klar. «Und man verzichtet auf Genussmittel, da gehört auch das Rauchen dazu.» Nach dem Abendessen wird gebetet. Das spezielle Ramadan-Gebet Teravih wird nach Möglichkeit in der Gemeinschaft gesprochen.

Verzicht – nicht nur auf Nahrung

Auf Nahrung zu verzichten, das kennt man auch in der christlichen Kultur. «Aus meinem Verständnis heraus geht es bei beiden Religionen um innere Einkehr. Also um die Konzentration auf das Wesentliche und verzichten lernen», erklärt Robert Pally. Er ist Religionspädagoge der Pfarrei Baar und engagiert sich stark im interreligiösen Dialog. «Ich finde es beeindruckend, dass im Islam in dieser Zeit Streit mit anderen geschlichtet werden soll.»

Nichts essen und nichts trinken während des Ramadans, das kann bei körperlich anstrengenden Berufen an die Substanz gehen. Bekannte Beispiele sind die muslimischen Fussballspieler: Manche halten sich streng daran, andere nur während der spielfreien Tage, und der ehemalige FCZ-Tunesier Amine Chermiti (derzeit beim französischen Gazélec FC Ajaccio) praktiziert ihn gar nicht, mit der Begründung, der Spitzenfussball sei später ­erfunden worden. Diese Ausnahme sieht die Religion aber eigentlich nicht vor, denn vom Fasten ausgenommen sind nur Kinder unter 15 Jahren, alte und kranke Menschen, geistig Behinderte, Wöchnerinnen und schwangere Frauen. «Letztlich muss das aber jeder mit sich selbst und Gott ausmachen», findet auch Suna Trüb-Coban.

Während des Gespräches mit dieser Zeitung betritt eine Türkin in den späten Dreissigern den Ecem Market, kauft iranische Datteln und lässt sich ihr Mittagessen einpacken. Sie schaltet sich ins Gespräch ein: «Ich selbst glaube eher an einen universellen Gott, und diesem ist es egal, ob wir fasten oder nicht. Letztlich zählen der Lebensstil und die Lebens­bilanz gegenüber dieser höheren Macht», erklärt die Türkin und weist ebenfalls darauf hin, dass hier im Ecem Market das Essen nicht nur während des Ramadan ausgezeichnet sei. Im Spezialitätenladen treffen die unterschiedlichsten Ansichten aus ganz verschiedenen Kulturkreisen aufeinander – das funktioniert dort problemlos. Auf der Weltbühne bekanntlich aber weniger. Woran liegt das? «Es braucht im inter­religiösen Dialog Toleranz gegenüber dem Anderssein der jeweilig anderen Religion. Man muss mit dem anderen nicht immer gleicher Meinung sein, um ihn zu respektieren», meint Robert Pally. Denn: «Wir sind alle auf der ­Suche.»

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