TRADITION: Schnitzelbänke: Wortgewandt und witzig soll es sein

Schnitzelbänke gehören zur Fasnacht wie Konfetti und Kaffee Luz – vor allem im Ennetsee. Insbesondere Missgeschicke begeistern das Publikum. Für die Vortragenden bedeutet das eine Menge Arbeit.

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Die Gruppe Massstab während eines Auftritts an der letztjährigen Fasnacht. (Bild: pd)

Die Gruppe Massstab während eines Auftritts an der letztjährigen Fasnacht. (Bild: pd)

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Ganz gleich, ob an einem Bühnenspiel wie etwa im Ägerital, in den Fasnachtszeitungen «Füürhorn» der Freiwilligen Feuerwehr Zug oder «Chomer Fasiblatt»: Die Fasnachtszeit ist auch die Zeit, an der so manches schon vergessene Missgeschick wieder ans Licht geholt wird. Gewandt und gerissen werden internationale Ereignisse oder lokale Geschehnisse pointiert beschrieben. So mancher Einheimische wird dabei aufs Korn genommen und würde wohl am liebsten im Erdboden versinken. Im Ennetsee kennt man das insbesondere in Form von Schnitzelbänken. In Rotkreuz allerdings stand die Tradition noch vor drei Jahren fast vor dem Aus. Bei der bevorstehenden Fasnacht allerdings werden wieder vier Schnitzelbank-Gruppen zu sehen – und vor allem zu hören – sein: neben den Los Papagayos sind das Massstab, De Bärner und Lirumlarum. Einen grossen Beitrag zu diesem Erfolg leistete Rita Kretz. 

Die Rotkreuzerin hat sich dafür eingesetzt, dass neue Gruppen gebildet wurden. «Ich habe eine persönliche Beziehung zu den Los Papagayos und habe dann einen Aufruf gestartet», erinnert sie sich. «Ich wollte nicht, dass alte Traditionen verloren gehen», ergänzt sie. Ihr Appell ist auf offene Ohren gestossen. Rita Kretz hat sich seither den Schnitzelbänken verschrieben. Zwar tritt sie nicht selber in einer Gruppe auf, aber sie übernimmt die Organisation im Hintergrund. 

Die Bühne überlässt sie anderen – Andreas Dönni von der Gruppe Massstab beispielsweise. «Zu dritt sind wir nun seit drei Jahren unterwegs», erklärt Dönni. Bereits davor war er als Mitglied der Guggenmusig Oohregrööbler aktiv an der Rotkreuzer Fasnacht beteiligt, gemeinsam mit seinen beiden Schnitzelbank-Kollegen. Jedes Jahr treten sie in einem neuen Kostüm auf und spielen dazu noch Theater. Im November geht die Saison jeweils los. «Wir treffen uns einmal pro Woche. Zuerst sammeln wir Themen, überlegen uns eine Deko und fangen dann an zu schreiben.» Die Ohren haben die drei dabei das ganze Jahr über offen. «Oft wird einem etwas zugetragen, das schreiben wir dann sofort auf.»

Das Risiko hat sich gelohnt 

Mit Massstab wagten die drei etwas Neues, keiner hatte vorher schon Erfahrung mit Schnitzelbänken. «Am Anfang hat man das Gefühl, dass man unbedingt lustig sein muss», gibt Andreas Dönni zu. Von vornherein könne man aber selten sagen, was beim Publikum gut ankomme. «Oft ist es von Beiz zu Beiz auch sehr unterschiedlich.» Besonders ziehen würden Geschichten, die nicht breit gestreut seien, so Dönni.

In Rotkreuz ist zwar jede Gruppe autonom organisiert. Eine Zusammenarbeit gibt es trotzdem. «Wir treffen uns im Spätherbst, um organisatorische Details zu klären, und unterhalten uns über mögliche Themen», erklärt Rita Kretz. Die Rotkreuzer Schnitzelbank-Szene hat sich gut erholt. Der Erfolg gibt ihr Recht: «In diesem Jahr ist ein weiteres Restaurant dabei», sagt Kretz. An fünf Orten – im Alterszentrum Dreilinden und in den Restaurants Apart, Mamma Mia, Club Noi und Rosengarten – treten die vier Gruppen am Fasnachtssamstag, 25. Februar, auf. «Die Plätze sind schon fast ausgebucht. Es zeigt sich also, dass ein grosses Interesse besteht.»

Seit 30 Jahren unterwegs

Viel länger unterwegs als die Gruppe Massstab ist die Gruppe Giftsprützi aus Cham. Sie feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Von Anfang an mit dabei ist Mike Limacher. «Seit 1995 sind wir zwar mit der gleichen Besetzung unterwegs, seit 2004 aber nur noch zu viert.» Bei den Mitgliedern hat sich über die Jahre ein fester Ablauf entwickelt: «Da wir jedes Jahr ein spezielles Thema haben, machen wir zuerst einen Unterhaltungsblock», erklärt Limacher. Dabei werde das Thema eingeführt und das Publikum schon mit einbezogen. Dann folgen die Bilder und die Sprüche, und zum Schluss werden die Zuschauer auch musikalisch unterhalten. Was in diesem Jahr thematisiert wird, verrät die Gruppe selbstverständlich noch nicht. Die Gäste sollen auf die Folter gespannt werden – und bangen, ob ihr Missgeschick wohl in diesem Jahr auch Teil der Vorstellung ist.