Kolumne

Traditionell modern unterrichten

Andreas Pfister (48) ist Lehrer an der Kantonsschule in Zug und beschreibt, wie sich die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus auf seinen Alltag auswirken.

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Andreas Pfister ist Lehrer und Medienverantwortlicher an der Kantonsschule Zug. Er wohnt in Zürich.

Andreas Pfister ist Lehrer und Medienverantwortlicher an der Kantonsschule Zug. Er wohnt in Zürich.

Stefan Kaiser (Zug, 31. Juli 2018)

Ich versuche in dieser Zeit möglichst meine Tagesstruktur beizubehalten. Als Lehrer an der Kanti Zug unterrichte ich meine Schüler von zu Hause aus. Obwohl kein Präsenzunterricht herrscht, stehe ich trotzdem jeden Morgen um die gleiche Zeit wie sonst auf. Da ich keinen Arbeitsweg habe, mache ich einen Marsch, denn ich brauche die frische Luft. Des Öfteren gehe ich bei der Bäckerei vorbei und bringe meiner Familie Gipfeli mit. Mein Sportbedürfnis hat noch zugenommen und ich möchte keinen Hüttenkoller riskieren.

Danach findet der Unterricht bei mir nach Stundenplan statt. Die erste Lektion beginnt pünktlich um 7.55 Uhr. Für mich ist es wichtig, die Struktur trotz Ausnahmesituation beizubehalten. Ich begegne den Lernenden auf unserer virtuellen Schulplattform und im Teams – einem Programm, das ähnlich wie Whatsapp funktioniert. Dort halte ich überraschend normalen Unterricht – einfach über die Videofunktion. Ganz altmodisch, obwohl mein virtuelles Klassenzimmer an der Infrastruktur gemessen sehr modern ist. Meine Schüler erledigen ihre Arbeiten in Gruppen, welche ich immer wieder besuche und so für Fragen erreichbar bleibe. Ich unterrichte traditionell mit Projekten, Gruppenarbeiten und Frontalunterricht, aber virtuell modern.

Dass wir auf diese Weise digital arbeiten können, dafür danke ich meinen IT-Kollegen. Sie haben die Schulplattform in Schuss gehalten. Dank ihnen glückte uns ein digitaler Salto mortale. Das finde ich schon sehr cool, dass alles so gut funktioniert. Mir ist aber bewusst, dass die digitale Schule der Zukunft immer noch ein Schulhaus braucht. Wir merken jetzt alle, wie schön es ist, wenn wir zusammenkommen können. Die Schüler vermissen einander und auch ich vermisse sie und meine Kollegen. Zwar machen wir virtuelle Kaffeepausen oder haben uns schon auf ein Feierabendbier im Netz getroffen. Das ist aber nicht das Gleiche. Man geht zur Schule, weil es schön ist und Spass macht, seine Gspändli zu treffen. Wenn der soziale Kontakt wegfällt, bleibt einzig der Schulstoff übrig.

Aufgezeichnet von: Andrea Muff

In dieser Kolumne beschreiben Zugerinnen und Zuger, wie sich die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus auf ihren Alltag auswirken.